268  Der  dreißigjährige  Prieg.

Strenge  verfolgte,  in  Deutschland  unterstützen,  um  sie  gegen  den  Kaiser  zu  gebrauchen-Der
  staatskluge  Kardinal  Richelien,  der  damals  unter  König  Ludwig  XIV.  an  der  Spitze
der  französischen  Regierung  stand,  ermunterte  darum  den  schwedischen  König  Gustav  Adolf,
der  durch  glückliche  Kämpfe  mit  den  Polen  bereits  als  ein  tüchtiger  Feldherr  sich  gezeigt
hatte,  zu  einem  Zuge  nach  Deutschland  und  versprach  Unterstützung  an  Geld.  Mit
15.000  Mann  landete  Gustav  Adolf  am  4.  Juli  an  der  Insel  Rügen.  Die  Kaiserlichen,
die  in  der  Gegend  der  Ostsee  nicht  stark  waren,  wurden  schnell  aus  Rügen  und  von
den  kleineren  Inseln  der  Ostsee  vertrieben,  und  Gustav  rückte  auf  Stettin,  die  Hauprstadt
des  Herzogs  von  Pommern  los.  Dieser,  furchtsam  und  verzagt,  wagte  es  nicht  sich
emschieden  dem  fremden  König  anzuschließen,  und  doch  konnte  er  auch  nicht  widerstehen.
Nach  langem  Zaudern  übergab  er  ihm  seine  Stadt,  welche  für  diesen  Krieg  nun  ein
Hauptwaffenplatz  werden  sollte.

Auch  die  übrigen  protestantischen  Fürsten  waren  unentschlossen,  wie  sie  sich  gegen
Gustav  Adolf  benehmen  sollten.  Er  hatte  sie  alle  zu  einem  großen  Bündnis  aufsgerufen,
allein  viele  fürchteten  die  Strenge  des  Kaisers,  andere  fürchteten  die  Herrschaft  eines
Fremden.  Die  Besten  mögen  aus  alter  Ehrfurcht  an  dem  Namen  des  Kaisers  und
Reiches  sestgehalten  haben.  Gustav  war  unzufrieden  über  diese  Stimmung  der  Fürsten.
Namentlich  schwankte  Sachsen,  das  sowohl  Oesterreich  als  Schweden  fürchtete,  und
der  Kurfürst  Georg  Wilhelm  von  Brandenburg,  ein  schwacher  Fürst,  der  von  seinem
Minister  Schwarzenberg  geleitet  wurde,  welcher  unter  österreichischem  Einfluß  stand.  Von  den
kleineren  Fürsten  schlossen  sich  nur  der  Landgraf  von  Hessen-Kassel  und  das  Haus
Sachsen-Weimar  an  ihn  an.

Gustav  rückte  rasch  in  Pommern  vorwärts  und  vertrieb  oder  überwältigte  die
kaiserlichen  Besatzungen.  Weil  aber  Gustav  Adolf  mit  Sicherheit  gehen  und  keinen  festen
Ort  in  seinem  Rücken  lassen  wollte,  so  forderte  er  von  dem  Kurfürsten  von  Brandenburg
die  Festungen  Küstrin  und  Spandau,  nachdem  er  Frankfurt  a.  O.  wo  8000  Kaiserliche
lagen,  erobert  hatte.  Als  der  schwache  Kurfürst  zagte,  rückte  Gustav  gegen  Berlin  vor,
und  es  gelang  ihm  endlich  seinen  Zweck  zu  erreichen.  Der  Weg  von  Spandau  nach
Magdeburg  war  nur  kurz,  die  von  Tilly  hartbedrängte  Stadt  flehte  um  schleunige  Hilfe,
der  König  fand  es  aber  nicht  möglich,  auf  dem  geraden  Wege  über  die  Elbe  zu  gehen,
im  Angesicht  des  Feindes.  Er  bat  den  Kurfürsten  von  Brandenburg  um  die  Erlanbnis
durch  sein  Land  ziehen  zu  dürfen,  allein  dieser  schlug  das  Gesuch  ab.  Man  unterhandelte
noch,  da  war  der  Tag  der  Eroberung  schon  vorüber,  die  Stadt  war  verloren.

Die  Stadt  Magdeburg,  welche  sich  von  jeher  durch  ihren  Eifer  für  die  protestantische
Sache  bemerkbar  gemacht  hatte,  war  auch  jetzt  die  erste  gewesen,  welche  sich  Schweden
anschloß.  Die  Stadt  lud  ihn  ein  an  die  Elbe  zu  kommen,  versprach  ihm  ihre  Tore  zu
öffnen,  und  stellte  sogar  Werbungen  für  ihn  an.  Gustauv  Adolf  freute  sich  ihres
Anerbietens,  allein  auch  Tilly  erkannte,  wie  viel  auf  ihren  Besitz  ankomme,  und  eilte,
sie  vor  dem  König  zu  gewinnen.  Im  März  dieses  Jahres  fing  er,  unterstützt  von  dem
tapferen  Oberst  Pappenheim  ihre  Belagerung  an.  In  der  Stadt  waren  nur  ein  paar
hundert  Schweden,  welche  der  König  unter  Melchior  von  Falkenberg  geschickt  hatte,  allein
die  Einwohner  kühn  und  entschlossen,  gingen  mutig  an  ihre  Verteidigung.  Sie  hatten
sogar  Verschanzungswerke  außerhalb  der  Stadt  angelegt,  und  nannten  eines  Trutz-Tilly
und  das  andere  Trutz-Pappenheim.