Karl  VI.  Der  öslerreichische  Erbfolgekrieg.  319

Korl  VI.  Der  östemeichische  Stbfolgekrieg.

Kaiser  Karl  VI.,  der  im  Utrechter  Frieden  von  der  spanischen  Erbschaft  so  herrliche
Länder,  wie  Mailand,  Neapel,  Sizilien  und  die  Niederlande  erworben  hatte,  starb  am
20.  Oktober  1740.  Mit  ihm  erlosch  das  Haus  Habsburg  in  männlicher  Linie,  das  seit
RNudolf  (1293)  dem  deutschen  Reiche  fünfzehn  Kaiser  gegeben  hatte.  Durch  den  spanischen
Erbfolgekrieg  gewarnt,  suchte  er
seiner  Tochter  Maria  Theresia,
die  mit  dem  Großherzog  Franz
von  Toscana  vermählt  war,  durch
seine  sogenannte  pragmatische
Sanktion  oder  das  österreichische
Erbfolgegesetz,  den  Besitz  seiner
Länder  zu  sichern.  Nach  diesem
Gesetz  sollte  nämlich  die  österreichische
  Monarchie  unteilbar  und
die  Thronfolge  in  seinem  Hause
nach  der  Erstgeburt  in  männlicher
und  weiblicher  Linie  erblich  sein.

Um  die  Anerkennung  und
Gewährleistung  jener  Sanktion  von
den  europäischen  Mächten  zu  erhalten,
  hatte  Karl  große  Opfer
gebracht.  So  trat  er,  um  Spanien
zu  gewinnen,  an  einen  spanischen
Infanten  Don  Carlos,  Neapel  und
Sizilien  ab  (1735),  wodurch  das
in  Spanien  und  Frankreich  herrschende
  Haus  Bourbon  auch  zum
Besitze  jener  Länder  gelangte.  Er
gestattete,  daß  Lothringen  an  Frankreich
  kam,  der  Herzog  aber  mit  Tos-  -
cana,  wo  das  Haus  Medici  (1737)  Maria  Theresia.
ausgestorben  war,  entschädigt
wurde.  Karl  führte  nämlich  noch  in  den  Jahren  1733—35  für  August  III.  von  Sachsen,  den
König  von  Polen,  Krieg  gegen  Frankreich,  welches  den  Stanislaus  Leszinski,  den  Schwiegervater
  Ludwigs  XV.  wieder  dazu  erheben  wollte.  Aber  der  Krieg  war  für  Deutschland
nicht  glücklich;  durch  den  Frieden  blieb  August  III.  zwar  König  von  Polen,  aber  Deutschland
  verlor  dafür  Lothringen,  das  an  Stanuislaus  abgetreten  wurde  und  durch  diesen  an
Frankreich  kam.  In  einem  Türkenkriege  war  das  österreichische  Heer  gleichfalls  nicht
siegreich  und  im  Belgrader  Frieden  mußte  die  Schutzwehr,  welche  Europa  gewonnen
hatte,  die  Festung  Belgrad,  zurückgegeben  werden.