L
1
□

Ber  dreißigjährige  Krieg.

—  —  —
—  —  —

Allein  trotz  aller  mutigen  Verteidigung  fiel  Magdeburg  am  20.  Mai  1631  und
Tilly  rückte  als  Sieger  in  die  verwüstete  Stadt  ein.  Gerne  hätte  er  nun  den  Schweden—
könig  zu  einer  Schlacht  gebracht.  Dieser  aber  hielt  sich  nicht  für  stark  genug,  und  blieb
in  seinem  verschanzten  Lager  bei  Merben  in  der  Altmark.  Da  wendete  Tilly  sich  nach
dem  sächsischen  Lande,  besetzte  die  Städte  Merseburg,  Zeitz,  Nürnberg  und  Weißenfels,
um  dann  gegen  Leipzig  vorzurücken.  Nun  warf  sich  der  Kurfürst  unbedingt  dem  Schwedenkönig
  in  die  Arme,  schloß  mit  ihm  ein  festes  Schutz=  und  Trutzbündnis  und  vereinigte
sich  am  10.  September  bei  Düben  mit  ihm.  Auch  andere  protestantische  Fürsten  sehlossen
sich  dem  Schwedenkönig  an.

Noch  am  nämlichen  Tage  beschoß  der  kaiserliche  Feldherr  die  Stadt  Leipgig  und
nahm  sie  ein.  Allein  der  Schwedenkönig  rückte  mit  den  verbündeten  Heeren  näher,  und
nun  sollte  ein  Tag  zwischen  beiden  entscheiden.  Der  König  zauderte,  das  ganze  Schicksal
des  Krieges  auf  einen  Schlag  ankommen  zu  lassen,  der  Rurfürst  aber  verlangte  dieselbe
dringend,  und  der  König  gab  nach,  indem  er  gegen  Leipzig  zog.  Auf  den  Feldern  des
Dorfes  Breitenfeld  trafen  die  Heere  am  17.  September  zusammen.  Gustav  Adolf
stellte  die  Sachsen  getrennt  auf  seinen  linken  Flügel,  weil  die  Unerfahrenheit  der  angeworbenen
  Truppen  ihm  bedenklich  erschien.  Um  Mittag  fing  das  Feuer  der  Geschütze  an
und  wütete  schrecklicher  in  den  tiefen  Reihen  der  Kaiserlichen,  als  in  den  dünneren  der
Schweden.  Um  dem  ein  Ende  zu  machen,  warf  sich  der  kaiserliche  rechte  Flügel  mit
solcher  Gewalt  auf  die  Sachsen,  daß  diese  bald  in  Verwirrung  und  Flucht  gerieten  und
erst  weit  vom  Schlachtfeld  sich  wieder  um  ihren  Kurfürsten  sammelten.  Zu  gleicher  Zeit
hatte  sich  Pappenheim  mit  dem  Kern  der  Reiterei  auf  die  Schweden  geworfen,  um  ihre
Reihen  im  Sturm  zu  brechen.  Allein  er  traf  auf  eine  undurchdringliche  Mauer;  sieben
seiner  heftigen  Angriffe  wurden  zurückgeschlagen.  Da  drang  auch  Tilly,  von  der
Verfolgung  der  Sachsen  ablassend,  in  die  entblößte  Flanke  der  Schweden  ein,  aber  auch
hier  wendete  Gustav  Adolf  zur  rechten  Zeit  seine  Nachhut  gegen  den  Feind,  dessen
Sturm  sich  an  diesen  starren  Linien  brechen  mußte.  Mehr  und  mehr  wandte  sich
das  Kriegsglück  den  Schweden  zu,  Furcht  und  Bestürzung  kam  über  die  Kaiserlichen,
ihrer  sieben  Tausend  lagen  auf  dem  Schlachtfeld,  die  übrigen  flohen  in  der  größten  Verwirrung.
  Tilly  selbst  war  in  Lebensgefahr,  und  entkam  nur  mit  mehreren  Wunden;
erst  in  Halle  traf  er  mit  Pappenheim  und  einem  kleinen  Haufen  seines  einst  so  gefürchteten
und  nun  beinahe  vernichteten  Heeres  zusammen.

Gustav  Adolf  drang  nun  kühn  und  rasch  in  Deutschland  ein,  sein  Zug  ging  durch
Thüringen  nach  Franken,  von  da  gegen  den  Rhein,  und  von  da  nach  kurzer  Winterruhe
  wieder  durch  Franken  gegen  Bayern.  Die  wichtigsten  Städte  kamen  nach  kurzem
Widerstand  oder  freiwillig  in  seine  Hände.  Tilly  hatte  zwar  wieder  ein  größeres  Heer
zusammengebracht,  als  das  des  Königs  war,  er  wagte  es  aber  nicht,  sich  ihm  ernsthaft
in  den  Weg  zu  stellen.  Nach  Bayern  hatte  ihn  der  dortige  Kurfürst  berufen,  er  sollte
dem  König  den  Uebergang  über  den  Lech  wehren.  Allein  nach  einem  heftigen  Geschützfeuer
  mußten  die  Ligistischen  von  dort  zurückweichen,  der  König  ging  hinüber,  verfolgte
sie  scharf  und  da  geschah  es,  als  Tilly  sich  beim  Auskundschaften  der  Feinde  zu  weir
vorwagte,  daß  ihn  eine  Stückkugel  über  dem  rechten  Knie  traf  und  vom  Pferde  riß.
Schwerverwundet  wurde  er  nach  Ingolstadt  getragen.  Dorthin  zog  auch  der  Kurfürst
und  der  König  rückte  ihm  nach.  Er  ließ  sogleich  einen  Sturm  auf  die  Stadt  wagen
die  Besatzung  schlug  denselben  ab,  und  der  König  selbst  kam  in  Lebensgefahr,  da  eine