334  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeit.

heere  auf  Hannover  losrücken.  Gegen  Broglie  zog  Ferdinand  und  traf  ihn  am  13.  April
bei  dem  Dorfe  Bergen.  unweit  Frankfurt.  Sogleich  griff  er  ihn  an,  aber  die  Stellung
der  Franzosen  war  zu  fest,  er  mußte  sich  nach  dreimaligem  tapferen  Angriff  zurückziehen
und  bald  alle  seine  Feldherrnkünste  aufbieten,  um  Niedersachsen  gegen  Contades  zu  verteidigen,
  der  bei  Düsseldorf  über  den  Rhein  gegangen  war,  sich  durch  den  Westerwald
nach  Gießen  gezogen,  mit  Broglie  vereinigt,  und  Kassel,  Paderborn,  Münster  und
Minden  a.  W.  genommen  hatte.  Allein  Ferdinand  drang  zur  rechten  Zeit  gegen  das
gesamte  bei  Minden  in  ungünstiger  Gegend  gelagerte  französische  Heer  vor.  Am  1.  August
kam  es  zur  Schlacht,  in  welcher  die  Franzosen  geschlagen  wurden.  Contades  zog  sich,
immer  verfolgt,  an  der  Weser  nach  Kassel  zurück,  dann  noch  weiter  südlich  nach  Gießen.
Ferdinands  Soldaten  aber  eroberten  nacheinander  Marburg,  Fulda,  Münster  i.  W.  und
so  sah  sich  Ferdinand  am  Ende  des  Jahres  wieder  im  Besitz  der  Länder,  die  er  im
Anfang  in  seiner  Gewalt  gehabt  hatte.

Friedrich  wollte  die  Vereinigung  der  Russen  und  Oesterreicher  so  lang  wie  möglich
hindern.  Er  legte  sich  daher  in  ein  festes  Lager  bei  Landeshut  und  ließ  den  Oesterreichern
durch  rasche  Streifzüge  in  Böhmen,  sowie  den  Russen  in  Polen  ansehnliche  Magazine
zerstören.  Endlich  rückten  die  Russen  mit  40  000  Mann  gegen  die  Oder  heran,  und
Laudon  war  mit  20  000  Oesterreichern  bereit,  sich  mit  ihnen  zu  vereinigen.  General
Wedel  wurde  abgesandt,  um  sie  anzugreifen,  wo  er  sie  finde.  Er  tat  dies  bei  dem  Dorf
Kay,  am  23.  Juli,  wurde  aber  zurückgeschlagen.

Nun  trug  Friedrich  seinem  Bruder  Heinrich  die  Beobachtung  Dauns  auf,  und  bestellte
ihn  überdies  zum  Verwalter  des  Staats,  wenn  er  auf  dem  Zuge,  den  er  vorhatte,  umkommen
  oder  in  Gefangenschaft  geraten  sollte.  Daun  zog  er  gegen  die  Russen.  Am
12.  August  fand  er  Russen  und  Oesterreicher,  60  000  Mann  stark,  auf  den  Anhöhen  von
Kunersdorf  bei  Frankfurt  a.  O.  verschanzt.  Er  entwarf  seinen  Schlachtplan  solcher
Gestalt,  daß  der  Feind  nicht  etwa  nur  aus  dem  Felde  geschlagen,  sondern  vernichtet
wurde.  Sein  Angriff  aus  den  linken  Flügel  der  Russen  war  durch  große  Anstrengungen
der  Seinigen  gelungen;  70  Kanonen  waren  erbeuntet,  der  ganze  Flügel  in  die  Flucht
getrieben.  Der  König  hatte  schon  einen  Siegesboten  nach  Berlin  abgefertigt.  Der  Tag
neigte  sich;  die  Feldherren  rieten,  die  ermatteten  Soldaten  zu  schonen,  weil  die  Oesterreicher
  noch  gar  nicht  zum  Kampf  gekommen  waren,  und  der  rechte  Flügel  der  Russen
unerschüttert  stand.  Allein  der  König,  dem  jedes  halbe  Werk  unerträglich  war,  befahl
den  erneuten  Angriff.  Und  nun  sollten  die  durch  schwere  Anstrengungen  und  einen  sehr
heißen  Tag  ermüdeten  Scharen  Anhöhen  erstürmen  und  feste  Stellungen  erobern,  aus
denen  die  Feuerschlünde  Tod  und  Verderben  in  ihre  Reihen  schleuderte.  Da  half  die
größte  Tapferkeit  nichts  mehr  gegen  die  Uebermacht;  so  oft  auch  die  Anführer  und  der
König  selbst  die  Reihen  wieder  ordneten,  sie  wurden  immer  wieder  zurückgeworfen.  Und
endlich,  weil  die  Spannung  zu  groß  gewesen  war,  schlug  sie  plötzlich  in  die  größte  Erschlaffung
  um;  Schrecken  und  Verwirrung  kam  über  das  Heer,  alles  floh  in  größter
Unordnung.  Die  österreichische  Reiterei  richtete  unter  den  Fliehenden  ein  schreckliches
Blutbad  an,  und  an  eine  Ordnung  des  Rückzugs  war  nicht  mehr  zu  denken.  Der  König
selbst,  den  beim  Anblick  einer  solchen  Niederlage,  wie  er  noch  nie  gesehen,  eine  starre
Verzweiflung  ergriff,  dachte  nicht  an  die  Rettung  seines  Lebens;  gleichgiltig  hielt  er
zwischen  Todten,  Verwundeten  und  Fliehenden  stand,  zwei  Pferde  wurden  unter  ihm
erschossen,  und  eine  Kugel  drang  durch  sein  Kleid  in  die  Westentasche,  wo  sie  durch  ein