Peuischland  bis  zum  Regierungsantritt  Friedrich  d.  Gr.  311

Norddeutschland  aufzustellen.  So  hatte  man  denn  im  Jahre  1719  zwischen  dem  Keiser,
Hannover  und  Sachsen  ein  förmliches  Attentat  auf  Preußen  verabredet.  Allein  so  eifrig
man  auch  in  Hannover  für  einen  solchen  Plan  war,  in  London  und  in  Wien  dachte
man  bald  kühler,  und  Friedrich  Wilhelm  schloß  am  1.  Februar  1720  mit  Schweden
den  für  ihn  nicht  ungünstigen  Frieden  zu  Stockholm  ab.  Während  Friedrich  Wilhelm
so  in  den  nordischen  Krieg
eingriff,  hatte  Oesterreich
gegen  die  Türken  einen  von
dem  glänzendsten  Erfolg
begleiteten  Feldzug  unternommen.
  Die  Schlacht
von  Peterwardein
hatte  eine  vollständige
Niederlage  der  Türken
herbeigeführt,  Temesvär,
die  letzte  Besitzung  der
Türken  in  Ungarn,  war
bald  von  Prinz  Eugen
erobert  worden,  und  dessen
Sieg  vor  Belgrad  1717
veranlaßte  endlich  den
Frieden  von  Passarowitz,
in  welchem  Oesterreich  für
alle  seine  Mühen  und
Verluste  reichlich  entschädigt
  wurde.

Friedrich  Wilhelm
mußte  die  Erfolge,  die  er
im  Stockholmer  Frieden
errungen  hatte,  als  die
einzigen  bezeichnen,  deren
er  sich  rühmen  konnte.
Seine  ganze  Politik  ging
darauf  aus,  dem  kaiserlichen
  Hause,  soweit  nur
irgend  möglich,  treu  und
gehorsam  zu  sein,  allein
seitdem  sich  Preußen  in
ein  Königreich  verwandelt
hatte,  lag  es  im  eigensten  Interesse  des  Kaisers,  den  jungen  Staat  nicht  allzu  mächtig
werden  zu  lassen.  So  mußte  denn  der  König  von  Preußen  beständig  auf  der  Hut  sein,
und  eine  vorsichtige  Zurückhaltung  schien  ihm  in  allen  Fällen  geboten.  Zudem  war
zwischen  Preußen  und  Habsburg  noch  manches  zu  klären;  der  Jülichsche  Erbfolgestreit
war  für  Preußen  noch  immer  nicht  endgültig  entschieden,  und  wenn  es  dafür  nur  einen
Bundesgenossen  fand,  so  mochte  ihm  niemand  eine  Entscheidung  darin  streitig  machen.

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Riesengarde  Friedrich  Wilhelm  J.