Der  erste  schlesische  Krieg.  321

ragte.  Er  wurde  später  unter  dem  Namen  Franz  I.  deutscher  Kaiser;  die  Regierung
der  österreichischen  Staaten  aber  führte  sie  selbst.  Sie  war  eine  wahre  Landesmutter.
Viele  treffliche  Einrichtungen  traf  sie  in  ihren  Staaten.  Sie  verbesserte  und  vermehrte
die  Schulen,  errichtete  Waisenhäuser  und  Schulen  für  Soldatenkinder,  schaffte  die  Folter,
die  Hexenprozesse  und  die  Inquisition  ab,  verbesserte  den  Zustand  der  Landwirtschaft,  hob
überflüssige  Feiertage  auf  und  erklärte,  daß  Protestanten,  Griechen,  selbst  Juden  in  ihren
Staaten  geduldet  werden  sollten.  Sie  war  die  Tätigkeit  selbst.  Ob  sie  gleich  keine  wissenschaftlichen
  Kenntnisse  besaß,  und  nicht  einmal  das  Deutsche  richtig  zu  schreiben  verstand,
so  leitete  sie  doch,  durch  Erfahrung  und  richtige  Einsicht  geführt,  die  Regierung  ihrer
weitläufigen  Länder  mit  fester  Hand.

Karl  VII.  Kaisertum  war  kurz  und  jammervoll.  An  dem  Tage,  an  welchem  er
in  Frankfurt  gekrönt  wurde  (12.  Februar  1742)  nahm  der  österreichische  General  Bärenklau
seine  Hauptstadt  München  ein.  Maria  Theresia  hatte  diese  günstige  Wendung  ihres  Geschickes
  ihrer  eigenen  Seelenstärke  zu  verdanken,  indem  sie  richtig  erkannte,  worin  die
Macht  der  Herrscher  ihre  Sicherheit  hat.  Im  Herbst  des  Jahres  1742  berief  sie  einen
Reichstag  der  Ungarn  nach  Preßburg  ein  und  hier  trat  sie,  die  bedrängte,  vom  Feinde
geängstigte  Frau  mit  ihrem  Kinde,  dem  nachmaligen  Kaiser  Josef  II.  auf  dem  Arm  in
die  Mitte  der  Männer,  und  mit  tränenvollen  Augen,  welche  den  Eindruck  ihrer  Anmut
und  Hoheit  unwiderstehlich  machten,  rief  sie  den  Beistand  des  ungarischen  Volkes  an.  In
kurzer  Zeit  waren  15  000  Edelleute  zu  Pferde  und  in  den  Waffen  und  aus  Kroatien,
Slavonien,  der  Walachei,  sowie  aus  Oesterreich  und  Tirol  sammelten  sich  Scharen  zu
ihnen.  Oberösterreich  war  schon  in  sechs  Tagen  von  Feinden  befreit.

Um  nun  auch  den  Feind,  der  noch  immer  das  mächtige  schlesische  Land  besetzt  hielt
und  schon  in  Mähren  eingedrungen  war,  vielleicht  durch  eine  glückliche  Schlacht  um  seine
bisherigen  Vorteile  zu  bringen,  erhielt  der  Prinz  Karl  von  Lothringen  den  Befehl,  ein
Treffen  mit  dem  preußischen  Heere  zu  suchen.  Er  folgte  demselben  nach  Böhmen  und
beide  trafen  in  gleicher  Stärke  bei  Czaslau  aufeinander.  Das  Kriegsglück  schwankte  lange
hin  und  her,  bis  der  König,  der  hier  schon  seinen  kriegerischen  Scharfblick  entwickelte,
eine  sehr  gelegene  Anhöhe,  von  welcher  die  Flanke  der  Oesterreicher  bedroht  wurde,
rasch  besetzen  ließ  und  dadurch  die  Schlacht  entschied.  Karl  von  Lothringen  befahl
den  Rückzug.

Georg  II.  von  England,  der  einzige  Verbündete  der  Maria  Theresia,  vermittelte
unterdessen  zwischen  dieser  und  Friedrich  II.  den  Frieden,  zu  dem  Maria  Theresia  infolge
der  Schlacht  bei  Czaslau  geneigt  war.  Es  war  in  ihr  der  Entschluß  gereift,  dem  jungen
vom  Glück  begünstigten  König  seine  Eroberung  zu  lassen,  und  mehr  verlangte  er  nicht.
Die  Friedensunterhandlungen  gingen  daher  rasch  von  statten;  schon  am  11.  Juni  1742
wurden  die  vorläufigen  Bedingungen  zu  Breslau,  und  am  28.  Juli  der  völlige  Frieden
zu  Berlin  unterzeichnet.  Der  König  behielt  Ober=  und  Niederschlesien,  und  die  Grasschaft
Glatz,  ausgenommen  die  Städte  Troppau  und  Jägerndorf,  und  das  schlesische  Gebirge
jenseits  der  Opper.  Dagegen  bezahlte  er  dem  Engländer  700  000  Taler,  die  pfandweise
auf  Schlesien  geliehen  waren.  Bald  trat  auch  Sachsen  diesem  Frieden  bei.

Von  einem  so  mächtigen  Feinde  befreit,  konnten  die  Oesterreicher  alle  ihre  Kräfte
gegen  die  Franzosen  und  Bayern  wenden.  Das  französische  Heer  stand  noch  in  Böhmen
und  hatte  Prag  besetzt;  gegen  dieses  rückte  der  Prinz  von  Lothringen  und  schloß  die
Stadt  ein.  Die  Not  in  derselben  stieg  bald  aufs  höchste.  Als  alles  aufgezehrt  war,  als

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  22