324  Friedrich  d.  Gr.  und  seiue  Zeil.

Lothringen  wendete  sich  mit  einem  starken  Heere  gegen  ihn,  und  zwang  ihn  Böhmen
wieder  zu  verlassen  und  sich  nach  Schlesien  zurückzuziehen.  Es  war  ein  unglücklicher
Feldzug  für  den  König;  viele  Menschen  und  viel  Heergeräte  war  verloren  gegangen,  der
Schatz  erschöpft,  und  die  Franzosen  waren  als  schlechte  Bundesgenossen  erprobt  worden.
Maria  Theresia  erklärte  öffentlich  Schlesien  als  dem  österreichischen  Hause  heimgefallen,
weil  Friedrich  den  Breslauer  Frieden  gebrochen  habe.  Oberschlesien  wurde  von
Oesterreichern  überschwemmt,  mehrere  Festungen  fielen  in  ihre  Hände.  Es  gehörte
Friedrichs  Mut  dazu,  um  nicht  zu  verzagen.  Aber  im  Vertrauen  auf  sein  Heer  und  sein
Glück  griff  er  den  Prinzen  von  Lothringen  am  4.  Juni  bei  Hohenfriedberg  an.
Dieser  hatte  ihn  so  schnell  nicht  erwartet;  er  war  auf  dem  Angriff  schlecht  gefaßt,  und
schon  um  9  Uhr  morgens  war
W  –4  rr  die  Schlacht  für  den  König  ent-#
  —  schieden.  Schlesien  war  gerettet,
und  die  Oesterreicher  eilten  nach
Böhmen  zurück.  Zwar  kamen
sie  im  nächsten  Jahr  wieder
und  überraschten  den  König  am
30.  September  bei  Soos.  Es
war  ein  harter  Kampf,  aber
M#.o  Friedrich  blieb  auch  hier  Sieger.
“  Inuch  diese  Schlacht  hatte  noch
Inicht  alle  Gefahr  abgewendet.
—2Es  war  der  Plan  entworfen
worden,  ein  österreichiches  Heer
1  ..sz«·  vereint  mit  den  Sachsen  noch
iin  diesem  Winter  rasch  nach
M.n  RBerlin  zu  senden,  um  den

9  »  König  durch  den  Verlust  seiner
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Schlesiens  zu  zwingen;  ja
Sachsen  hoffte  noch  überdies
von  ihm  das  Herzogtum  Magdeburg  zu  gewinnen.  Als  aber  Friedrich  die  Bewegungen
  seiner  Feinde  merkte,  raffte  er  schnell  sein  Heer  in  Schlesien  zusammen
und  rückte  in  die  Lausitz  ein.  Der  alte  Fürst  von  Dessau  mußte  gleichzeitig  in
das  Kurfürstentum  Sachsen  einfallen  und  gerade  auf  Dresden  ziehen.  Er  fand
die  Sachsen  und  eine  Abteilung  Oesterreicher  auf  den  Höhen  bei  dem  Dorfe  Kesselsdorf,
griff  sie  dort  am  15.  Dezember  an,  und  errang  trotz  ihrer  vorteilhaften  Stellung  einen
Sieg  über  sie.  Dieser  verschaffte  dem  König  die  Hauptstadt  Dresden,  wo  er  am
18.  Dezember  seinen  Einzug  hielt,  und  schon  am  25.  desselben  Monats  den  Dresdener
Frieden  schloß,  welcher  den  zweiten  schlesischen  Krieg  beendete,  und  von  neuem  Preußen  in
dem  Besitz  von  Schlesien  befestigte.

Unterdessen  starb  Kaiser  Karl  VII.  in  München,  wo  er  wieder  eingezogen  war,
worauf  sein  Sohn  Maximilian  Josef  mit  Oesterreich  Frieden  schloß  und  die  pragmatische
Sanction  anerkannte.  Auch  wurde  jetzt  der  Gemahl  der  Maria  Theresia  als  Franz  I.
(1745—1767)  zum  Kaiser  gewählt.

Der  alte  Dessauer  vor  der  Schlacht  bei  Kesselsdorf.