(Sustav  Adolf  in  Deutschlaud.  267

strömte  eine  noch  größere  Flut  von  Klagen  auf  den  Kaiser  ein;  die  pommerschen  Ge—
sandten  machten  eine  grauenhafte  Schilderung.  Die  kaiserlichen  Soldaten  seien  als
Freunde  in  Pommern  aufgenommen  worden,  sagten  sie,  dennoch  hätten  sie  allein  im
Fürstentum  Stettin  10  Millionen  mit  Brandschatzungen  beigetrieben.  Sieben  pommerische
Städte  seien  durch  ihren  Mutwillen  in  Asche  gelegt,  ganze  Landstriche  verödet.  Ja  der
kaiserliche  Rittmeister  lebe  fürstlicher  als  der  Herzog  Bogislaw;  dabei  werden  die  Wirte
der  Krieger  täglich  mißhandelt,  Menschen  gemordet  und  ihre  Körper  den  Hunden  vor—
geworfen,  und  es  sei  fast  keine  Greuel  zu  denken,  die  sie  nicht  übten.  Viele  der  ver—
armten  Bürger  entleibten  sich  selbst,  um  dem  Hungertode  zu  entfliehen.  Den  einstimmigen
Klagen  konnte  Ferdinand  nicht  widerstehen,  und  als  die  Fürsten,  namentlich  Maximilian
von  Bayern,  darauf  drangen,  daß  Wallenstein  vom  Oberbefehl  entfernt  werde,  willigte
der  Kaiser  nach  einigem  Zaudern  ein.  Wider  alles  Erwarten  gehorchte  Wallenstein  ohne
Widerrede.  Seine  astrologischen  Berechnungen  schienen  ihn  besänftigt  zu  haben.  Er
messe  dem  Kaiser  keine  Schuld  bei,  sagte  er,  denn  die  Sterne  zeigen,  daß  des  Kurfürsten
von  Bayern  Spiritus  den  des  Kaisers  beherrsche,  übrigens  werfe  dieser  mit  dem  Abdanken
  seiner  Truppen  den  edelsten  Stein  aus  seiner  Krone  weg.  Er  zog  sich  auf  seine
Güter  nach  Mähren  zurück,  die  kaiserlichen  Scharen  aber,  die  nicht  entlassen  wurden,
vereinigten  sich  mit  denen  der  Liga  und  das  ganze  Heer  kam  unter  dem  Oberbefehl
  Tillys.

Sustav  Hdolf  in  Deutschland.

Der  Kaiser  hätte  sich  seines  Sieges  freuen,  der  Krieg  hätte  jetzt  beendigt  werden
können,  wenn  die  siegende  Partei,  namentlich  Ferdinand,  sich  hätte  mäßigen  können.
Allein  der  Augenblick  schien  der  katholischen  Partei  zu  günstig,  um  nicht  einen  großen
Gewinn  daraus  zu  ziehen.  Sie  verlangten  von  den  Protestanten  alle  die  geistlichen
Güter  zurück,  welche  seit  dem  Passauer  Religionsfrieden  (1552)  von  ihnen  waren
in  Besitz  genommen  worden,  zwei  Erzbistümer,  Bremen  und  Magdeburg,  zwölf  Bistümer
und  eine  außerordentliche  Menge  von  Stiften  und  Klöstern.  Diese  Zurückgabe  wurde
durch  das  Restitutionsedikt  vom  6.  März  1629  befohlen.  Die  Heere  wurden  zur  Ausführung
des  Ediktes  bestimmt  und  befehligt,  den  kaiserlichen  Abgeordneten,  welche  zu  diesem
Zwecke  im  Reiche  umhergeschickt  wurden,  überall  hilfreiche  Hand  zu  leisten.  Man  schritt
bald  zur  Vollstreckung  und  fing  im  südlichen  Deutschland  an.  Augsburg  z.  B.  mußte
die  geistliche  Gerichtsbarkeit  seines  Bischofs  anerkennen,  und  auf  den  protestantischen
Gottesdienst  verzichten;  der  Herzog  von  Württemberg  mußte  seine  Klöster  herausgeben,
dazu  faßte  die  Liga  den  Beschluß,  keines  der  eroberten  Länder,  weder  weltliche  noch
geistliche  herauszugeben,  es  sei  denn,  daß  der  Bund  zuvor  des  Ersatzes  der  Kriegskosten
gewiß  sei.  Auf  solche  Weise  schien  den  Protestanten  von  Seiten  der  Liga  noch  größere
Gefahr  zu  drohen,  als  von  der  des  Koaisers.

Zu  derselben  Zeit  suchte  Frankreich,  besorgt  für  das  Gleichgewicht  Europas,  der
drohenden  Uebermacht  des  Hauses  Habsburg  in  Deutschland  und  Spanien  entgegenzuarbeiten.
  Es  wollte  daher  die  Protestanten,  die  es  im  eigenen  Lande  mit  blutiger