314  Vom  großen  Kurfürsten  bis  zu  Friedrich  d.  Gr.

All  in  zugleich  mußte  dem  habsburgischen  Hause  behufs  Wahrung  seiner  Interessen  an
einer  freundlichen  Stellung  Preußens  gelegen  sein,  und  schon  im  Jahre  1712  hatten
Leopold  I.,  Joseph  I.  und  Karl  III.  von  Spanien  einleitende  Schritte  getan,  um  dies
bezüglich  der  Jülichschen  Erbfolge  zu  erreichen.  Im  Jahre  1713  hatte  man  den  Entwurf
der  pragmatischen  Sanktion,  nach  welcher  die  Herrschaftsansprüche  der  weiblichen  Nachkommenschaft
  im  habsburgischen  Hause  vereinigt  werden  sollten,  dem  Kabinet  vorgetragen,
allein  dieselben  zunächst  noch  als  Staatsgeheimnis  betrachtet.  Seit  1725  indessen  verhandelte
  man  darüber  auch  mit  den  auswärtigen  Mächten,  und  die  Entscheidung  in  dieser
Angelegenheit  erschien  um  so  wichtiger,  als  seit  1717  die  Ehe  Karls  VI.  nur  weibliche
Nachkommenschaft  aufzuweisen  hatte.

Wohl  hätte  man  unter  solchen  Umständen  ein  Zusammengehen  Preußens  und
Oesterreichs  erwarten  sollen,  allein  das  Verhältnis  zwischen  beiden  war  ein  zu  gespanntes,
als  daß  etwas  Derartiges  hätte  zustande  kommen  können.  Und  als  sich  nun  1725
Spanien  und  Oesterreich  mit  einander  aussöhnten,  da  hätte  der  König  von  Preußen
erst  eines  Freundes  bedurft,  wie  er  einen  solchen  in  dem  kurz  zuvor  verstorbenen  Kaiser
von  Rußland  besessen  hatte.  Man  hatte  die  Vermählung  des  spanischen  Infanten  Don
Carlos  mit  der  österreichischen  Kaiserstochter  Maria  Theresia  in  Aussicht  genommen,
und  dadurch  mußten  die  Interessen  Englands  und  Preußens  aufs  empfindlichste  verletzt
werden.  Unter  solchen  Umständen  sahen  sich  Rußland,  Preußen  und  Frankreich  gezwungen,
gegenseitig  einen  engeren  Anschluß  zu  suchen,  und  verbanden  sich  denn  such  1725  auf
fünfzehn  Jahre  zu  gegenseitiger  gemeinsamer  Verteidigung.  Oesterreich  freilich  erkannte
gar  bald,  welche  Gefahr  ihm  drohe,  wenn  der  König  von  Preußen  bei  diesem  Bündnis
beharre,  und  es  war  nun  sein  eifrigstes  Bemühen,  denselben  davon  abzubringen.  General
von  Grumbhorn,  bestochen  durch  Habsburg,  verstand  es  denn  auch  bald,  bei  Friedrich
Wilhelm  eine  solche  Abneigung  gegen  König  Georg  von  England  zu  erzeugen,  daß  damir
der  Zweck  Oesterreichs  vollständig  erreicht  schien.  Man  verstand  es,  dem  König  bald
Mißtrauen  gegen  seine  eigenen  Verbündeten  einzuflößen,  und  der  Vertrag  von  Wusterhausen
  näherte  denselben  schon  wieder  bedeutend  der  österreichischen  Freundschaft.  Allein
erst  das  „ewige  Bündnis“  vom  23.  Dezember  1728  bestätigte  das  beiderseitige  gute
Einvernehmen,  das  Verhältnis  zu  England  nahm  einen  immer  schrofferen  Charakter  an,
am  kaiserlichen  Hose  schätzte  man  die  Verbindung  mit  Preußen  so  lange,  als  sich  der
spanische  Bourbon  an  England  und  Frankreich  anschloß;  als  sich  England  und  Spanien
mit  dem  Kaiser  verglichen,  trat  eine  rasche  Aenderung  ein.  Im  Jahre  1732  konnte  der
König  bei  einer  Zusammenkunft  mit  Seckendorf  erkennen,  wie  man  am  kaiserlichen  Hofe
gegen  ihn  gesinnt  war,  und  bei  einer  darauf  folgenden  Zusammenkunft  mit  dem  Kaiser
in  Prag  nahm  man  keinen  Anstand,  ihm  zu  erklären,  daß  ihm  ein  Teil  des  ihm  1728
garantierten  Herzogtums  Berg  genügen  müsse,  daß  er  auch  auf  die  Hauptstadt  Düsseldorf
verzichten  müsse.  Allein  so  streng  und  deutlich  auch  die  Gegensätze  zwischen  Oesterreich
und  Preußen  waren,  namentlich  soweit  man  sich  in  religiösen  und  konfessionellen  Fragen
nicht  einigen  konnte,  so  konnte  sich  doch  Friedrich  Wilhelm  nicht  zu  einer  offenkundigen
Opposition  gegen  die  kaiserlichen  Pläne  und  deren  Durchführung  entschließen.  Die
Gelegenheit,  die  sich  aus  Anlaß  der  Regelung  der  polnischen  Erbfolge  im  Jahre  1732
bot,  einmal  wiederum  die  Größe  Preußens  und  seine  Macht  zu  zeigen,  ließ  Friedrich
Wilhelm  beinahe  ungenützt  vorübergehen.  Dem  Plane  Frankreichs,  nach  dem  Tode  des
Königs  August,  dem  Schwiegervater  Ludwigs  XV.,  Stanislaus  Lescinzki  auf  den  Thron