Die  Folgen  des  dreißigfährigen  Krieges.  281

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4.  Außerdem  ward  den  deutschen  Fürsten  und  Reichsständen  die  Landeshoheit  und
sogar  das  Recht  mit  Fremden  Bündnisse  zu  schließen,  zugestanden,  nur  sollte  es
nicht  gegen  Kaiser  und  Reich  sein.

5.  Dem  Kaiser  verblieb  als  Oberhaupt  des  Reiches  kaum  der  Schein  einer  Macht;
die  oberste  Gewalt  sollte  eigentlich  der  Reichstag  haben.  Dieser  aber,  höchst
unvollkommen  zusammengesetzt,  hatte  weder  Kraft  noch  Ansehen,  besonders  als
er  1663  zu  Regensburg  permanent  erklärt  wurde.  Frankreich  und  Schweden
aber  warfen  sich  zu  Bürgen  der  deutschen  Verfassung  und  alles  dessen  auf,  was
im  Frieden  zu  Osnabrück  und  Münster  beschlossen  wurde.

6.  Die  französische  List  treunte  durch  einen  Artikel  des  westfälischen  Friedens  die

schweizerische  Eidgenossenschaft  vom  deutschen  Reiche,  indem  diese  als  unabhängiger
Staat  anerkannt  wurde.

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.  Wie  mit  der  Schweiz  eine  feste  Grenze  im  Südwesten  weggerissen  ward,  so  fiel
eine  andere  im  Nordwesten  ab,  indem  Spanien  in  diesem  Frieden  die  Unabhängigkeit

  der  Niederlande  anerkannte  und  Deutschland  sie  der  Reichspflicht
entband.

Aber  noch  jahrelang  kam  es  nicht  zur  völligen  Ruhe.  Die  Franzosen  wollten  aus
den  eroberten  Festungen  nicht  weichen.  bis  jede,  auch  die  kleinste  Bedingung  erfüllt  war,
und  die  Schweden  blieben  noch  zwei  Jahre  in  Deutschland,  in  sieben  Kreisen  des  Reichs.,
bis  sie  die  5  Millionen  als  Kostenersatz,  die  nur  mit  Mühe  von  den  verarmten  Ländern
erpreßt  werden  konnten,  erhalten  hatten.  Im  Bistum  Münster  brandschatzten  einige
schwedische  Regimenter  noch  sechs  Jahre  nach  dem  Frieden  das  Land,  und  der  Herzog
Karl  von  Lothringen,  den  die  Franzosen  aus  seinem  Lande  vertrieben  hatten,  hielt  noch
länger  mehrere  deutsche  Festungen  am  Rheine  feindlich  besetzt.

Die  Folgen  des  dreißigjdhrigen  Krieges.

Die  Folgen  dieses  langen  Krieges  waren  für  Deutschland  höchst  traurige.  Es  verlor
  nicht  nur  einige  seiner  schönsten  Provinzen  an  Fremde,  sondern  auch  seine  Einheit
im  Innern  und  seine  Kraft  nach  außen  waren  zu  Grunde  gegangen.

Fast  zwei  Drittel  der  Bevölkerung  waren  umgekommen.  Die  einst  durch  Wohlstand
und  Kultur  blühenden  Städte  waren  verarmt,  oder  lagen  in  Schutt.

Die  fürstliche  Macht  hob  sich  nun  von  Stufe  zu  Stufe,  einerseits,  indem  die  Fürsten
die  Kräfte  ihres  Landes  immer  ausgedehnter  benutzen  konnten,  anderseits,  indem  sie  sich
immer  unabhängiger  vom  Kaiser  machten.  Sie  dachten  nicht  daran,  daß  dadurch  das
Reich  deutscher  Nation  immer  schwächer  werden  mußte.

Die  Schulen  hörten  im  dreißigjährigen  Kriege  am  Ende  ganz  auf.  Der  Gemeinsinn
  schwand,  und  an  die  Stelle  der  ererbten  frommen  Sitte  trat  eitle  Nachahmung  des
Fremden.  Frreligiosität  und  Aberglaube  nahmen  durch  sittlichen  Verfall  im  dreißigjährigen
  Kriege  in  erschreckender  Weise  überhand,  das  deutsche  Volk,  aus  dessen  Mitte  so
vieles  Große  und  Herrliche  der  neueren  christlichen  Welt  hervorgegangen  war,  schien  in  eine
völlige  Barbarei  zu  versinken.