342  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeit.

Frieden  von  Teschen  beendigt  wurde.  Oesterreich  entsagte  der  bayrischen  Erbfolge,
bekam  aber  doch  einen  kleinen  Teil  des  Landes,  nämlich  das  Innviertel,  d.  h.  den  Streifen
des  Landes  rechts  vom  unteren  Inn  zwischen  Salzach  und  Donau.

Nach  dem  Tode  seiner  Mutter  (1780)  nahm  Josef  sofort  wieder  seine  Reformpläne
auf  und  machte  noch  einmal  im  Einverständnis  mit  Karl  Theodor  den  Versuch,  Bayern
an  Oesterreich  zu  ziehen.  Er  gewann  ihn  für  den  Plan,  Bayern  gegen  die  österreichischen
Niederlande  umzutauschen,  die  er  ihm  als  Königreich  Burgund  abtreten  wollte.  Allein
einem  solchen  Plane  war  Frankreich  nicht  geneigt,  und  der  künftige  Erbe  von  Bayern,
Karl  von  Pfalz-Zweibrücken,  wandte  sich  sofort  mit  der  Bitte  um  Hilfe  an  Friedrich,  so
daß  Josef  II.  rasch  seine  Absichten  ausgeben  mußte.  Um  weiteren  Uebergriffen  Oesterreichs,
  dessen  Freundschaft  mit  Rußland  ihm  ohnedem  nicht  behagte,  begegnen  zu  können,
rief  Friedrich  1785  den  deutschen  Fürstenbund  ins  Leben,  eine  Vereinigung  mittlerer
und  kleinerer  deutscher  Staaten  unter  Preußens  Leitung.  Diesem  Bunde,  dessen  Gründung
namentlich  ein  Werk  des  Ministers  Hertzberg  war,  und  dessen  Zweck  es  sein  sollte,  die
einzelnen  Reichsstände  gegen  widerrechtliche  Anmaßungen  und  Zumutungen  zu  schützen,
traten  bei:  Hannover,  Sachsen,  Braunschweig,  Baden,  beide  Mecklenburg,  Weimar,  Anhalt,
Hessen,  Kur-Mainz,  Zweibrücken,  Ansbach  u.  s.  w.  Der  Bund  verlor  jedoch  mit  Friedrichs
Tode  seine  Bedeutung.

„Auch  in  seinen  Erblanden  konnte  Josef  erst  nach  dem  Tode  Maria  Theresias
seinem  brennendem  Verlangen  zu  regieren,  zu  bessern,  zu  beglücken,  freien  Lauf  lassen.
Edel  und  groß  gesinnt,  glich  er  Friedrich  darin,  daß  er  sich  nie  genug  tun  konnte,  daß
er  jedem  zugänglich  war,  gern  persönlich  eingriff  und  half.  Aber  ihm  fehlte  der  praktische
Sinn  und  die  kühle  Besonnenheit  des  alten  Meisters  auf  dem  preußischen  Thron.  Eine
Menge  unvorbereiteter  übereilter  Neuerungen  drängten  eine  die  andere.  Die  Folter
hörte  auf,  eine  zeitlang  sogar  die  Todesstrafe,  strenge  Rechtsgleichheit  wurde  eingeführt
und  die  Leibeigenschaft  abgeschafft.  In  kirchlicher  Beziehung  gab  er  Glaubensfreiheit
und  gewährte  den  Protestanten,  Juden  und  Griechen  fast  gleiche  Rechte  wie  den
Katholiken.“

Sein  Bestreben  freilich,  einen  Einheitsstaat  herzustellen,  fand  wenig  Beifall.  In
Bayern  beleidigte  er  durch  Aufhebung  der  Leibeigenschaft  den  Adel  und  durch  Einführung
der  deutschen  Sprache  als  Amtssprache  die  ganze  Nation.  In  den  Niederlanden  machten
ihm  seine  kirchlichen  Neuerungen  die  Geistlichkeit  zu  Feinden,  so  daß  dort  eine  offene  Empörung
  ausbrach.  Auch  in  Ungarn  und  Böhmen  drohte  eine  solche,  da  starb  der  Kaiser
schnell  und  in  der  Blüte  der  Mannesjahre  (20.  Februar  1790).  „Er  hatte  an  einem
Kriege  der  Kaiserin  Katharina  II.  von  Rußland  teilgenommen,  da  er  auch  hier  auf  Eroberungen
  hoffte.  Der  Krieg  aber  ward  von  den  Oesterreichern  nicht  glücklich  geführt,
und  in  der  Fieberlust  der  unteren  Donaugegend  hatte  der  Kaiser  den  Keim  tötlicher
Krankheit  eingesogen.  Die  tiefe  Verstimmung  über  das  Scheitern  fast  aller  seiner  Pläne
und  so  vieler  wohlmeinender  Absichten  hatte  seine  Gesundheit  schon  vorher  untergraben.
Nicht  lange  vor  seinem  Tode  bekannte  er,  als  er  das  Sakrament  in  seiner  Schloßkapelle
nahm,  öffentlich  und  feierlich,  er  habe  nur  das  Gute  gewollt;  sollte  er  gefehlt  haben,
so  hoffe  er  auf  die  göttliche  Barmherzigkeit  und  Nachsicht.  Nach  seinem  Tode  lenkte
zwar  Oesterreich  wieder  mehr  in  die  alten  Bahnen  ein,  doch  waren  durch  Josefs
Neuerungen  auch  in  diesem  Staate  die  Kräfte  geweckt  und  eine  völlige  Umkehr  zum  Alten
unmöglich  gemacht.“  #