Friedrich  d.  Gr.  nach  dem  siebenjährigen  Krieg.  313

„Schon  schreckte  die  große  Bewegung  der  französischen  Revolution  Europa,  und
machte  auch  die  freier  denkenden  Herrscher  mißtrauisch  gegen  jede  Neuerung  und  gegen
die  Stimme  ihrer  Völker.  Als  auf  Josef  dessen  Bruder  Leopold  II.  sowohl  in  Oesterreich
  als  auf  dem  deutschen  Kaiserthrone  gefolgt  war,  verfuhr  dieser  genußsiüchtige  aber
kluge  Herrscher,  der  bisher  als  Großherzog  von  Toskana  gleichen  Grundsätzen  wie  Josef
gehuldigt  hatte,  mit  äußerster  Vorsicht,  bezwang  die  Revolution  in  den  Niederlanden  mit
Waffengewalt  und  versöhnte  Ungarn.  Er  brachte  einen  Zug  welscher  Listigkeit  mit  auf
den  Kaiserthron,  die  auch  in  den  äußeren  Beziehungen  des  Staats,  besonders  in  denen
zu  Preußen  ihre  Anwendung  fand.  Im  Innern  schuf  er  eine  wachsame  geheime  Polizei,
führte  die  Zensur  wieder  ein  und  wußte  alle  revolutionären  Regungen  klug  und  streng
zu  begegnen.“

Friedrich  der  Große  nach  dem  liebenjdhrigen  Krieg.

In  dem  Bestreben,  die  durch  den  Krieg  seinem  Lande  geschlagenen  Wunden  zu
heilen,  kannte  Friedrich  d.  Gr.  keine  Grenzen.  Vor  allem  galt  es  ihm,  den  Staatsschatz
wieder  zu  füllen,  und  da  er  selbst  außerordentlich  sparsam  lebte,  so  konnte  er  nicht  nur
nach  und  nach  in  den  letzten  23  Jahren  seiner  Regierung  über  40  Millionen  Taler  auf
die  Förderung  des  Wohlstandes  seiner  Provinzen  verwenden,  sondern  hinterließ  am  Ende
seiner  Laufbahn  auch  noch  einen  Kriegsschatz  von  beinahe  60  Millionen  Talern.  Sein
stehendes  Heer  vermehrte  er  um  ein  beträchtliches  und  führte  eine  eiserne  Disziplin  ein,
die  durch  mancherlei  grausame  Strafen,  wie  das  Gassenlaufen  noch  verschärft  wurde.
Dagegen  blieb  freilich  der  Bauernstand  auch  unter  ihm  nach  wie  vor  ein  armseliger,
gedrückter  und  geknechteter  Stand.  Das  Bürgertum  in  den  Städten  aber  wurde  wohlhabender,
  es  wuchs  ein  reicher  Kaufmannsstand  empor,  und  schon  zeichneten  sich,  namentlich
in  Berlin,  auch  jüdische  Familien  durch  Reichtum  und  Bildung  aus.

Neun  Jahre  nach  dem  Hubertusburger  Frieden  fiel  die  erste  Teilung  Polens.
Dort  war  das  Königtum  allmählich  zu  einem  bloßen  Schattenbild  herabgesunken;  der
zahlreiche  Adel  hatte  beinahe  alle  Rechte  an  sich  gerissen,  und  auf  den  polnischen  Reichstagen,
  wo  ein  jeder  Einzelne  das  Recht  hatte,  durch  seine  Einsprache  die  Beschlüsse  der
ganzen  Versammlung  umzustürzen,  kam  es  manchmal  zu  stürmischen  Auftritten.  Der
Bürger=  und  Bauernstand  waren  gedrückt,  die  Städte  entbehrten  jeden  Rechtsschutzes  und
jeder  Selbständigkeit;  Wohlstand,  Handel  und  Gewerbefleiß  zerfielen  immer  mehr,
während  sich  der  Luxus  und  die  Vergnügungssucht  des  Adels  steigerte.  Es  fehlte  nicht
an  umsichtigen  Patrioten,  die  ihre  warnende  Stimme  gegen  derartige  Mißstände  erhoben,
allein  ihre  Reformvorschläge  scheiterten  ebenso  an  dem  Widerstand  des  Adels,  wie  an
dem  Entgegenwirken  Rußlands  und  Preußens.  Zwischen  Friedrich  und  Katharina  II.
kam  im  April  1764  ein  Schutz=  und  Trutzbündnis  zustande,  in  welchem  Friedrich  der
Kaiserin  seine  Mitwirkung  zur  Wahl  des  Grafen  Poniatowski  zum  König  von  Polen
zusagte.  Dieser  wurde  dann  auch  am  4.  September  1764  auf  den  Thron  Polens  gesetzt.
Nun  verlangte  Katharina  im  Einverständnis  mit  Friedrich  für  die  polnischen  Dissidenten
  —  die  Anhänger  der  griechischen  und  protestantischen  Kirche  —  vollständige
bürgerliche  Gleichstellung  mit  den  Katholiken,  und  als  sich  im  Jahre  1766  der  dissidentische