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Die  Jugend  Friedrichs  des  Grogen.

ie  Hinterlassenschaft  seines  Vaters  wußte  Friedrich  II.  wohl  zu  benutzen.  Von
seinem  Vater  mit  übermäßiger  Strenge  behandelt,  hatte  er  eine  prüfungsvolle
Jugend  hinter  sich.  Von  dem  Vater  sogar  in  seinen  Lieblingsstudien  und
Neigungen  gestört  und  selbst  mißhandelt,  faßte  Friedrich  den  Plan,  nach  England  zu
Georg  II.,  dem  Bruder  seiner  Mutter,  zu  entfliehen.  Sein  Freund,  der  Leutnant  Katt,
wollte  ihm  dabei  behilflich  sein,  allein  die  Sache  wurde  verraten  und  der  Prinz  in
Frankfurt  verhaftet.  Er  wurde  nach  Mittenwalde,  einem  Städtchen  bei  Berlin  gebracht.
Der  König  setzte  ein  Kriegsgericht  ein  und  hoffte,  dieses  würde  den  Kronprinzen  als
Deserteur  zum  Tode  verurteilen.  Mehrere  sprachen  dafür,  andere  dagegen,  und  als  der
König  wild  auffuhr,  riß  der  General  Buddenbrock  die  Weste  auf  und  rief:  „Wenn  Ew.
Majestät  Blut  verlangen,  so  nehmen  Sie  das  meinige“.  Das  brachte  den  König  zur
Besinnung,  er  stand  von  seinem  Vorhaben  ab  und  ließ  den  Prinzen  nach  Küstrin  abführen,
  wo  er  in  einem  engen  Stübchen  sein  Gefängnis  erhielt  und  mit  äußerster  Strenge
behandelt  wurde.  Die  Leutnants  Keith  und  Katt  hatten  von  der  Flucht  Friedrichs
gewußt,  dem  ersteren  gelang  es  über  die  Grenze  zu  entfliehen,  der  letztere  wurde  zum
Tode  verurteilt  und  in  Küstrin  hingerichtet.  Endlich  erhielt  Friedrich  seine  Freiheit
unter  der  Bedingung,  daß  er  in  Küstrin  als  Privatmann  bleiben,  als  jüngster  Rat  bei
der  dortigen  Regierung  arbeiten,  in  allen  Dingen  dem  Vater  gehorchen  und  kein  Französ#sch
sprechen  sollte.  Erst  nach  zwei  Jahren  erhielt  er  die  Erlaubnis,  an  den  Hof  zurüazukehren.
  Seit  dieser  Zeit  war  das  Einvernehmen  zwischen  Vater  und  Sohn  gut,  der
Kronprinz  gehorchte  dem  Vater  in  allen  Stücken  und  ließ  sich  auch,  gegen  seinen  Willen,
zu  einer  Heirat  bestimmen  mit  der  Prinzessin  Elisabeth  Christine  von  Braunschweig.
Allein  nichts  konnte  ihn  bewegen,  mit  der  ihm  aufgezwungenen  Gemahlin  zu  leben;
das  Glück  einer  Häuslichkeit  hat  Friedrich  nie  gekannt.  Die  letzten  Regierungsjahre
seines  Vaters  brachte  er  im  Schlosse  Rheinsberg  zu,  das  ihm  sein  Vater  gekauft  hatte