Der  siebenjährige  Krieg.  325

In  den  Niederlanden  und  in  Italien  dauerte  der  Krieg  zwischen  Oesterreich  und
Frankreich  noch  einige  Zeit  fort;  die  Franzosen,  von  dem  großen  Marschall  von  Sachsen,
einem  Halbbruder  August  III.,  angeführt,  errangen  mehrere  glänzende  Siege  über  die
Engländer  und  Oesterreicher.  Als  aber  die  Kaiserin  Elisabeth  von  Rußland  sich  für
Maria  Theresia  erklärte  und  bereits  ein  Heer  nach  Deutschland  sandte,  war  Frankreich
zum  Frieden  geneigt,  der  zu  Aachen  im  April  1748  geschlossen  wurde.  Maria  Theresia
hatte  außer  Schlesien  und  den  Gebieten  Parma  und  Piazenza  in  Italien,  welche  sie
an  Philipp,  den  jüngsten  Sohn  des  Königs  von  Spanien  abtrat,  ihr  ganzes  Erbe
behanptet.

Der  liebenjaädhrige  Krieg  1750  —  1703.

Maria  Theresia,  die  nach  dem  Nachener  Frieden  alle  Sorge  der  inneren  Verbesserung
  ihrer  Staaten  widmete,  konnte  denn  doch  das  ihr  so  gewaltsam  entrissene
schöne  Schlesien  nicht  vergessen  und  fühlte  ihren  Verlust  um  so  härter,  als  sie  erfahren
mußte,  daß  der  König  von  Preußen  durch  eine  zweckmäßige  Behandlung  die  Einkünfte
dieses  Landes  zu  verdoppeln  gewußt  hatte.  Friedrichs  Auge  dagegen  war  scharf  genug,
um  einen  dritten  Kampf  mit  ihr  als  unvermeidlich  vorauszusehen.  Auch  zwischen  den
übrigen  Mächten  Europas  herrschte  eine  unruhige  Bewegung;  sie  schlossen  Bündnisse,
sahen  sich  bald  hier,  bald  da  nach  Freunden  um  und  vermehrten  ihre  Macht  zu  Wasser
und  zu  Lande.  Der  österreichische  Minister  Kaunitz  wußte  bald  gegen  das  neu  emporgekommene
  Preußen,  dessen  Aufschwung  zu  einer  europäischen  Großmacht  vielfach
Eifersucht  und  Neid  erregte,  eine  geheime  Verbindung  zwischen  Oesterreich,  Rußland,
Frankreich  und  Sachsen  zu  stande  zu  bringen.  Der  Zweck  war,  Preußen  nicht  nur
Schlesien  wieder  zu  entreißen,  sondern  überhaupt  ersteres  zu  teilen.

Zu  gleicher  Zeit  verband  sich  Georg  II.  von  England  enge  mit  Preußen,  damit
dieses  seine  deutschen  Länder,  nämlich  Hannover,  gegen  Frankreich  schütze.  Denn
England  und  Frankreich  waren  bereits  über  Bestimmungen  der  Grenzen  ihrer  Besitzungen
  in  Nordamerika  in  Streit  geraten.  Zu  Friedrich  hielten  ferner  der  Herzog  von
Braunschweig  und  der  Landgraf  von  Hessen.

So  standen  in  Europa  zwei  große  feindliche  Verbindungen  einander  gegenüber,  und
der  blutige  siebenjährige,  der  dritte  schlesische  Krieg  begann.  Friedrich  wußte  nun  alle
Anschläge  seiner  Feinde.  Durch  einen  bestochenen  Schreiber  in  Dresden  hatte  er  die
Abschriften  aller  Verhandlungen  zwischen  den  Höfen  von  Wien,  Petersburg  und  Dresden
erhalten  und  sah  daraus  das  Ungewitter,  welches  sich  über  seinem  Haupte  zusammenzog.
Er  traf  seine  Rüstungen  so  geheim,  daß  keiner  seine  Absicht  erraten  konnte;  und  plötzlich,
als  seien  sie  aus  der  Erde  herausgewachsen,  standen  im  August  1756  in  Sachsen
100  000  Preußen  und  verlangten  freien  Durchzug  nach  Böhmen.  Friedrich  versuchte
August  III.  zu  einem  Bündnis  zu  bewegen;  da  dieses  aber  nicht  gelang,  vielmehr  Graf
Brühl,  Augusts  erster  Minister,  nichts  als  Neutralität  versprach,  so  glaubte  Friedrich
einer  zweidentigen  Macht  in  seinem  Rücken  die  Waffen  nicht  in  den  Händen  lassen  zu
dürfen  und  griff  zur  Gewalt.  Die  sächsichen  Krieger,  17  000  an  der  Zahl,  hatten  sich,
unerwartet  überrascht,  in  der  Eile  ohne  Gepäck  und  Vorräte  in  das  nahe  Tal  zwischen