320  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeit.

Gegen  die  Habsucht  und  Leidenschaft  der  Menschen  sichern  keine  Verträge.  Denn
kaum  war  Karl  gestorben,  so  wurden  von  allen  Seiten  Ansprüche  auf  das  österreichische
Erbe  erhoben,  so  besonders  von  dem  Kurfürsten  von  Bayern,  Karl  Albrecht,  vermöge
seiner  Verwandtschaft  und  eines  alten  Erbvertrags  mit  dem  Hause  Habsburg,  ebenso
auch  von  Sachsen  und  Spanien.  Friedrich  II.  von  Preußen  fiel  sogar  am  17.  Dezember  1740
bewaffnet  in  Schlesien  ein  und  verlangte  mit  Berufung  auf  alte  Erbschaftsrechte  seines
Hauses  die  Abtretung  von  vier  schlesischen  Fürstentümern.

Der  erite  schlelische  Krieg  1740  —  1732.

Zugleich  mit  dem  Heere  in  Schlesien  erschien  auch  Friedrichs  Abgesandter  in  Wien
mit  Anerbietungen  zu  einem  Vergleich;  für  die  gütliche  Abtretung  der  Fürstentümer  bot
er  der  Königin  von  Ungarn  seinen  Beistand  zur  Behauptung  ihrer  übrigen  Länder  und
seine  Stimme  für  ihren  Gemahl  Franz  Stefan  von  Toscana,  bei  der  Kaiserwahl  an;
allein  seine  Vorschläge  wurden  in  Wien  verworfen.  Die  wenigen  österreichischen  Truppen,
die  in  Schlesien  standen,  wurden  noch  in  diesem  Jahre  vertrieben,  nur  die  Festungen
leisteten  noch  Widerstand  und  wurden  eingeschlossen.  Der  Feldmarschall  von  Neuperg,
ein  Feldherr  aus  Eugens  Schule,  führte  die  österreichischen  Truppen  zur  Wiedergewinnung
Schlesiens  herbei.  Die  ersten  Waffenproben  des  preußischen  Heeres  fielen  zu  seinem
Ruhm  aus.  In  der  Nacht  des  9.  März  1741  stürmte  der  Erbprinz  von  Dessau  die
Festung  Glogan  und  am  10.  April  stieß  der  König  mit  dem  Hauptheere  bei  Mollwitz  auf
die  Oesterreicher,  die  ihn  nicht  erwarteten,  aber  eben  noch  Zeit  hatten,  sich  zu  ordnen.
Die  Schlacht  begann  um  2  Uhr  nachmittags  und  blieb  lange  unentschieden,  denn  die
österreichische  Reiterei  focht  mit  der  größten  Tapferkeit.  Der  König,  der  hier  zuerst  den
Krieg  in  seiner  furchtbaren  Gestalt  sah,  verlor  schon  die  Fassung;  der  erfahrene  Feldmarschall
  Schwerin,  welcher  das  Ganze  mit  freierem  Blick  überschaute  und  mit  dem
Wechsel  des  Waffenglücks  vertraut  war,  beredete  ihn,  sich  zu  dem  rückwärts  stehenden
Heeresteil  zu  begeben.  Er  tats  und  wäre  beinahe  in  dem  Städtchen  Oppeln,  das  er
von  Preußen  besetzt  glaubte,  in  das  aber  Tags  zuvor  Oesterreicher  eingerückt  waren,  gefangen
  genommen  worden.  Schwerin  gewann  indessen  die  Schlacht.  Der  Sieg  ermunterte
  die  übrigen  Streitenden,  ebenfalls  mit  Waffengewalt  ihre  Forderungen  an  das
österreichische  Erbe  geltend  zu  machen.

Diese  traten  im  Verein  mit  Frankreich  zu  Nymphenburg  1741  zu  einem  Bunde
zusammen,  um  Oesterreich  zu  teilen.  Maria  Theresia  sollte  nur  Königin  von  Ungarn
bleiben.  Bald  fiel  ein  großer  Teil  von  Oesterreich  nebst  Böhmen  in  die  Hände  der  Verbündeten.
  Der  Kurfürst  von  Bayern  eroberte  sogar  am  26.  November  1741  Prag  durch
Ueberrumpelung,  ließ  sich  zum  König  von  Böhmen  ausrufen,  und  von  den  Ständen
huldigen.  Auch  dessen  Absicht  auf  die  Kaiserkrone  gelang;  er  wurde  am  24.  Juni  1742
zum  Kaiser  gewählt  (1742—1745),  indem  Frankreich  und  Preußen  seine  Sache  unterstützten.


Maria  Theresia  war  seit  ihrem  neunzehnten  Jahre  mit  Franz,  Herzog  von  Toskana
vermählt,  und  lebte  mit  ihm  änußerst  glücklich,  obgleich  sie  ihn  an  Verstand  weit  über-