278  Der  dieißigjährige  Krieg.

aus,  und  ließ  auch  seine  Absicht  auf  das  noch  wichtigere  Elsaß  durchblicken.  Es  war  das
erste  Mal,  daß  die  Fremden  über  die  Grenzen  unseres  Vaterlandes  verhandelten.  Die
Zeit  der  Schmach  hebt  mit  diesem  Vertrag  zwischen  Richelien  und  Openstierna  an,  denn
auch  dieser  strebte  darnach,  Teile  des  Deutschen  Reiches  an  sein  Volk  zu  bringen.  An
dem  Herzog  Bernhard  von  Weimar,  welcher  sich  selbst  ein  Land  am  Rhein  zu  erkämpfen
strebte,  fanden  sie  einen  erwünschten  Helfer.  Mit  französischem  Geld  warb  er  bald  ein
ansehnliches  Heer  und  wurde  den  Kaiserlichen  und  Bayern  ein  furchtbarer  Feind.  Die
Rheingegenden  wurden  von  nun  an  ebenso  vom  Fußtritt  des  Krieges  niedergestampft,  als  vorher
  die  der  Oder,  Elbe  und  Weser.  Auch  die  Schweden  hatten  an  dem  Feldmarschall  Baner
einen  tapfern  und  schnellen  Führer.  Durch  Scharen  aus  Schweden  verstärkt,  drang  er
rasch  aus  Pommern,  wohin  sich  die  Ueberbleibsel  des  Heeres  nach  der  Schlacht  bei
Nördlingen  geflüchtet  hatten,  gegen  die  Sachsen  vor,  schlug  sie  und  überströmte  ihr  Land.
Der  Krieg  nahm  eine  immer  fürchterlichere  Gestalt  an.  Plündernde  Heere  durchzogen
Deutschland  von  einem  Ende  zum  andern  und  verwüsteten  Freundes=  und  Feindesland.
Keine  höhere  Idee  lebte  mehr  in  den  Führern,  Eigennutz  und  Rachsucht  herrschte  überall.

Kaiser  Ferdinand  starb  am  15.  Februar  1637;  ihm  folgte  sein  Sohn  Ferdinand  III.
(1637—165)).

In  den  Jahren  1637  und  1638  verfolgte  Herzog  Bernhard  seine  Siegeslaufbahn
am  Rhein.  Er  überfiel  das  ligistische  Heer  bei  Rheinfelden,  schlug  es  und  machte  vier
Heerführer  zu  Gefangenen.  Sein  Ziel  war  die  mächtige  Festung  Breisach,  welche  er  zum
Grundstein  seiner  Herrschaft  am  Rhein  machen  wollte.  Er  belagerte  sie,  schlug  die  zum
Entsatze  heranrückenden  Heere  nochmals  in  die  Flucht  und  eroberte  die  Stadt,  nachdem
Mangel  und  Not  in  derselben  aufs  Höchste  gestiegen  waren.  Richelien  hatte  eine  große
Freude  über  den  Fall  Breisachs,  denn  er  zweifelte  nicht,  daß  Bernhard  ihm  diese  Festung,
die  für  Frankreich  der  Schlüssel  zu  Deutschland  war,  übergeben  werde.  Allein  Bernhard
wollte  sie  zum  Elsaß  schlagen,  das  ihm  von  Richelieu  versprochen  war.  Dieser  schlug
vor,  französische  Truppen  einzulegen  oder  doch  wenigstens  zu  versprechen,  daß  Bernhard
nach  seinem  Tode  die  Festung  an  Frankreich  übergehen  lassen  werde.  Allein  dieser  wies
alle  Anträge  ab.  Von  dieser  Zeit  an  betrachtete  ihn  Richelieu  als  einen  Feind
der  aus  dem  Wege  geräumt  werden  mußte.  Gerade  da  sich  Bernhard  zu  neuen  Kriegstaten
  rüstete,  erkrankte  er  plötzlich  und  starb  am  18.  Juli  1639.  Sogleich  nach  seinem
Tode  waren  französische  Unterhändler  bei  dem  Heere  und  brachten  es  samt  den  besetzten
Festungen  durch  Geld  an  sich,  nur  drei  schwedische  Regimenter  wollten  von  keinem
französischen  Solde  wissen  und  schlugen  sich  zu  den  Ihrigen  durch.

Schon  seit  dem  Jahre  1636  hatten  die  Tausende  von  Stimmen,  die  nach  dem
Frieden  verlangten,  bewirkt,  daß  einige  Versuche  zur  Aussöhnung  gemacht  wurden.  Allein
Richelieu  wollte  keinen  Frieden,  weil  es  zu  Frankreichs  feindlicher  Staatsklugheit  paßte,
daß  Deutschland  durch  seine  eigenen  Söhne,  sowie  durch  Fremde  zerfleischt  werde.  Vom
Jahre  1640  an  wurden  die  Versuche  ernstlicher  und  im  Jahre  1643  versammelten  sich
die  Abgesandten  der  Parteien  in  Münster  und  Osnabrück,  allein  die  Verhandlungen
dauerten  fast  fünf  Jahre  lang  und  während  dieser  Zeit  wütete  der  Krieg  mit  allen  seinen
Greueln  weiter.

Baner  war  im  Jahre  1641  zu  Halberstadt  gestorben,  nachdem  er,  ein  wilder  Mann,
auf  grausamen  Zügen  Böhmen  und  andere  Länder  verwüstet  hatte.  Nach  ihm  führte
den  Oberbefehl  über  die  Schweden  Bernhard  Torstenson,  der  geschwindeste  und  gewandteste