290  Vom  großen  Kurfürsien  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

nach  Schlesien.  Unter  diesen  Umständen  nun  sah  sich  Friedrich  Wilhelm  zu  einer  Entscheidung
  gedrängt.  Allein  auf  die  Bedingung  Schwedens,  ein  Bündnis  gegen  Polen  zu
schließen,  glaubte  er  nicht  eingehen  zu  können,  und  hielt  es  nun  für  das  einzig  Nichtige,
selbst  eine  Armee  auszurüsten.  Er  brach  die  Unterhandlungen  mit  dem  Schwedenkönig
vollständig  ab,  rückte,  nachdem  er  seine  Rüstungen  mit  großem  Eifer  betrieben,  in  Polnisch-Preußen
  ein  und  begünstigte  überall  das  Bestreben,  sich  unter  brandenburgischem  Schutz
von  der  schwedischen  Souveränität  zu  befreien.  Allein  nun  rückte  auch  Karl  Gustav  von
Schweden  in  Polen  ein.  Die  brandenburgischen  Truppen  mußten  zurückweichen,  und  der
Kurfürst  sah  sich  genötigt,  in  dem  Königsberger  Vertrag  am  17.  Januar  1656  die  schwedische
Landesoberherrlichkeit  für  das  Herzogtum  Preußen  anzuerkennen.  Es  waren  für  ihn
demütigende  Bedingungen,  unter  denen  dieser  Vertrag  abgeschlossen  werden  mußte.  Er
verpflichtete  sich  zur  Stellung  von  1500  Mann  Truppen  an  die  Schweden,  gewährte  Karl
Gustav  freien  Durchmarsch,  stellte  ihm  den  Gebrauch  der  Seehäfen  frei,  verpflichtete  sich
den  Feinden  Karl  Gustavs  keinen  Vorschub  zu  leisten,  verzichtete  auf  jede  Verbindung
mit  den  preußischen  Ständen,  räumte  das  polnische  Preußen  vollständig  und  erhielt  dafür
das  Bistum  Ermland  als  schwedisches  Lehen.

Kaum  hatte  Karl  den  Polen  den  Rücken  gewandt,  so  erhoben  sich  dieselben  von
Neuem.  Johann  Kasimir  wurde  von  einer  Anzahl  Magnaten  aufge  fordert,  sich  an  die
Spitze  eines  polnischen  Heeres  zu  stellen,  und  bald  hatte  es  den  Anschein,  als  ob  die
schwedische  Herrschaft  in  Polen  verloren  sei.  Allein  Karl  ließ  sich  nicht  so  rasch  entmutigen.
  Noch  einmal  drang  er  unter  fortwährenden  Kämpfen  gegen  die  Aufständischen
bis  Jaroslaw  vor,  die  Polen  aber  wichen  einer  entscheidenden  Schlacht  aus,  und  am
Ende  sah  Karl  doch  die  Unmöglichkeit  ein,  sich  noch  länger  in  Polen  zu  halten.  Nur  in
einem  engeren  Bunde  mit  Brandenburg  bestand  für  ihn  Rettung,  und  er  eilte  deswegen
nach  Danzig,  um  denselben  zu  Stande  zu  bringen.  Dem  Kurfürsten  selbst  war  ein
Bündnis  nicht  so  ganz  nach  Wunsch;  er  glaubte  durch  selbständiges  Handeln  weit  eher
seine  Macht  zu  verstärken  und  entschloß  sich  nur  schwer  zu  dem  Bunde  von  Marienburg
  am  26.  Juni  1656,  in  welchem  er  sich  zur  Stellung  von  4000  Mann  verpflichtete.

Bald  darauf  mußten  die  Schweden  Warschau  räumen,  und  hier  kam  es  nun  vom
28.—30.  Juli  zu  einer  gewaltigen,  dreitägigen  Schlacht,  deren  Ende  eine  vollständige
Niederlage  der  Polen  war.  Allein  auch  jetzt  noch  nicht  dachte  Friedrich  Wilhelm  an  eine
vollständige  Niederwerfung  Polens.  Es  lag  ihm  weit  mehr  daran,  beide  Mächte  im
Gleichgewicht  zu  erhalten,  da  er  von  der  Uebermacht  Schwedens  für  seine  eigene  Sicherheit
fürchtete.  Er  kehrte  nach  Preußen  zurück  und  dadurch  gewann  Polen  von  Neuem  Gelegenheit
  sich  zu  erholen  und  von  allen  Seiten  wurde  zu  einer  neuen  Erhebung  aufgesordert.
  Schweden  sah  sich  dadurch,  da  es  da  und  dort  wiederum  neue  Niederlagen  erlitt,
in  eine  schlimme  Lage  gebracht,  und  um  seine  Stellung  zu  behaupten,  mußte  es  die
weitgehendsten  Ansprüche  des  Kurfürsten  als  Ersatz  für  dessen  Hilfe  befriedigen.  In
dem  Vertrag  von  Labian  am  20.  November  1656  wurde  der  Kurfürst  samt  seinen  männlichen
  Nachkommen  als  souveräner  Herzog  von  Preußen  anerkannt,  wogegen  sich  beide
Teile  zur  gemeinsamen  Verteidigung  ihrer  Länder  verbindlich  machten.  Trotzdem  glaubte
der  Kursürst  auch  jetzt  noch  mit  Polen  unterhandeln  zu  müssen,  und  da  auch  Johann
Kasimir  nach  der  letzten  stürmischen  Zeit  außerordentlich  friedensbedürftig  war,  so
kam  am  19.  September  1657  zu  Wehlau  der  polnisch-preußische  Friedensvertrag
zustande.  Fortan  war  Friedrich  Wilhelm  sonveräner  Herr  in  Preußen.