292  Vom  großen  Kurfürsten  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

benutzen  müsse,  um  dieselbe  wiederum  zurückzudrängen.  Dabei  mußte  man  freilich  sehr
vorsichtig  zu  Werke  gehen,  denn  bei  der  nun  drohenden  Türkengefahr  mußte  man  auf
die  brandenburgische  Hilfe  zählen  können,  und  die  Niederlage,  welche  die  Türken  in  dem
Treffen  von  Lewenz  und  in  der  blutigen  Schlacht  von  St.  Gotthard  erlitten,  waren
wesentlich  auch  den  Hilfstruppen  des  Kurfürsten  zu  verdanken.  Allein  den  Vorschlag  des
Kaisers,  nun  seine  Hilfstruppen  zu  verstärken,  nahm  Friedrich  Wilhelm  nicht  an,  da  er
glaubte,  durch  verschiedenartige  Intriguen  in  manchen  seiner  Rechte  verkürzt  worden
zu  sein.

Daneben  nahmen  die  politischen  Verhältnisse  eine  immer  bedenklichere  Gestalt  an.
Ludwig  XIV.  von  Frankreich,  in  seinem  Bestreben  nach  Gründung  einer  Universalmonarchie
  mit  Frankreich  an  der  Spitze,  glaubte  nun  die  Zeit  gekommen,  wo  er  seine
ehrgeizigen  Pläne  verwirklichen  könnte.

Nach  Mazarins,  des  allmächtigen  Mannes  in  Frankreich,  Tode  hatte  Ludwig  freie
Hand  und  suchte  nun  auch  seine  Macht  soviel  wie  möglich  auszunutzen.  Namentlich
war  es  Holland,  gegen  welches  er  vorzugehen  dachte,  und  nachdem  er  sich  für  diesen
Fall  erst  einmal  der  Hilfe  Schwedens  versichert  hatte,  nachdem  er  sich  auch  mit  den
deutschen  Fürsten  in  Verbindung  gesetzt  hatte,  glaubte  er  nun  auch  sich  dem  Kurfürsten
nähern  zu  müssen.  Friedrich  Wilhelm  hatte  durchaus  keine  Veranlassung,  den  Holländern
besonders  gewogen  zu  sein.  Allein  es  lag  in  seinem  Interesse  sich  gegenüber  den  Anerbietungen
  des  Königs  von  Frankreich  nicht  allzu  schnell  zu  entscheiden,  und  so  suchte
er  vorerst  die  Verhandlungen  möglichst  in  die  Länge  zu  ziehen.  Dadurch  waren  nun
die  Franzosen  mißtrauisch  geworden  und  indessen  an  den  Rhein  vorgerückt.  Friedrich
Wilhelm  suchte  auch  jetzt  noch  Zeit  zu  gewinnen  und  die  Franzosen  mit  Versprechungen
hinzuhalten.  Am  6.  Mai  1672  schloß  er  dann  ein  Bündnis  mit  Holland,  schon  war
Frankreich  mit  erschreckender  Schnelligkeit  gegen  den  Niederrhein  vorgedrungen.  Der
Kurfürst  gab  sich  alle  Mühe,  den  Kaiser  zu  einem  Bunde  gegen  Frankreich  zu  bewegen
und  während  Leopold  dem  Kurfürsten  versprach  bis  Ende  Juli  ein  Hilfsheer  von
12  000  Mann  stellen  zu  wollen,  waren  die  Franzosen  immer  weiter  vorwärts  gedrungen.
Trotzdem  es  den  Amsterdamern  gelungen  war,  durch  Oeffnen  ihrer  Schleusen  dem
weiteren  Vordringen  der  Franzosen  Einhalt  zu  tun,  sahen  sich  die  Holländer  nun  doch
veranlaßt,  den  Frieden  nachzusuchen.  Indessen  war  der  Kurfürst  am  französischen
Hofe  unablässig  tätig  gewesen,  und  auf  seine  Drohung  hin,  er  werde  sich  mit  Frankreich
  verbinden,  um  seine  Lande  zurückzuerhalten,  sah  sich  der  Kaiser  bewogen,  eine
Allianz  mit  dem  Kurfürsten  zu  schließen,  in  welcher  der  Kaiser  versprach,  bis  zu
24  000  Mann  Hilfstruppen  zu  stellen.  Im  August  1672  stießen  die  kaiserlichen  Hilfstruppen
  unter  Montecuculi  zu  ihm,  allein  als  nun  Friedrich  Wilhelm  den  geraden  Weg
nach  Westfalen  nehmen  wollte,  suchte  ihn  Montecuculi  seine  geheimen  Aufträge  befolgend,
davon  zu  überzeugen,  daß  man  besser  an  den  Oberrhein  marschiere  und  der  Kurfürst
ging  auf  diesen  Vorschlag  ein.  Die  Kurfürsten  von  Trier  und  Mainz  aber  verweigerten
ihm  den  Uebergang  über  den  Rhein,  ebenso  tat  Kurfürst  Karl  Ludwig  von  der  Pfalz,
und  am  Ende  erklärte  Montecuculi  einfach,  ihm  nicht  weiter  folgen  zu  wollen.  Trotz
einiger  kleiner  Scharmützel  war  denn  auch  dieser  Feldzug  ein  vollständig  erfolgloser,
und  Friedrich  Wilhelm  zeigte  sich  bald  zum  Frieden  geneigt.  Der  französische  Feldherr
Turenne,  sobald  er  von  diesen  Absichten  erfuhr,  stellte  dann  auch  sofort  alle  Feindseligkeiten
  ein  und  wenn  auch  der  Kurfürst  im  Anfang  glaubte,  auf  die  von  Frankreich