294  Vom  großen  Kurfürsten  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

gestellten  Bedingungen  nicht  eingehen  zu  können,  so  eröffnete  er  doch  bald,  da  dieselben
günstiger  wurden,  dem  Kaiser,  Holland,  Braunschweig  und  Dänemark,  daß  er  gesonnen
sei,  mit  Frankreich  Frieden  zu  schließen.  Am  16.  Juni  1673  wurde  zwischen  Ludwig
und  ihm  in  dem  Dorfe  Vossem  der  Friede  geschlossen,  nach  welchem  sich  Friedrich
Wilhelm  verpflichtete,  keinem  der  Feinde  Frankreichs  Hilfe  zu  leisten,  sich  dagegen  freie
Hand  vorbehielt,  wenn  das  Deutsche  Reich  angegriffen  werden  sollte.

Friedrich  Wilhelm  hatte  indessen  keineswegs  die  Absicht,  uun  untätig  zu  bleiben.
Eine  Gelegenheit  seinen  Bestrebungen  eine  neue  Förderung  zu  geben,  sollte  sich  bald
finden.  Auch  im  Deutschen  Reiche  hatte  man  endlich  ebenso  wie  in  Spanien  Grund,
vor  Frankreich  auf  der  Hut  zu  sein,  um  nicht  seinen  ganzen  Einfluß  an  dasselbe  zu
verlieren,  und  der  Kaiser  trat  im  August  1673  dem  Bunde  mit  Spanien  und  den
Generalstaaten  bei.  Bald  darauf  rückte  ein  kaiserliches  Heer  in  die  Oberpfalz  ein,
Turenne  wurde  zum  Rückzug  über  den  Rhein  gezwungen  und  bald  stand  Frankreich
seinen  Feinden  völlig  isoliert  gegenüber,  da  indessen  auch  König  Karl  II.  von  England
mit  den  Niederlanden  Frieden  geschlossen  hatte.  Auch  Friedrich  Wilhelm  sah  sich  nun
gezwungen  Stellung  zu  nehmen,  allein  erst  am  1.  Juli  1674  kam  zwischen  ihm  und  dem
Kaiser  eine  Coalition  zu  Stande.  Sein  Drängen,  das  die  Kaiserlichen  zu  einer
Entscheidungsschlacht  veranlassen  sollte,  fand  aber  keinen  Beifall,  die  Schlacht  von  Seneffe
war  unentschieden  geblieben,  und  indessen  hatte  Turenne  so  bedeutende  Verstärkung
erhalten,  daß  die  Kaiserlichen  nun  eine  Schlappe  nach  der  anderen  erhielten.  Neben
diesen  Mißerfolgen  hatte  der  Kurfürst  in  dieser  Zeit  einen  schweren  persönlichen  Verlust
zu  beklagen  Der  Kurprinz  Karl  Emil  war  in  Straßburg  plötzlich  an  einem  heftigen
Fieber  gestorben.  Allein  er  hatte  keine  Zeit,  länger  seinem  Schmerze  nachzuhängen.
Auf  dem  Rückwege  aus  dem  Elsaß  schon  traf  ihn  die  Kunde,  daß  die  Schweden  in  die
Mark  eingebrochen  seien.  Sie  hatten  durchaus  friedliche  Absichten  kund  gegeben,  als  sie
unter  dem  Feldmarschall  Karl  Gustav  v.  Wrangel  in  die  Obermark  einrückten.

„Das  kann  den  Schweden  Pommern  kosten“,  rief  Friedrich  Wilhelm  aus,  als  er
von  ihren  Greueltaten  erfuhr.  Trotzdem  beeilte  er  sich  nicht  gar  zu  sehr  mit  der  Rückkehr  in
sein  Land.  Im  Haag,  wohin  er  selbst  eilte,  erhielt  er  die  Zusicherung  der  Hilfe  zur  See;
allein  wenn  ihm  auch  noch  einige  andere  Fürsten  einen  Einfall  in  Bremen  versprachen,
so  mußte  er  sich  in  der  Hauptsache  doch  auf  seine  eigene  Kraft  verlassen,  und  traf  seine
Vorbereitungen  in  aller  Stille.  Die  Schweden  ahnten  nichts  von  einem  Uleberfall,  bei
Rathenow  bekam  der  Kurfürst  durch  einen  kühnen  Handstreich  den  Havelpaß  in  seine
Gewalt  und  es  gelang  ihm  dadurch  die  beiden  Flügel  des  schwedischen  Heeres  zu  trennen.
Sofort  schickte  er  kleine  Streifscharen  voraus,  denen  es  glückte  die  Pässe  bei  Fehrbellin,
Kremmen  und  Oranienburg  zu  besetzen.  Eine  halbe  Meile  entfernt  von  Fehrbellin  traf
auch  die  brandenburgische  Vorhut  mit  den  Schweden  unter  Wrangel  zusammen.  Trotz
des  Verbotes  des  Kurfürsten  war  der  Befehlshaber  der  brandenburgischen  Truppen,
Friedrich  von  Hessen-Homburg  sofort  in  ein  Gefecht  verwickelt  worden,  und  auf  die  Kunde
hiervon  zog  Friedrich  Wilhelm  schleunig  heran.  Es  war  am  28.  Juni  1675  als  die
Schlacht  bei  Fehrbellin  geschlagen  wurde,  die  in  der  brandenburgischen  Kriegsgeschichte
  einen  der  ersten  Plätze  einnimmt.  Derfflinger  zeichnete  sich  auch  hier  wieder
aus;  hin  und  her  schwankte  und  wankte  das  Kriegsglück  und  der  Kampf  war  ein  furch:-barer,
  endigte  aber  mit  einem  glänzenden  Siege  des  Kurfürsten.

Am  folgenden  Tag  ward  Fehrbellin  genommen,  die  Schweden  mußten  sich  immer