274  Der  dreißigjährige  Krieg.

Auch  die  Reichsfürsten,  besonders  Sachsen,  ertrugen  es  schwer,  den  Befehlen  eines
schwedischen  Edelmannes  Folge  zu  leisten.  Es  gelang  zwar  dem  Kanzler  Oxenstierna  die
protestantischen  Stände  der  vier  oberen  Kreise,  Schwaben,  Franken,  Ober=  und  Niederrhein,
  im  Frühling  1633  zu  Heilbronn  zu  einem  Bunde  zu  vereinigen,  aber  doch  war  an
der  Unentschlossenheit  der  einen,  dem  Widerwillen  der  andern,  dem  Mangel  der  Eintracht
unter  den  Heerführern  zu  erkennen,  daß  der  Zusammenhalt  fehlte.  Hauptsächlich  dem
Einfluß  Frankreichs  hatte  es  Oxenstierna  zu  verdanken,  daß  er  die  Leitung  des  Ganzen
in  seine  Hände  bekam.

Diesen  Augenblick  des  Wankens  hätte  Wallenstein  benutzen  können,  um  den  Krieg
zur  Entscheidung  zu  bringen,  und  den  Kaiser  zum  Sieger  zu  machen;  allein  seine  Seele
war  mit  andern  Dingen  beschäftigt,  er  dachte  sich  selbst  eine  Herrschaft  zu  gewinnen.
Nach  der  Schlacht  bei  Lützen  hielt  er  zuerst  ein  Strafgericht  über  sein  Heer,  damit  die
Schuld  des  Verlustes  von  ihm  abgewälzt  wurde;  er  ließ  mehrere  seiner  Anführer  enthaupten,
  gemeine  Krieger  henken,  und  die  Namen  von  mehr  als  50  seiner  Soldaten  als
ehrlos  am  Galgen  anschlagen.  Darauf  stellte  er  neue  Werbungen  an,  ersetzte  seine  Geschütze
  durch  eingeschmolzene  Glocken  und  stand  bald  so  furchtbar  da,  wie  zuvor.  Allein
anstatt  sich  nun  gegen  die  Schweden  unter  Gustav  Horn  und  Bernhard  von  Weimar  zu
wenden,  zog  er  nach  Sachsen,  wo  die  Gegenwart  eines  solchen  Heeres  nicht  nötig  war,
und  unterhandelte  dort  lange  über  die  Räumung  des  Landes.  Zugleich  suchte  er  zu  erfahren,
  was  die  Feinde  ihm  anbieten  würden,  wenn  er  zu  ihnen  überträte;  denn  daß
ihm  ein  Königreich  bestimmt  sei,  das  glaube  er  schon  lange  in  den  Sternen  gelesen  zu
haben.  Um  indessen  doch  etwas  auszurichten,  damit  der  Kaiser  nicht  Verdacht  schöpfe
trieb  er  endlich  die  Sachsen  und  Schweden  mit  Gewalt  aus  Schlesien  und  nahm  auch
den  alten  Grafen  Thurn,  den  ersten  Urheber  des  Krieges  gefangen,  schenkte  ihm  aber
gegen  alles  Erwarten,  wieder  die  Freiheit.  Auch  mit  Oxenstierna  trat  er  in  Unterhandlungen,
  und  machte  ihm  vorteilhafte  Vorschläge.  Allein  der  kluge  Kanzler  wollte
sich  nicht  mit  ihm  einlassen,  weil  er  einem  Mann,  der  seinen  Herrn  verraten  wollte,  kein
Vertrauen  schenken  konnte.

Unterdessen  war  Bayern  von  Horn  und  Bernhard  von  Weimar  hart  bedrängt,
und  auf  des  Kurfürsten  dringende  Bitten  hatte  der  Kaiser  seinen  Feldherrn  schon  angewiesen,
  dem  Lande  zu  Hilfe  zu  eilen.  Wallenstein  zögerte,  dann  zog  er  langsam
durch  Böhmen  heran,  in  die  Oberpfalz,  von  da  nach  Böhmen  zurück  und  bezog  dort
Winterquartiere.  Seinen  Unterfeldherren,  welche  einzelne  Heereshaufen  besehligten,  verbot
  er  aufs  strengste,  den  Befehlen  des  Kaisers  zu  folgen,  und  als  dieser  ein  spanisches
Heer  aus  Italien  nach  Deutschland  kommen  ließ,  welches  nicht  unter  Wallensteins  Oberbefehl
  stehen  sollte,  ja  einen  Teil  der  Seinigen  zur  Vereinigung  mit  den  Spaniern  abrief,
  klagte  Wallenstein  laut  über  Verletzung  des  mit  ihm  geschlossenen  Vertrags.  Er
wünschte  die  Führer  seines  Heeres  so  für  sich  zu  gewinnen,  daß  sie  ihm  mehr  anhingen,
als  dem  Kaiser,  damit  er  seine  Bedingungen  stellen  und  den  Lohn  seiner  Arbeit  ertragen
könnte.  Viele  hatte  er  schon  gewonnen,  auch  von  den  Schweden  war  ihm  Hilfe  zugesagt,
allein  im  entscheidenden  Augenblick  zögerte  er  und  darüber  wurden  seine  Anschläge  verraten.
  Er  hatte  ein  blindes  Vertrauen  auf  den  Italiener  Oktavio  Piccolomini,  seinen
Waffenbruder  von  früher  her,  gehegt,  allein  dieser  klagte  ihn  an,  zog  auch  andere  der
Heerführer  von  Wallenstein  ab,  und  einer  derselben,  Buttler,  erhielt  vom  Kaiser  den
Befehl,  Wallenstein  gefangen  zu  nehmen.  Dieser  wagte  das  nicht  mit  offener  Gewalt,