340  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeit.

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sondern  gleichfalls  zerschmettert  samt  den  Pferden  hinstürzten.  Den  König  traf  ein
Streifschuß  an  der  Brust,  doch  ohne  ihn  bedeutend  zu  verletzen.  Neue  Haufen  der  Preußen
rückten  heran,  und  gewannen  einigen  Raum,  doch  wurden  sie  von  der  österreichischen  Reiterei
zusammengehauen.  So  wurde  bis  in  die  Nacht  mit  abwechselndem  Glück  gefochten.  Aber
der  Kern  des  preußischen  Fußvolkes  lag  auf  dem  Schlachtfeld,  und  die  österreichischen
Schanzen  waren  nicht  erobert.  Daun  hatte  sogar  schon  einen  Eilboten  mit  der  Sieges—
nachricht  an  die  Kaiserin  gesandt.  Aber  während  von  den  Preußen  noch  hin  und  wieder
in  der  Dunkelheit  in  einzelnen  Haufen  gefochten  wurde,  während  in  kalter  Herbstnacht
unzählige  Feuer  auf  der  Torgauer  Heide  brannten,  und  Gesunde  und  Verwundete  von
allen  Seiten  sich  um  sie  sammelten,  während  der  König  in  der  Kirche  des  Dorfes  Elsnig,
auf  der  untersten  Stufe  des  Altars  sitzend,  Befehle  schrieb,  focht  Ziethen  noch  um  den
Besitz  der  Siglitzer  Höhen  bis  10  Uhr  Nachts  und  gewann  sie.  Dadurch  wurde  die
Stellung  der  Oesterreicher  gebrochen;  sie  konnten  den  Kampf  am  andern  Morgen  nicht
aufnehmen,  und  Daun,  der  in  der  Schlacht  selbst  verwundet  worden  war,  zog  sich  in  der
Stille  zurück  nach  Dresden,  so  daß  die  Preußen  nichts  davon  merkten.  Als  der  König  in
der  ersten  Morgendämmerung  aus  dem  Dorfe  ritt,  fand  er  das  Schlachtfeld  leer  und
wurde  von  seinen  eigenen  Soldaten  als  Sieger  begrüßt.

Die  letzten  Jahre  des  Krieges  sind  weniger  mit  großen  Unternehmungen  angefüllt,
die  Ermattung  der  Völker  wurde  immer  sichtbarer,  und  Friedrich  mußte  wieder  auf  Verteidigung
  nur  dessen  bedacht  sein,  was  er  schon  besaß.  Er  selbst  befehligte  in  Sachsen.
Nachdem  er  lange  alle  Kunst  angewendet  hatte,  die  Russen  und  Oesterreicher  an  einer
Vereinigung  zu  hindern,  gelang  diese  doch  und  Friedrich  mußte  mit  seinen  50000  Mann
gegen  130000  des  Feindes  ein  festes  Lager  bei  Bunzelwitz  beziehen,  in  welches  er  zwanzig
Tage  eingeschlossen  blieb,  und  solche  Wachsamkeit  nötig  hatte,  daß  seine  Soldaten  die
ganze  Nacht  in  den  Waffen  in  Reih  und  Glied  stehen  mußten,  dennoch  konnten  die  Feinde,
deren  Führer  nicht  einig  waren,  ihn  nicht  überwältigen;  zudem  war  Mangel  an  Unterhalt;
  sie  trennten  sich,  ohne  etwas  auszurichten,  und  Friedrich  war  befreit.  Um  vor  den
Russen  nun  sicher  zu  sein,  ließ  er  durch  einen  kühnen  Streifzug  unter  dem  General
Platen  ihre  großen  Vorräte  in  Polen  zerstören.  So  war  das  russische  Heer  für  diesen
Feldzug  gelähmt.

Laudon  brach  plötzlich  aus  dem  Gebirge  hervor,  während  der  König  sein  Lager  bei
Bunzelwitz  verließ,  um  die  Oesterreicher  in  die  ebenen  Gegenden  Schlesiens  zu  locken,
wendete  sich  plötzlich  gegen  Schweidnitz  und  eroberte  es.  So  waren  Glatz  und  Schweidnitz,
diese  beiden  wichtigen  Festungen  und  mit  ihnen  die  Hälfte  Schlesiens  in  den  Händen
der  Feinde.  Damit  auch  die  Pommern  zum  erstenmal  ihr  Winterquartier  in  Pommern
nehmen  konnten,  mußte  ihnen  Kolberg  nach  einer  fast  viermonatlichen  tapferen  Gegenwehr
in  die  Hände  fallen  (13.  Dezember  1761).  Aber  am  3.  Januar  1762  starb  die  Kaiserin
Elisabeth  von  Rußland.  Ihr  Nachfolger,  Peter  III.,  ein  begeisterter  Verehrer  Friedrichs,
schloß  sogleich  mit  diesem  Frieden;  er  gab  nicht  nur  ganz  Preußen  ohne  Entschädigung
heraus,  sondern  schloß  auch  sofort  ein  Bündnis  mit  Friedrich,  und  ließ  seinen  Heerführer
Czernitschef  mit  20000  Russen  zu  dem  preußischen  Heere  in  Schlesien  stoßen.  Rußland
erhielt  den  Frieden  aufrecht,  wiewohl  Peter  noch  in  demselben  Jahre  von  seiner  eigenen
Gemahlin  Katharina  II.,  einer  Prinzessin  von  Anhalt-Zerbst  vom  Thron  gestoßen  wurde.

Diesem  Beispiel  folgte  Schweden,  das  am  22.  März  1762  mit  Preußen  den  Frieden
von  Hamburg  abschloß.