276  Der  dreißigjährige  Krieg.

denn  ein  Teil  des  Heeres  hielt  noch  immer  zu  Wallenstein,  aber  er  umstellte  ihn  mit
Verrat.  Als  Wallenstein  nach  Eger  zog,  um  dort  die  Schweden  zu  erwarten,  begleitete
ihn  der  Oberst  Buttler,  den  Wallenstein  selbst  emporgehoben.  Dieser  hatte  den  geheimen
Auftrag,  ihn  tot  oder  lebendig  dem  Kaiser  in  die  Hände  zu  liefern.  Demgemäß  ließ  er
ihn  in  der  Nacht  vom  25.  Februar  1635  von  einigen  seiner  Dragoner  ermorden.  In
seinem  Schlafgemach  empfing  Wallenstein  schweigend  den  Todesstreich.

Nach  seinem  Tode  erhielt  der  römtsche  König  Ferdinand.-(als  Kaiser  Ferdinand  III.
1637—1657),  des  Kaisers  Sohn,  den  Oberbefehl  über  das  Heer,  und  das  Glück  krönte
den  Anfang  seiner  Laufbahn  mit  dem  glänzendem  Erfolg  der  Schlachr  bei  Nördlingen
Sein  Heer  war  ausgesucht  und  durch  15  000  Spanier  vermehrr,  die  schwedischen  und
deutschen  Völker  dagegen  standen  unter  geteiltem  Oberbefehl.  Der  besonnene  Feldherr
Gustav  Horn,  riet  von  einer  Schlacht  ab,  allein  Bernhard  von  Weimar  jugendlich
ungestüm,  verlangte  sie.  Am  7.  September  1634  erfolgte  sie;  aber  die  geringere  Zahl,
die  schlechte  Stellung  und  Mißverständnisse  aller  Art  waren  daran  schuld,  daß  die
Schweden  nach  achtstündigem  Kampfe  völlig  geschlagen  wurden.  Es  wurden  gegen
20  000  Mann  getötet  oder  gefangen,  unter  den  letzteren  war  auch  Horn,  Bernhard  aber
zog  sich  mit  den  wenigen  Ueberresten  gegen  den  Rhein  hin;  er  trat  mit  seinem  Heer  in
französischem  Sold,  das  Heilbronner  Bündnis  löste  sich  auf.

Diese  Schlacht  konnte  für  die  Katholischen  ebenso  entscheidend  werden,  wie  diejenige
  bei  Leipzig  für  die  Protestanten  gewesen  war.  Die  schwedische  Macht  in  Deutschland
  schien  vernichtet,  und  dies  hatte  die  wichtige  Folge,  daß  Sachsen  das  schwedische
Bündnis  verließ.  Der  Kurfürst,  Johann  Georg,  sah  schon  lange  die  Lausitz  in  den
Händen  der  Kaiserlichen,  er  fürchtete  sie  nie  wieder  zu  bekommen,  vielleicht  noch  mehr  zu
verlieren.  Daher  schloß  er  im  Frühling  1635  zu  Prag  Frieden  mit  dem  Kaiser.  Er
erhielt  die  Lausitz  zurück  und  bekam  sogar  einen  Teil  des  Magdeburgischen.  Bald  folgten
mehrere  evangelische  Stände  seinem  Beispiel  und  verglichen  sich  mit  dem  Kaiser;  Brandenburg,
  Mecklenburg,  Weimar,  Braunschweig,  Lüneburg  usw.;  und  es  schien  fast,  als  werde
dieser  blutige  Krieg  sein  Ende  in  der  Entkräftung  der  Parteien  finden.  Denn  fürchterlich
lag  das  arme  Deutschland,  auf  welchem  sich  Krieger  aus  fast  allen  europäischen  Völkern
herumtummelten,  verwüstet  da,  von  Menschen  entblößt,  die  Saatfelder  zertreten  oder
unbebaut,  die  Städte  verödet,  an  hundert  und  aber  hundert  Stellen  Schutthaufen  und
Brandstätten,  wo  blühende  Orte  gestanden.  Unsicherheit  des  Lebens  und  Wirkens,  überall
daher  Verwilderung  der  Gemüter  und  der  Sitten  und  Verzweiflung.  Was  das  Schwert
nicht  vernichtete,  wurde  durch  Hunger,  Elend,  Seuchen  verzehrt  und  so  unselig  wütete  dieser
Krieg,  daß,  wenn  auch  ein  abgelegener  Landstrich  einige  Zeit  verschont  geblieben  war,
er  doch  bald  entdeckt  und  verwüstet  wurde.  Denn  viele  Gegenden  waren  schon  so  öde,
daß  ein  Heerhaufen  nicht  einmal  wagte,  hindurchzuziehen.

In  solch  allgemeiner  Not,  bei  der  Neigung  der  deutschen  Reichsstände  zum  Frieden,
bei  der  Bereitwilligkeit  des  Kaisers,  das  Restitutionsedikt  wenigstens  zum  Teil  zurückzunehmen,
  bei  der  Erschöpfung,  fast  Vernichtung  des  schwedischen  Heeres,  durfte  das  geängstigte
  Vaterland  das  Ziel  seiner  Leiden  nahe  hoffen.  Da  griff  wieder  die  unselige
Hand  in  des  Reiches  Schicksal  ein,  welche  früher  und  noch  mehr  nachher,  soviel  Unglück  über
Deutschland  gebracht  hat.  Der  französische  Minister  Richelien  hatte  schon  lunge  mit
Freuden  der  Not  des  österreichischen  Hauses  zugesehen.  Jetzt  bot  er  dem  Kanzler
Orxenstierna  französische  Hilfe  an,  bedingte  sich  dafür  die  Festung  Philippsburg  am  Rhein