338  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeit.

die  Feigheit  oder  Verräterei  des  Befehlshabers,  eines  Italieners,  in  einem  Tage  erobert.
Sie  war  der  Schlüssel  zum  schlesischen  Land.  Glücklicherweise  fand  Laudon  an  dem
Befehlshaber  Breslaus,  dem  General  Tauentzien  einen  entschlossenen  Gegner.  Dieser  ließ
sich  nicht  schrecken,  und  schnell  kam  Prinz  Heinrich  zur  Rettung  herbei.

Auch  der  König  war  schon  in  Schlesien  angekommen,  begleitet  auf  der  einen  Seite
seines  Heeres  von  Feldmarschall  Daun,  auf  der  anderen  vom  General  Lascy.  Unter
steten  Gefahren  und  Gefechten  ging  der  Zug  bis  in  die  Gegend  von  Liegnitz.  Dort  verschloß
  Daun  dem  König  die  Wege  nach  Breslau  und  Schweidnitz,  wo  seine  Vorräte
waren.  Prinz  Heinrich  wurde  an  der  Oder  von  den  Russen  festgehalten.  Am  15.  August
sollte  nun  der  König  von  allen  Seiten  angegriffen  und  womöglich  vernichtet  werden.
Um  2  Uhr  weckte  der  Führer  einer  Husarenrunde  den  König  mit  der  unerwarteten  Botschaft,
  der  Feind  sei  da  und  nur  400  Schritte  entfernt.  In  wenigen  Augenblicken  waren
die  Anführer  zu  Pferde,  die  Scharen  unter  Waffen,  das  Donnern  der  Geschütze  erscholl.
Laudon  machte  mehrere  tapfere  Anfälle;  vielleicht  mochte  der  Feldmarschall  Daun  den
Kanonendonner  vernehmen  und  ihm  Hilfe  leisten.  Aber  der  Wind  trieb  den  Schall  abwärts.
  Daun  hörte  nichts  und  nach  dreistündigem  Gefecht  war  die  Schlacht  für  die
Preußen  entschieden.  Daun  der  am  Morgen  noch  gegen  des  Königs  Heer  vorrücken
wollte,  traf  auf  den  rechten  preußischen  Flügel  unter  Ziethen,  er  wurde  mit  einem  nachdrücklichen
  Geschützfeuer  empfangen  und  da  er  Laudons  Niederlage  erfuhr,  zog  er  sich
gleichfalls  zurück.

Dieser  Sieg  verbesserte  die  Lage  des  Königs.  Drei  Stunden  nach  der  Schlacht  war
des  Königs  Heer  wieder  auf  dem  Zuge,  und  nun  konnte  der  Weg  nach  Breslau  und  zu
den  Vorräten  nicht  mehr  versperrt  werden.  Schlesien  war  größtenteils  gerettet,  aber  die
Russen  hatten  sich  von  Breslau  wieder  an  der  Oder  hinabgezogen,  und  entschlossen  sich
jetzt  20000  Mann  in  Verbindung  mit  15000  Mann  Oesterreicher  nach  Berlin  zu  senden.
Dieses  mußte  sich  am  4.  Oktober  dem  russischen  General  Totleben  ergeben.  Acht  Tage
lang  dauerte  die  Besetzung  der  Stadt  und  beträchtliche  Geldsummen  mußten  bezahlt
werden,  dann  verscheuchte  der  Ruf  von  dem  Anzuge  des  Königs  schnell  die  Gegner  nach
Sachsen  und  über  die  Oder.

Während  Friedrich  in  Schlesien  beschäftigt  war,  hatte  sich  die  Reichsarmee  in
Sachsen  eingesunden,  und  legte  sich  in  ein  sehr  festes  Lager  bei  Torgau.  Wollte  der
König  das  für  ihn  so  wichtige  Land  nicht  verloren  geben,  so  mußte  Sachsen  noch  vor
dem  Winter  erobert  werden.  Er  mußte  noch  einmal  einen  großen  Verlust  gegen  großen
Gewinn  setzen;  sein  Verderben  schien  unvermeidlich,  wenn  das  gefährliche  Spiel  mißlang.
Er  selbst  scheint  sich  in  diesem  Falle  auf  seinen  Tod  gefaßt  gemacht  zu  haben.  Der
Angriff  auf  die  stark  verschanzten  Weinberge  von  Torgau  sollte  am  3.  November  von
zwei  Seiten  gemacht  werden.  Der  König  wollte  die  eine  Abteilung,  Ziethen  sollte  die
andere  im  Rücken  der  Oesterreicher  gegen  die  Höhen  führen.  Ein  Wald  verbarg  das
Anrücken  des  Königs;  aber  seine  Züge  verwickelten  sich  in  demselben  und  hielten  sich  auf.
Als  er  nun  mit  den  ersten  herankam,  hört  er  ein  starkes  Feuer  von  Ziethens  Seite  und
glaubte  diesen  im  vollen  Kampfe.  Es  war  aber  nur  ein  Vorpostengefecht  und  Daun
konnte  noch  seine  ganze  Kraft  gegen  den  Angriff  des  Königs  wenden.  Als  dieser  seine
Grenadiere  gegen  die  Schanzen  der  Oesterreicher  führte,  da  empfing  sie  ein  mörderisches
Feuer,  daß  die  Reihen  wie  vom  Blitz  niedergeschmettert,  und  im  Tode  noch  wie  zusammengeordnet
  dalagen,  die  Kanoniere  nicht  einmal  zum  Laden  ihrer  Geschütze  kommen  konnten,