Beutschland  bis  zum  Frieden  von  Lüneville.  359

aus  Italien  zurückberufenen  Suwarow  Verstärkung  erhalten  hatten,  einen  Gesamtangriff
auf  Massena,  Soult  und  Lecourbe  machen.  Allein  noch  ehe  Suwarow,  der  unter  unsäglichen
  Beschwerden  die  Alpen  überschritten  hatte,  zu  den  Verbündeten  stoßen  konnte,
hatten  diese  am  25.  und  26.  September  1799  bei  Zürich  schon  eine  bedeutende  Niederlage
  erlitten,  und  Suwarow  mußte  nun  unter  neuen  Mühen  und  Gefahren  abziehen,
um  bald  darauf  daheim  aus  Kummer  über  die  kaiserliche  Ungnade,  die  er  sich  zugezogen
hatte,  zu  sterben.  Nun  stand  Oesterreich  völlig  vereinsamt  der  französischen  Republik
gegenüber,  in  welcher  indessen  am  9.  November,  am  18.  Brumaire,  nach  dem  Sturze  des
Direktoriums,  Napoleon  als  erster  Konsul  an  die  Spitze  der  Herrschaft  getreten  war.
Sofort  nach  Befestigung  seiner  Herrschaft  hatte  dieser  die  Notwendigkeit  erkannt,  den
übrigen  europäischen  Mächten  gegenüber  als  der  Friedensbringer  aufzutreten,  der  er
freilich  tatsächlich  nicht  war.  Er  hatte  an  den  König  von  England  einen  Brief  voll
klingender  Phrasen  geschrieben,  allein  von  dort  eine  kalte  diplomatische  Antwort  erhalten,
während  er  von  Wien  aus  zwar  freundlicher  und  entgegenkommender  behandelt  wurde,
ohne  daß  es  ihm  indessen  auch  hier  gelungen  wäre,  mit  seinen  Vorschlägen  durchzudringen.
Mehr  Erfolg  hatte  Napoleon  bei  dem  König  von  Preußen  und  dem  Kaiser  von  Rußland.
Sein  Gesandter  Duroc,  ein  gewandter  und  ritterlicher  Mann,  fand  bei  Friedrich
Wilhelm  III.  freundliche  Aufnahme,  und  wenn  man  sich  auch  in  Berlin  nicht  in  der
Lage  sah,  auf  das  angebotene  Bündnis  einzugehen,  so  beschloß  man  doch,  sich  in  der
Neutralität  zu  halten,  und  der  König  machte  sich  zugleich  erbötig,  auch  die  übrigen
Kleinstaaten  zu  einer  solchen  zu  veranlassen.  Noch  mehr  Glück  hatte  Napoleon  in  seiner
Annäherung  an  Paul  I.  von  Rußland.  Der  Zar,  ohnedem  unzufrieden  mit  Oesterreich,
dem  er  die  Schuld  an  den  Unfällen  in  der  Schweiz  zumaß,  ließ  sich  in  seiner  Verstimmung
von  Napoleon  leicht  zu  seinen  Zwecken  gebrauchen,  und  wollte  nun  im  Bunde  mit
Napoleon  nicht  allein  Malta  dem  Johanniterorden  wiedergewinnen,  sondern  auch  von
den  Kaukasusländern  aus  die  britische  Herrschaft  in  Asien  erschüttern.

Ob  es  Napoleon  mit  seinen  friedlichen  Gesinnungen  ernst  war,  läßt  sich  bezweifeln.
Jedenfalls  trug  die  Abweisung,  die  er  von  England  und  Oesterreich  erhalten  hatte,  nur
dazu  bei,  seinen  Ruhm  und  sein  Ansehen  zu  vermehren,  und  von  allen  Seiten  strömten
ihm  nun  kampfeslustige  Krieger  zu.  In  aller  Heimlichkeit  bildete  Napoleon  ein  streitbares
Heer,  das  er  namentlich  in  der  Nähe  des  Genfer  Sees  sammelte,  und  erteilte  zugleich
dem  General  Moreau  den  Befehl,  den  Rhein  zu  überschreiten  und  die  Schwarzwaldarmee
anzugreifen,  die  in  einer  Stärke  von  etwa  100  000  Mann  sich  von  Vorarlberg  bis  zum
Rhein  und  Neckar  hinzog,  und  unter  dem  Oberbefehl  des  Feldzeugmeisters  Kray  stand,
nachdem  Erzherzog  Karl  zurückgetreten  war.

Während  indessen  Napoleon  mit  den  Vorbereitungen  zu  einem  italienischen  Feldzug
beschäftigt  war,  hatte  Moreau  bei  Breisach  den  Rhein  überschritten,  den  österreichischen
Befehlshaber  Kray  in  mehreren  Schlachten  geschlagen  und  ihn  unter  fortwährenden
Gefechten  nach  der  Donau  zurückgedrängt.  Die  berühmte  württembergische  Veste  Hohentwiel
wurde  geschleist  und  Kray  sah  sich  bald  genötigt,  einen  außerordentlich  sicheren  Posten
bei  Ulm  aufzugeben  und  sich  unter  fortwährenden  Kämpfen  nach  Nördlingen  und  von
da  nach  Neuburg  durchzuschlagen.  Im  Juli  dehnten  die  Franzosen  sich  über  ganz  Bayern
aus,  allein  da  sowohl  Kray,  als  auch  Moreau  der  Ruhe  bedürftig,  kam  am  15.  Juli  1800
der  Waffenstillstand  von  Parsdorf  zustande,  der  ebenso  wie  der  gleichzeitige  in  Italien
Gelegenheit  gab,  Friedensunterhandlungen  anzuknüpfen.