272  Der  dreibigsährige  Krieg.

Gesandten  der  Stadt,  die  ihm  die  Schlüssel  überreichten,  gnädig;  das  bayrische  Land
war  größtenteils  in  des  Königs  Händen,  der  Kurfürst  hatte  nach  Regensburg  fliehen  müssen.

Indessen  waren  die  Sachsen,  dem  Kriegsplane  gemäß,  unter  dem  Feldmarschall
von  Arnim  in  Böhmen  eingedrungen,  und  hatten  das  schlecht  verteidigte  Prag  leicht
erobert;  am  16.  November  1631  hielt  der  Kurfürst  selbst  seinen  Einzug  in  die  Stadt.
So  hatte  der  einzige  Tag  bei  Leipzig  dem  Kaiser  die  Früchte  eines  zwölfjährigen  Krieges
geranbt,  er  sah  sich  in  seinen  eigenen  Erblanden  bedroht.  In  solcher  Not  schien  ihm
und  seinen  Räten  nur  ein  Rettungsmittel  übrig,  die  Wiederberufung  Wallensteins.  Allein
es  war  offenbar  eine  schwere  Aufgabe,  ihn  wieder  zu  gewinnen.  Aeußerlich  schien  er
ruhig,  allein  sein  brennender  Ehrgeiz  ruhte  nicht.  Mit  Schadenfrende  hatte  er  die  Erfolge
des  Schwedenkönigs  verfolgt,  weil  sie  ihn  an  dem  Kaiser  und  dem  verhaßten  Kurfürsten
rächten.  Ja,  er  hatte  sogar  versucht,  dem  Könige  seine  Dienste  anzutragen,  und  mochte
seinen  stolzen  Sinn  sogar  zur  böhmischen  Königskrone  erheben.  Gustav  wies  seine  Anerbietungen
  nicht  gerade  ab,.  allein  ihm  einen  Teil  seines  Heeres  anzuvertrauen,  wagte
er  nicht,  und  indessen  trafen  bei  diesem  die  kaiserlichen  Unterhändler  ein.  Wallenstein
gab  erst  nach  vielen  Bitten  das  Versprechen,  in  drei  Monaten  ein  Heer  von  30  000
Mann  zu  werben;  es  anzuführen  versprach  er  aber  nicht.  Und  nun  sandte  er  seine
Anhänger  in  alle  Gegenden  aus,  seine  Werbefahnen  aufzupflanzen.  Tausende  strömten
herbei,  denn  es  war  in  dieser  stürmischen  Zeit  leichter,  im  Kriege  sein  Bestehen  zu  finden,
uls  in  der  Werkstätte  oder  hinter  dem  Pfluge.  Schon  im  März  1632  waren  die  30  000
Mann  beisammen.  Wallenstein  übernahm  endlich  auch  den  Oberbefehl  und  vermehrte
danu,  nachdem  die  von  ihm  gestellten  Bedingungen  angenommen  waren,  das  Heer  auf
40  000  Mann,  eroberte  Prag  schon  im  April  und  vertrieb  mit  leichter  Mühe  die  Sachsen
aus  Böhmen.  Dann  wandte  er  sich  nach  Bayern,  aber  nur  langsam  und  zögernd,  weil
er  vor  allem  dem  Herzog  Maximilian  grollte.  Auch  mußte  dieser  versprechen,  sich  allen
seinen  Befehlen,  sowie  seiner  Führung  im  Kriege  unterzuordnen.

Wallenstein  rückte  mit  dem  Kurfürsten  zur  Vereinigung  nach  Eger  ein,  um  von
dort  aus  gegen  Nürnberg,  einen  der  wichtigsten  Waffenplätge  des  Königs,  zu  ziehen.
Allein  Gustav  kam  ihm  zuvor,  erschien  unvermutet  mit  seinem  Heere  bei  der  Stadt,  verschanzte
  sie  mit  Hilfe  der  für  ihn  begeisterten  Einwohner,  und  erwartete  den  Feind.
Dieser  zog  heran  und  verschanzte  sich  gleichfalls  auf  den  Höhen  der  Stadt  im  Angesicht
des  feindlichen  Lagers.  Elf  Wochen  lang  lagen  beide  einander  gegenüber  und  keiner
wollte  weichen.  In  beiden  Heeren  war  jede  Zucht  und  Ordnung  verschwunden,  hüben
und  drüben  lebte  man  von  Raub  und  Plünderung.  Gustav  Adolf  beschloß  endlich  durch
ein  kühnes  Wagestück  der  ganzen  Unordnung  ein  Ende  zu  machen.  Am  4.  September
stürmte  er  gegen  die  Wallenstein'schen  Berge,  mußte  sich  aber  am  Abend  mit  großen
Verlusten  wieder  zurückziehen.  Noch  vierzehn  Tage  wartete  er  in  seinem  Lager,  und  als
Wallenstein  dort  ganz  ruhig  liegen  blieb,  zog  er  an  dem  Feinde  vorüber,  der  ihn  nicht
anzugreisen  wagte,  und  wandte  sich  nach  Bayern.  Wallenstein  verließ  ebenfalls  sein
Lager,  zündete  es  an,  und  da  er  den  Krieg  nach  dem  nördlichen  protestantischen  Deutschland
  zu  verlegen  gedachte,  so  wandte  er  sich  nach  Sachsen.  Schnell  eilte  nun  Gustav
Adolf  zur  Hilfe  herbei,  und  traf  am  4.  November  in  Naumburg  an  der  Saale  ein.

Da  gerade  um  diese  Zeit  eine  strenge  Kälte  eingetreten  war,  so  glaubte  Wallenstein,
  der  König  werde  vor  dem  Frühjahr  im  Felde  nichts  unternehmen,  und  schickte
Pappenheim  nach  dem  Rheine  ab.  Sogleich  rückte  Gustar  Adolf  nach  Weißenfels  und