364  Der  Antergaug  des  alten  deutichen  Reiches.

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wecken,  daß  sich  alles  freue,  der  großen  Nation  und  ihrem  gewaltigen  Herrscher  anzugehören,
daß  es  nur  an  ihm  gelegen  sei,  über  die  kleineren  Fürsten  und  Staaten  Deutschlands
eine  schiedsrichterliche  Autorität,  eine  schutzherrliche  Stellung  mit  gebieterischem  Wahleinfluß
  zu  erlangen,  wie  in  Italien."

„Die  gewaltsamen  Veränderungen  sämtlicher  europäischer  Staatsverhältnisse  durch
Napoleon  veranlaßten  Alexander  von  Rußland,  aus  seiner  bisher  beobachteten  Zurückhaltung
  herauszutreten.  Anfangs  scheint  er  die  Absicht  einer  Vereinigung  mit  Preußen
gehabt  zu  haben,  um  den  Westmächten  und  namentlich  Frankreich  gegenüber  energisch
auftreten  zu  können.  Schon  im  März  1803  hatte  Napoleon  in  Berlin  erklären  lassen,
daß  er  sich  genötigt  sehen  werde,  Hannover  besetzen  zu  lassen.  Allein  man  konnte  sich
am  Berliner  Hof  zu  einer  entschiedenen  Haltung  nicht  entschließen.  König  Friedrich
Wilhelm  wollte  einen  solchen  Schritt  nur  tun,  wenn  er  sich  durch  Rußland  gedeckt
wußte,  allein  der  englisch-hannoversche  Gesandte  am  russischen  Hofe,  Graf  Münster,
wußte  dahin  zu  wirken,  daß  Alexander  seinem  königlichen  Freunde  eine  abschlagende
Antwort  gab.  Mitten  im  Frieden  rückte  nun  der  französische  General  Mortier  in
Hannover  ein,  und  das  feige  Adelsregiment  dort  gab  der  Bevölkerung  den  Befehl,  „keine
Ombrage  zu  erregen.“  England  ließ  den  Franzosen  gewähren,  Mortier  sperrte  die
Elbe  und  Weser  ab  und  erhob  im  Gebiete  der  Hansestädte  Kontribution.  Der  Suhlinger
Vertrag  vom  3.  Juni  1803  bestätigte  die  Besitznahme  der  Franzosen,  und  Hunderte
von  Soldaten  entwichen  infolge  dessen  in  die  deutsche  Legion  des  Königs  von  Großbritannien.


Nun  erst  bemühte  sich  das  Berliner  Kabinet,  Napoleon  zur  Räumung  des  Landes
zu  bewegen,  wandte  sich  aber  zugleich  auch  an  Rußland  und  schloß  mit  demselben  am
4.  Mai  1804  ein  Schutzbündnis,  in  welchem  sich  beide  Staaten  zu  gegenseitiger  Hilfe
verpflichteten,  wenn  Bonaparte  die  Hand  noch  nach  anderen  Reichslanden  ausstrecken
sollte.  Zugleich  aber  unterhandelte  man  mit  Frankreich  und  verbürgte  sich  für  die
Neutralität  Norddeutschlands,  und  als  Napoleon  den  Herzog  von  Enghien  unter  irgend
einem  nichtigen  Vorwand  zum  Tode  führen  ließ,  wagte  man  wohl  Widerspruch  gegen
eine  solche  Gewaltmaßregel  zu  erheben,  allein  Baden  ersuchte,  die  Angelegenheit  auf  sich
beruhen  zu  lassen.

Indessen  hatte  Napoleon,  wie  oben  schon  erwähnt,  die  Kaiserkrone  angenommen,
und  die  Regierungen  beeilten  sich,  in  unterwürfigstem  Tone  ihre  Glückwünsche  zu  bringen.
Friedrich  Wilhelm  wollte  die  Andeutungen  auf  eine  norddeutsche  Kaiserkrone,  die  ihm  von
seiten  Napoleons  gemacht  wurden,  nicht  verstehen.  Die  kleinen  Reichsstände,  die  guten
wie  die  schlechten,  Baden  und  Hessen-Rothenburg,  Fürstenberg  und  Leiningen,  Bremen
und  Augsburg  sendeten  dem  gekrönten  Plebejer  unterwürfige  Glückwunschschreiben,  deren
byzantinische  Niedertracht  selbst  die  Schmeicheleien  der  Franzosen  in  Schatten  stellte.
Sie  unterzeichneten  sich  als  seiner  Majestät  alleruntertänigste  und  allergehorsamste
Diener,  feierten  den  Hort  und  Beschützer  der  deutschen  Verfassung,  den  Helden  und
Friedensbringer,  zu  dessen  glänzendem  und  wohltätigem  Genie  der  Weltteil  in  stummer
Bewunderung  aufblicke,  schilderten  beweglich,  mit  welcher  Freude  alle  deutschen  Herzen
diesen  neuen  Kaiser  empfingen,  der  ihrem  ersten  Kaiser  Karl  so  ähnlich  sei,  dankten
inbrünstig  für  die  bei  den  deutschen  Entschädigungshändeln  empfangenen  Wohltaten  und
empfahlen  sich  schließlich  zu  huldvoller  Berücksichtigung  für  den  Fall  einer  neuen  Länderverteilung.“
