Friedrich  Wilhelm  II.  319

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das  russische  Joch  abschüttelten  und  sich  noch  einmal  zum  Kampf  um  ihre  Freiheit  erhoben,
  geschah  dies  nicht  ohne  Rat  und  Veranlassung  von  österreichischer  Seite.

Weit  eher  einen  Anlaß  zur  freundschaftlichen  Annäherung  bot  die  indessen  ausgebrochene
  französische  Revolution.  Die  ersten  Nachrichten  vom  Ausbruch  derselben  hatte
nicht  nur  das  deutsche  Volk,  sondern  auch  der  Hof  zu  Berlin  mit  lebhafter  Sympathie
begrüßt.  Allein  als  dieselbe  sich  nicht  mehr  nur  gegen  Adel  und  Geistlichkeit  mit  ihren
Privilegien,  sondern  nun  auch  gegen  die  königliche  Macht  wandte,  erhielt  Friedrich  Wilhelm
  bald  andere  Ansichten  und  als  ein  Fluchtversuch  des  Königs  von  Frankreich  mißlang,
  da  entschloß  er  sich,  die  in  ihm  beleidigte  Majestät  mit  dem  Schwerte  zu  rächen.
Bischoffswerder  wurde  nach  Oesterreich  geschickt,  um  Leopold  zu  einem  Bündnis  zu  veranlassen,
  und  am  25.  Juli  1791  kam  der  Wiener  Vertrag  zustande,  nach  welchem  sich
beide  Mächte  ihren  Besitzstand  verbürgten  und  einander  im  Falle  innerer  Unruhen  gegenseitige
  Hilfe  zusicherten.

Inzwischen  schien  in  Frankreich  noch  einmal  eine  friedliche  Wendung  einzutreten.
König  Ludwig  XIV.  erkannte  die  neue  Verfassung  Frankreichs,  wie  sie  von  der  Nationalversammlung
  beschlossen  war,  feierlich  an,  und  beschwor  dieselbe.  So  schien  die  Revolution
zum  Stillstand  gelangt,  der  Kaiser  war  völlig  beruhigt,  und  selbst  der  alte  Fürst  Kaunitz,
der  ernstlich  an  einen  europäischen  Krieg  gegen  Frankreich  gedacht  hatte,  gestand,  nunmehr
sei  jede  Kriegsgefahr  vorüber.  Die  Verhandlungen  über  die  Rechte  des  Reiches  im  Elsaß
führte  Leopold  nach  altem  Reichsbrauch  mit  einer  Mäßigung,  die  der  Schwäche  gleichkam;
er  unterließ  alle  militärischen  Sicherheitsmaßregeln,  und  forderte  nur  Entschädigung  nicht
Wiederherstellung  des  Beraubten.  Oesterreich  und  Preußen  bewogen  auf  Frankreichs
Wunsch  den  Kurfürsten  von  Trier,  daß  er  die  Rüstungen  des  Emigrantenheeres  zu  Koblenz
untersagte,  dieses  einzigen  Heeres  das  ohnehin  bei  dem  Todhaße  der  Franzosen  wider
die  adligen  Verräter  dem  neuen  Frankreich  nie  gefährlich  werden  konnte,  und  wenn
Leopold  hinzufügte,  er  wolle  durch  seine  belgischen  Truppen  den  Trierer  gegen  den  lleberfall
  französischer  Freischaren  decken,  so  tat  er  nur,  was  die  unabweisbare  Pflicht  des
Reichsoberhauptes  gebot.  Am  20.  Februar  1792  wurde  die  österreichisch-preußische  Allianz
geschlossen,  die  indessen  nur  ein  Verteidigungsbündnis  gegen  Frankreich  sein  sollte,  und
sich  ausdrücklich  dagegen  wahrte,  mit  Hilfe  der  Emigranten  das  konstitutionelle  System
in  Frankreich  stürzen  zu  wollen.

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