288  Vom  großen  Kurfürsten  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

gegen  ihn,  den  reformierten  Herrscher,  und  durch  die  kurzsichtige  Selbstsucht  der  Stände,
die  auch  in  äußerster  Gefahr  kaum  die  Mittel  zur  dürftigsten  Rüstung  bewilligten,  suchte
auf  den  Rat  des  katholischen  Grafen  Adam  von  Schwarzenberg,  der  sein  leitender  Ratgeber
  war,  sein  Heil  in  der  Neutralität  des  Staates.  So  duldete  er  ruhig,  daß  nach  der
Schlacht  am  weißen  Berg  das  Herzogtum  Jägerndorf  vom  Kaiser  seinem  Oheim  und
damit  dem  hohenzollernschen  Hause  entrissen  wurde;  diese  zaghafte  Handlung  schadete
seinem  Lande  mehr,  als  eine  bestimmte  Entscheidung  nach  dieser  oder  jener  Seite  hin  es
hätte  tun  können.  Mansfeld,  Wallenstein  und  die  Schweden  zogen  nacheinander  verwüstend
  durch  das  Land.  Seitdem  Georg  Wilhelm  dem  Prager  Sonderfrieden  beigetreten
war,  hatte  er  die  Schweden  zu  Feinden,  während  er  in  den  Festungen  Besatzungen  ausnehmen
  mußte,  die  dem  Kaiser  geschworen  hatten.  Er  sah  sein  Land  dem  steten  Durchzug
  der  streitenden  Mächte  ausgesetzt,  verließ  zuletzt  fast  ganz  verzweifelnd  seine  zur
Wüste  gewordenen  Marken,  und  ging  nach  dem  weniger  berührten  Preußen,  hier  starb  er
im  Jahre  1640.

Friedrich  Wilhelm  der  große  Kurfürft  1040  —  1688.

Unter  den  schwierigsten  Verhältnissen  trat  Friedrich  Wilhelm  die  Regierung  an.
Er  hatte  keinen  Freund  und  keinen  ergebenen  Diener,  in  seiner  Umgebung  befanden  sich
nur  Leute,  denen  eine  Fortsetzung  ihres  bisherigen  zügellosen  Lebens  erwünscht  war,  und
die  deshalb  von  vorneherein  dem  jungen  Kurfürsten  mit  Mißtrauen  entgegentraten.  Auf
irgend  welche  Hilfe  durfte  er  nicht  rechnen,  einzig  seiner  Kraft  blieb  die  Aufgabe,  sein
Land  wieder  emporzubringen.

Vor  allem  mußte  ihm  daran  gelegen  sein,  Schwarzenberg  zu  entfernen.  Allein  er
konnte  dies  nicht  sofort  tun,  da  er  sonst  zugleich  mit  dem  Kaiser  gebrochen  hätte.
Schwarzenberg  starb  bald  darauf,  im  März  1641,  und  nun  kamen  allmälig  bessere  Zustände
  ins  Land.

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Kurfürsten,  sein  Kriegswesen  mehr  und  mehr  zu  heben.  Bereits  im  Jahre  1655  war  er
im  Stande,  26  000  Mann  und  72  Geschütze  ins  Feld  zu  stellen;  der  Generalfeldmarschall
Otto  von  Sparr,  und  Georg  Derfflinger,  ein  Mann  niederer  Bildung,  aber  ein  außerordentlich
  tüchtiger  Soldat,  standen  ihm  in  diesen  Bestrebungen  hilfreich  zur  Seite.  Daneben
  mußte  natürlich  auch  das  Licenz=  und  Steuerwesen  des  Landes  neu  geregelt,  und
es  durfte  auch  die  Pflege  von  Kunst  und  Wissenschaft  nicht  aus  dem  Auge  gelassen  werden.
Es  gelang  dem  großen  Kurfürsten  für  alles  das  die  richtigen  Leute  herauszufinden.  Neben
dem  Wohlwollen  das  er  der  Universität  Frankfurt  bewies,  indem  er  dieselbe  aus  tiefem
Verfall  zu  neuer  Blüte  emporhob,  wandte  er  seine  Aufmerksamkeit  namentlich  auch  dem
Schulwesen  zu,  und  erwarb  sich  besonders  auch  durch  seinen  kirchlich  duldsamen  Sinn
ein  großes  Ansehen  und  Verdienst.

Der  schwedisch-polnische  Krieg  brach  aus,  Karl  X.  hatte  mit  Freuden  die  Gelegenheit
  ergriffen,  gegen  Johann  Kasimir  König  von  Polen  ins  Feld  zu  ziehen.  Dabei
galt  es  ihm  vor  allem  für  wichtig,  den  Kurfürsten  von  Brandenburg  in  seine  Interessen
  zu  ziehen,  und  Friedrich  Wilhelm  hatte  nun  die  allerbeste  Gelegenheit,  seine  Meister-