368  Der  Uniergaug  des  allen  deutschen  Neiches.

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Koalition  bei  und  erhielt  hierfür  eine  Gebietsvergrößerung,  so  daß  nun  der  große
europäische  Kriegsbund  als  festgeschlossen  erschien.

Zum  Ueberbringer  dieser  Botschaft  an  Napoleon  hatte  man  den  Grafen  Haugwitz
ausersehen.  Der  König  hielt  an  dem  nun  einmal  gefaßten  Beschluß  unverbrüchlich  fest.
Ein  Heer  von  200  000  Mann  versammelte  sich  an  den  Südgrenzen  der  Monarchie,  um
die  Unabhängigkeit  des  Deutschen  Nordens  zu  verteidigen,  gleichzeitig  zog  die  russische
Reserve-Armee  gegen  Mähren,  es  mußte  abgewartet  werden,  bis  alle  Zuzüge  an  einander
waren,  dann  schien  eine  Niederlage  Napoleons  unausbleiblich.  Um  den  Glauben  zu
erwecken,  als  fürchte  er  sich,  stellte  sich  Napoleon  bei  den  Unterhandlungen  friedfertig  und
nachgiebig;  Alexander  durchschaute  seine  List  vollständig,  allein  als  er  nun  bei  einer
glänzenden  Heerschau  seine  schönen  Regimenter  sah,  da  hatte  er  rasch  alle  guten  Vorsätze
vergessen,  und  man  beschloß  nun,  auf  Napoleons  wohlgesicherte  Stellung  loszugehen.  Am
Tage  der  Kaiserkrönung  Napoleons,  am  2.  Dezember  1805  wurde  bei  Austerlitz  die
„Dreikaiserschlacht"  geschlagen,  in  welcher  die  Wintersonne  den  glänzendsten  Sieg  des
französischen  Imperators  beleuchtete.  Die  beiden  Armeen,  welche  an  den  zwei  Straßen,
die  von  Brünn  nach  Wien  und  nach  Olmütz  führten,  im  blutigen  Ringen  unter  den  Augen
der  drei  Monarchen  ihre  Kräfte  maßen,  an  dem  Bergplateau  von  Pratzen,  in  dessen  Nähe
die  beiden  Kaiser  Franz  und  Alexander  mit  ihren  Garden  Dorf  und  Schloß  Austerlitz
bezogen  hatten,  bei  den  Gebirgsdörfern  Girschikowitz,  Tellnitz  und  Sokolnitz,  und  an
einem  Bach  mit  mehreren  kleinen  Landseen,  waren  in  der  Stärke  einander  ziemlich  gewachsen,
  die  russisch-österreichische  Armee  wird  auf  80  000  Mann  berechnet,  die  französische
mochte  um  10  000  schwächer  gewesen  sein.  Auch  an  Mut,  Tapferkeit  und  Ausdauer
standen  die  russichen  und  österreichischen  Soldaten  den  Franzosen  nicht  nach.  Dagegen
wurde  der  Schlachtplan,  den  der  österreichische  General  Wegrother  ohne  die  Zustimmung
des  russischen  Oberfeldherrn  Kutusow  entworfen,  von  Napoleons  strategischem  Scharfblick
von  vornherein  richtig  erkannt,  durch  Gegenaufstellungen  so  erschüttert  und  vereitelt,
daß  später  in  Petersburg  die  Behauptung  auftauchte,  derselbe  sei  dem  französischen  Kaiser
verraten  worden,  und  während  Napoleon  bei  Führern  und  Soldaten  auf  pünktlichen
Gehorsam  und  todesmutige  Hingebung  rechnen  konnte,  war  auf  Seiten  der  Feinde,  wo
bald  Wegrother,  bald  Kutusow,  bald  Kaiser  Alexander  selbst  als  leitende  Persönlichkeit
erschien,  wenig  Eintracht  und  Uebereinstimmung.  So  endigte  denn  nach  furchtbarem
Ringen  der  Tag  der  Kaiserkrönung,  den  die  Soldaten  mit  Freudenfeuern  begrüßten,  mit
einer  vollständigen  Niederlage  der  Verbündeten.  Die  Russen  hatten  21  000  Tote  und
Verwundete,  die  Oesterreicher,  die  in  viel  geringerer  Zahl  an  der  Schlacht  teilnahmen,
6  000;  133  Kanonen  und  eine  unzählige  Menge  von  Fahnen  fielen  in  die  Hände  der
Sieger.  Die  Verluste  der  Franzosen  mochten  sich  auf  8000  belaufen,  wurden  aber  in
dem  Schlachtenberichte  Napoleons  viel  niedriger  angegeben.

Am  heißesten  war  der  Kampf  im  Mitteltreffen  auf  der  Hochebene  von  Pratzen,  wo
der  gegen  Kutusows  Rat  auf  Alexanders  Befehl  angeordnete  vorzeitige  Abmarsch  der
Verbündeten  dem  Feinde  entscheidende  Vorteile  bot.  Als  man  den  alten  russischen  Oberseldherrn,
  der,  von  einer  Kugel  am  Kopf  getroffen,  aus  dem  Schlachtgewühl  geführt
ward,  nach  der  Tiefe  seiner  Wunde  fragte,  rief  er,  die  Hand  nach  Pratzen  ausstreckend:
„Dort,  dort  ist  die  tötliche  Wunde.“  Auf  dem  Rückzug  über  die  gefrorenen  Teiche  fanden
mehrere  Tausend  Soldaten  von  Buxhavdens  Armeekorps  ihren  Tod  durch  das  Einbrechen
der  Eisdecke.  Noch  am  andern  Tage  hörte  man  ihre  Hilferufe  und  ihr  Jammern.“