Frankreich  im  Krieg  gegen  die  erste  Koalition.  351

der  innerhalb  8  Tagen  Verstärkungen  herbeizog,  und  sich,  nachdem  sich  die  Preußen  an
den  Rhein  zurückgezogen  hatten,  auf  die  Oesterreicher  in  Belgien  warf.  In  der  Schlacht
von  Jemappes  am  6.  November  1792  erfocht  er  einen  glänzenden  Sieg,  die  Niederlande
wurden  erobert,  und  noch  vor  Schluß  des  Jahres  hatten  die  Franzosen  auch  Lüttich
und  Aachen  besetzt.  Die  französische  Rheinarmee  unter  Kustine  überfiel  von  Speyer  und
Worms  her  die  deutsche  Bischofsstadt  Mainz,  und  diese  ergab  sich  am  20.  Oktober  1792
ohne  Widerstand  den  Franzosen.  Auch  Frankfurt  wurde  in  diesem  Jahre  noch  besetzt
und  gebrandschatzt,  allein  von  hier  wurden  die  Neufranken  von  Preußen  und  Hessen  und
der  wackeren  Bevölkerung  selbst  noch  vor  Ablauf  des  Jahres  wieder  vertrieben.

Im  Januar  1793  war  Ludwig  XVI.  hingerichtet  worden.  Entrüstet  und  von  der
wachsenden  Revolution  immer  mehr  bedroht,  traten  fast  alle  Mächte  Europas  zu  einem
Bündnis  gegen  Frankreich,  der  ersten  Koalition  zusammen.  Nur  Katharina  II.  von
Rußland  hielt  sich  diesem  Bunde  fern,  weil  sie  hoffte  in  der  bestehenden  Verwirrung  ihre
Pläne  gegen  die  Türken  und  Polen  besser  zur  Ausführung  bringen  zu  können.  Wieder
aber  dankte  es  die  französische  Republik  der  Uneinigkeit  und  dem  gegenseitigen  Mißtrauen
der  Verbündeten,  wenn  sie  auch  diesesmal  siegreich  blieb.  Wohl  siegten  die  Oesterreicher
am  18.  März  bei  Neerminden,  eroberten  Belgien  wieder  und  rückten  sogar  im  nördlichen
Frankreich  ein;  die  Preußen  nahmen  Mainz  wieder,  und  drangen  siegreich  in  der  Pfalz
und  im  Elsaß  vor.  Allein  zwischen  beiden  Mächten  wurde  die  Mißstimmung  immer
größer,  und  König  Friedrich  Wilhelm  II.,  der  sein  Auge  auf  die  bevorstehende  zweite
Teilung  Polens  wandte,  verließ  im  September  das  Heer.

Bei  Hondscoten,  südlich  von  Dünkirchen  schlugen  die  Franzosen  die  Hannoveraner
und  Hessen,  und  bei  Wattignies  die  Oesterreicher.  Dagegen  waren  die  Preußen  unter
dem  Herzog  von  Braunschweig  in  der  Pfalz  bei  Pirmasens  und  dann  bei  Kaiserslautern
siegreich.  Allein  schon  im  nächsten  Jahre  brachen  die  Franzosen  gegen  die  Niederlande
vor.  Am  26.  Juni  1744  siegte  Jourdans  bei  Fleurus  und  was  man  in  Wien  schon  vorher
  beschlossen  hatte:  Belgien  aufzugeben,  dagegen  im  Osten  bei  der  bevorstehenden  letzten
Teilung  Polens  ein  Entschädigungsstück  zu  gewinnen  und  im  Anschluß  an  Rußland  das
eifersüchtig  beobachtete  Preußen  hier  zu  überflügeln,  das  wurde  nun  ausgeführt.  „Preußen,
dessen  Finanzen  erschöpft  waren,  war  nur  noch  im  Feld  geblieben,  weil  England  den
größten  Teil  der  Besoldung  seines  Heeres  übernahm.  Dafür  aber  wollte  England  die
preußischen  Truppen  wie  seine  eigenen  behandeln  und  ihnen  die  Kriegführung  namentlich
in  den  Niederlanden  aufbürden.  Noch  waren  die  Preußen  in  der  Pfalz  unter  Nollendorf
glücklich,  und  noch  zweimal  siegten  sie  bei  Kaiserslautern,  aber  bald  genug  war  den
Preußen  ihr  Verhältnis  zu  England  unerträglich,  zumal  da  Friedrich  Wilhelm  II.  sein
ganzes  Heer  in  Polen  verwenden  zu  können  wünschte.  Doch  widerstrebte  er  noch  einem
Sonderfrieden,  zu  dem  Frankreich  entgegenkommend  die  Hand  bot.  Indessen  gingen  die
Preußen  nun  auf  das  rechte  Rheinufer  zurück,  und  die  Franzosen  nahmen  das  ganze
linke  Rheinufer  in  Beschlag.“

Im  Anfang  des  Jahres  1795  eroberten  die  Franzosen  unter  Pichegru  auch  das
von  den  Engländern  besetzte  Holland  und  machten  daraus  die  batavische  Republik.
Preußen  aber  schloß  am  5.  April  1795  mit  Frankreich  den  Frieden  zu  Basel  und  die
Franzosen  konnten  das  preußische  Gebiet  auf  dem  linken  Rheinufer  (Mörs,  Geldern,
Cleve),  wenn  auch  eine  endgiltige  Bestimmung  darüber  dem  zu  erwartenden  Frieden  mit
dem  Reiche  vorbehalten  blieb,  doch  für  jetzt  besetzt  halten.  Den  kleineren  deutschen  Ländern,