Dentschland  bis  zum  Regierungsantritt  Friedrichs  d.  Gr.  297

Noch  gelang  es  dem  Kurfürsten  1686  einen  Vertrag  mit  dem  Kaiser  abzuschließen,
in  welchem  der  Kurfürst  gegen  Abtretung  des  kleinen  Schwiebuser  Kreises  allen  seinen
schlesischen  Ansprüchen  entsagte  und  mit  dem  Kaiser  ein  gegenseitiges  Bündnis  zur  Stellung
von  Hilfstruppen  einging.  In  demselben  Jahr  noch  zogen  8000  Brandenburger  dem
Kaiser  gegen  die  Türken  zu  Hilfe  und  trugen  in  der  Schlacht  bei  Ofen  wesentlich  zu
einer  günstigen  Entscheidung  bei.

Mitten  unter  allen  diesen  Vorgängen  nahte  das  Ende  des  Kurfürsten  heran.  Gicht
und  Wassersucht  hatten  ihn  schon  lange  gequält  und  als  er  seinen  Tod  herannahen  fühlte,
nahm  er  von  all  den  Seinen  rührenden  Abschied.  Am  24.  April  1688  verschied  er  still
und  gottergeben.

Deutlchland  bis  zum  Regierungsantritt  Friedrichs  des  Srohßen.

Nach  und  nach  mußte  man  sich  auch  in  Deutschland  darüber  klar  werden,  welche
Wünsche  Frankreich  betreffend  die  Ausdehnung  seiner  Macht  hatte.  Alle  früheren
Versuche,  den  Bestrebungen  Ludwigs  XIV.  mit  Energie  entgegenzutreten,  waren
an  der  Zersplitterung  und  gegenseitigen  Eifersucht  der  partikularistisch  gesinnten
deutschen  Fürsten  gescheitert.  Allein  man  sah  nun  doch  allmählich  die  Notwendigkeit
ein,  seinem  rücksichtslosen  Vorschreiten  entgegenzutreten,  da  man  von  ihm  noch
weit  Schlimmeres,  als  bis  jetzt  geschehen,  zu  erwarten  hatte.  Sollte  das  Gleichgewicht
  in  Europa  nicht  einfach  verloren  gehen,  so  mußte  man  gegen  Frankreich  nun
eine  entschiedene  Haltung  einnehmen,  und  so  vereinigten  sich  denn  von  neuem  mehrere
europäische  Mächte  zu  einem  Bunde  gegen  die  Gewaltherrschaft  Ludwigs.  Zunächst
waren  es  Wilhelm  von  Oranien,  der  Kurfürst  von  Brandenburg  und  Karl  Xl.  von
Schweden,  die  sich  zu  gegenseitiger  Hilfe  gegen  jeden  Uebergriff  Frankreichs  verpflichteten.
Ludwig  entging  es  nicht,  daß  man  irgend  einen  Plan  gegen  ihn  ins  Werk  zu  setzen  gesonnen
  sei,  und  um  sich  zu  sichern,  suchte  er  zugleich  mit  den  verbündeten  Mächten  einen
definitiven  Frieden  zu  schließen.  Die  am  6.  Juli  1686  geschlossene  Augsburger  Ligue
wollte  aber  von  einem  solchen  nichts  wissen,  und  Ludwig  glaubte  nun  zu  den  Waffen
greifen  zu  müssen,  da  ihm  jetzt  gerade  der  geeignete  Moment  gekommen  zu  sein  schien,
um  seine  Macht  noch  zu  vergrößern.  So  unternahm  er  denn  zunächst  den  Feldzug
gegen  die  Rheinpfalz,  ohne  zuvor  eine  Kriegserklärung  abgegeben  zu  haben.  Kaiserslautern,
  Alzey,  Neustadt  und  Oppenheim  wurden  besetzt,  Worms,  Speyer  und  Mainz
mußten  eine  französische  Besatzung  aufnehmen.  Bis  Heidelberg  drang  der  Dauphin  mit
seinem  Generalstab  vor,  und  als  nun  Wilhelm  von  Oranien  im  Bund  mit  England  und
Holland  seine  Macht  gegen  Frankreich  wandte,  da  entschloß  sich  dieses,  die  Rheingegenden
vollständig  zu  vernichten.  „Louvois  schrieb  an  den  Marschall  Duras:  es  sei  des  Königs
Wille,  daß  alle  Orte  und  Plätze,  welche  den  Feinden  zum  Aufenthalt  oder  zu  Winterquartieren
  am  Rheine  dienen,  oder  den  französischen  Plätzen  an  diesem  Flusse  zu
Schaden  gereichen  könnten,  zerstört  werden  sollten.  Diesem  Befehl  eines  hartherzigen
Ministers  und  eines  tyrannischen  Königs  wurde  mit  unerhörter  Grausamkeit  Folge  geleistet.
  Vor  der  Kriegsräson  verschwand  jede  Rücksicht  der  Menschlichkeit.  Wie  Mordbrenner
  sielen  die  wilden  Scharen  über  die  blühenden  Dörfer  an  der  Bergstraße,  über