Der  siebenjährige  Krieg.  327

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Lothringen  hatte  eine  sehr  feste,  verschanzte  Stellung  auf  der  Höhe  von  Prag  eingenommen.
  Friedrich  wollte  sogleich  die  Schlacht.  Der  alte  Feldmarschall  Schwerin  jedoch,
welcher  erst  am  Morgen  mit  ermüdeten  Soldaten  angekommen  war,  und  das  Schlachtfeld
  gar  nicht  kannte,  riet,  den  solgenden  Tag  abzuwarten.  Aber  Friedrich  verwarf  jeden
Aufschub.  Die  Schlacht  begann  nach  9  Uhr  morgens.  Der  Boden  war  ungünstig,  teils
sumpfig,  teils  bergig,  und  als  sich  die  Preußen  nun  durcharbeiteten,  wurden  sie  von
einem  mörderischen  Kartätschenfeuer  empfangen,  das  ganze  Reihen  niederstreckte.  Alle
Angriffe  mißlangen,  die  Schlachtordnung
  fing  an  zu  wanken.  Da  er-  #  —
griff  Schwerin  eine  Fahne,  rief  seinen
Soldaten  zu,  trug  sie  selbst  gegen  die
Feuerschlünde,  sank  aber  im  nächsten
Augenblick  von  vier  Kugeln  durchbohrt
  und  starb  den  Heldentod.
General  Manteuffel  nahm  die  Fahne
aus  seiner  Hand  und  führte  die  noch
mehr  entflammten  Soldaten  weiter.
Des  Königs  Bruder,  Prinz  Heinrich
sprang  vom  Pferde,  führte  seine
Haufen  gegen  eine  Batterie  und  eroberte
  sie,  der  Herzog  Ferdinand
von  Braunschweig  drängte  den  linken
österreichischen  Flügel  von  Berg  zu
Berg  zurück  und  eroberte  sieben
Schanzen.  Doch  war  der  Sieg  so
lange  unentschieden,  als  Brown  mit
ordnendem  Geiste  in  den  Reihen
waltete,  als  er  aber  gefallen  war,
wichen  die  Oesterreicher  zurück.  Der
größere  Teil  warf  sich  nach  Prag,
ein  anderer  zog  zu  dem  Feldmarschall
Daun,  der  mit  einem  Hilfsheer  bei
Kuttenburg  stand.  Wenn  es  dem  #
König  gelang,  auch  diesen  zu  schlagen,  General  von  Zicten.
so  war  der  Friede  vielleicht  schon  im
zweiten  Jahre  gewonnen,  denn  mehr  wollte  Friedrich  nicht,  als  daß  Schlesien  ihm  bliebe.
Nachdem  er  fünf  Wochen  vor  Prag  gelegen,  zog  Friedrich  gegen  Daun  und  griff
diesen  am  18.  Juni  bei  Kollin  an.  Er  wendete  dabei  die  schiefe  Schlachtordnung  an.
Der  erste  Angriff  unter  den  Generälen  Zieten  und  Hülsen  auf  den  rechten  Flügel  der
Oesterreicher  warf  alles  nieder.  Die  Mitte  und  der  andere  Flügel  durften  nur  folgen,
um  einen  Teil  der  österreichischen  Schlachtreihe  nach  dem  andern  zu  überwältigen.  Da
befahl  der  König  selbst,  wie  wenn  ihm  auf  einmal  die  Klarheit  seines  eigenen  Gedankens
verdunkelt  wäre,  halt  zu  machen.  Durch  dieses  Halten  wendete  sich  das  Glück.  Daun
hotte  schon  auf  einen  Zettel  den  Befehl  zum  Rückzug  geschrieben.  Er  sollte  von  Haufen
zu  Haufen  an  die  Befehlshaber  gehen.  Aber  im  rechten  Augenblick  hielt  der  Anführer