304  Vom  großen  Kurfürsten  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

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versagen  kann.  „Und  betrachtet  man  die  Lage  der  Dinge  auf  dem  weiten  Kriegsschauplatz,
  so  wird  man  diese  Bewunderung  gerechtfertigt  finden.  Während  in  Languedoc  der
Bürgerkrieg  gegen  die  „Camisarden“  seine  greuelvollste  Gestalt  erreicht  hatte,  und  nicht
nur  die  Miliz  der  Provinz,  sondern  auch  regelmäßiges  Militär  unter  dem  Marschall
de  la  Baume  Mautrevel  in  Anspruch  nahm,  waren  die  Franzosen  stark  genug,  die
spanischen  Niederlande  durch  ausgedehnte  Linien  zu  beschützen,  vermochte  Villars,  nachdem
er  Kehl  besetzt  und  sich  in  dem  glücklichen  Treffen  bei  Sindlingen  den  Marschallstab  verdient,
  den  Markgrafen  Ludwig  aus  jseinen  Stellungen  zu  drängen  und  sich  den  Weg  zur
Verbindung  mit  dem  Kurfürsten  von  Bayern  zu  öffnen,  der  sich  der  Festung  Ulm  bemächtigt
  hatte.  Der  Reichsfeldherr,  der  von  dem  unfähigen  und  unbotmäßigen  kaiserlichen
General  Styrum  in  allen  Unternehmungen  gehemmt,  von  den  Reichsständen  mangelhaft
unterstützt  ward,  dessen  Truppen  hungerten  und  in  Lumpen  gingen,  war  nicht  im  stande
mit  seiner  Armee,  die  durch  massenhafte  Desertionen  sich  täglich  verminderte,  die  Veeinigung

  der  Franzosen  und  Bayern  zu  hindern.

Einem  Vorschlag  der  Franzosen,  gegen  Wien  einen  Handstreich  auszuführen,  zeigte
sich  der  bayrische  Kurfürst  nicht  geneigt;  ihm  lag  die  Erwerbung  Tirols  am  Herzen.
Allein  wenn  auch  die  Tiroler  mit  der  österreichischen  Herrschaft  durchaus  nicht  zufrieden
waren,  so  wollten  sie  doch  noch  weniger  von  Bayerns  Regiment  etwas  wissen.  Ueberall
wurde  so  Max  Emanuel  in  seinem  Vorrücken  gehindert  und  mußte  sich  deun  auch  bald
zum  Rückzug  entschließen,  ohne  daß  indessen  durch  diese  Mißerfolge  sein  Mut  gebrochen
worden  wäre.  Kufstein  und  Regensburg  blieben  in  seinem  Besitz;  bei  Höchstädt  besiegte
er  den  General  Styrum  und  nötigte  Ludwig  von  Baden  zum  Rückzug;  Augsburg  und
Passau  wurden  von  ihm  erobert  und  in  Wien  sorgte  man  sehr,  daß  er  am  Ende  in
Oesterreich  einrücken  und  mit  den  unzufriedenen  Ungarn  gemeinschaftliche  Sache  machen
möchte.  Zu  gleicher  Zeit  gelang  es  auch  der  französischen  Armee,  da  und  dort  die
Oberhand  zu  gewinnen.  Das  meiste  HZertrauen  hatte  Frankreich  zu  Spanien.  Allein
wenn  auch  dort  Philipp  mit  Jubel  begrüßt  worden  war,  so  zeigte  er  sich  doch  nicht
fähig,  den  auf  ihn  gesetzten  Erwartungen  zu  entsprechen.  Die  Unzufriedenheit,  die  sich
bald  gegen  ihn  bemerklich  machte,  veranlaßte  denn  auch  die  spanischen  Granden  Anschluß
bei  Portugal  zu  suchen  und  dieses  zu  einem  Bündnis  mit  den  Alllierten  zu  bewegen.
In  der  Tat  gelang  dies  auch  und  Don  Pedro  trat  dem  Bundesvertrag  bei.  Bald
nachher  gelang  es  denn  auch  der  englisch-holländischen  Diplomatie,  den  Hof  in  Wien
dazu  zu  bewegen,  daß  dieser  seine  Rechte  auf  die  spanische  Monarchie  an  Erzherzog  Karl
abtrat  und  denselben  nach  Spanien  sandte.

Die  Notwendigkeit  eines  entscheidenden  Schlages  trat  mehr  und  mehr  in  den
Vordergrund.  Weder  die  Ermahnungen  des  Kaisers  und  des  Reichsfürsten,  noch  die
Bedrohung  des  bayrischen  Landes  durch  deutsche,  böhmische  und  dänische  Truppen
vermochten  den  Kurfürsten  Max  Emanuel  von  seinem  Bunde  mit  Frankreich  abzubringen.
Da  faßte  Prinz  Eugen,  der  damals  an  der  Spitze  des  ganzen  österreichischen  Kriegswesens
  stand,  den  Olan,  durch  einen  kombinierten  Angriff  die  französisch-bayrische
Heeresmacht  außer  stand  zu  setzen,  den  kriegerischen  Bestrebungen,  die  sich  von  Süddeutschland
  bis  nach  Ungarn  erstreckten,  Vorschub  zu  leisten.  Seine  hohe  Stellung  machte
es  ihm  möglich,  bei  allen  Unternehmungen  seinem  eigenen  Geiste  zu  folgen,  und  niemand
übersah  damals  die  Lage  der  Ding  so  klar,  als  er.  „Mit  jenem  Talente  ausgerüstet.
welches  das  Allgemeine  und  Große  fest  im  Auge  behält  und  dabei  das  Kleinste  nicht