Der  dritte  Roalitionskrieg.  369

Schon  am  nächsten  Tage  sandte  Franz  einen  Gesandten  an  Napoleon,  und  dieser
gewährte  in  einer  den  Kaiser  tief  demütigenden  persönlichen  Zusammenkunft  einen
Waffenstillstand  unter  der  Bedingung,  daß  das  Bündnis  zwischen  Oesterreich  und  Rußland
  aufgehoben  werde  und  daß  kein  fremdes  Heer  den  Boden  Oesterreichs  betreten
dürfe.  Von  Seiten  der  Russen  wurde  diesen  Bedingungen  nichts  in  den  Weg  gelegt.
Mehr  und  mehr  trat  die  gegenseitige  Abneigung  hervor  und  ohne  von  den  Franzosen
weiter  verfolgt  zu  werden,  räumten  die  Russen  das  fremde  Gebiet.

Noch  war  indessen  Preußens  Lage  keine  schlimme.  Alexander  von  Rußland  hatte
sein  in  Schlesien  und  Preußisch-Polen  stehendes  Armeekorps  unter  den  Oberbefehl  Friedrich
Wilhelms  gestellt,  und  diesem  stand  nun  eine  Armee  von  300  000  Mann  zur  Verfügung.
Somit  durfte  man  wohl  auf  Hilfe  für  das  bedrängte  Norddeutschland  und  auf  einen
leidlichen  Frieden  für  Oesterreich  hoffen.  Daß  man  sich  auch  hierin  täuschte,  daran  war
namentlich  die  Charakterlosigkeit  des  Grafen  Haugwitz  schuld,  der  nun  an  dem  Plan
einer  absoluten  Neutralität  festhielt.  Als  er  zu  Napoleon  gesandt  wurde,  um  demselben
im  Namen  des  Königs  ein  kurzes  „Entweder-Oder“  vorzustellen,  reiste  er  absichtlich
langsam,  ließ  sich  von  Napoleon  mit  leeren  Worten  vertrösten,  und  ging  dann  nach
Wien,  um  den  Gang  der  Ereignisse  dort  abzuwarten.  Sofort  nach  den  Nachrichten  der
Schlacht  bei  Austerlitz  war  er  entschlossen,  um  jeden  Preis  Frieden  mit  dem  Gewaltigen
zu  machen,  und  unterzeichnete  ohne  jede  Vollmacht  des  Königs  am  15.  Dezember  zu
Schönbrunn  ein  Schutz=  und  Trutzbündnis  mit  Frankreich,  in  welchem  Preußen  alle  diejenigen
  Abtretungen,  welche  Napoleon  vom  Kaiser  Franz  zu  erzwingen  hoffte,  im  voraus  schon
anerkannte,  Cleve  an  Frankreich,  Ansbach  an  Bayern  überließ,  und  dafür  Hannover  erhielt.

Diese  Zugeständnisse  ermöglichten  es  denn  auch  Napoleon  am  26.  Dezember  1805  den
Preßburger  Frieden  zu  erzwingen.  In  demselben  verlor  Oesterreich  Venedig  mit
Istrien,  Dalmatien  und  den  dazu  gehörigen  Inseln;  trat  an  Bayern  Tirol,  Vorarlberg
mit  mehreren  Bistümern  und  Städten  ab,  gab  an  Württemberg  und  Baden  die  noch
vorderösterreichischen  Länder,  und  erhielt  als  Entschädigung  Salzburg,  Berchtesgaden,
sowie  die  Güter  des  säcularisierten  deutschen  Ordens.  Bayern  und  Württemberg  wurden
als  Königreiche  anerkannt.  Zugleich  suchte  Napoleon  einige  der  deutschen  Fürstenhäuser
mit  sich  in  verwandtschaftliche  Beziehung  zu  bringen,  und  dadurch  sich  dieselben  zu  sichern.

„Durch  die  unerhörten  Erfolge  des  Jahres  1805  wurde  der  Ehrgeiz  und  Herrscherstolz
  des  französischen  Kaisers  auf  eine  schwindelnde  Höhe  gehoben.  Er  wollte  ein
europäisches  Weltreich  gründen,  wie  es  in  den  Tagen  Karls  des  Großen  bestanden,
gestützt  auf  ein  Föderatiosostem  von  abhängigen  Königen,  Herzögen,  Fürsten.  Zu  dem
Ende  wurde  das  römische  Reich  deutscher  Nation,  auf  dem  immer  noch  der  Nimbus  einer
tausendjährigen  Hegemonie  und  Rechtsstellung  beruhte,  des  letzten  armseligen  Restes  seiner
veralteten  Verfassung  beraubt  und  eine  deutsch=  französische  Mittelmacht  aus  souveränen
Fürsten  geschaffen,  die,  wie  auch  das  monarchische  Staatsoberhaupt  der  einst  zum  Reichsverband
  gehörigen  Provinz  Holland  zu  dem  französischen  Imperator  in  eine  Art
Vasallitätsverhältnis  traten;  zu  dem  Ende  wurde  das  italienische  Festland  unter  verschiedenen
  Formen  in  die  Bonapartische  Machtsphäre  gezogen  und  durch  Errichtung  von
Reichslehen  in  den  abgetretenen  oder  eroberten  Landschaften  und  deren  Uebertragung  an
französische  Generäle  und  Staatsmänner  mit  fürstlichem  Rang  eine  neue  Feudalhierarchie
geschaffen,  die  wie  ein  Kreis  von  Trabanten  um  das  kaiserliche  Gestirn  sich  bewegen  sollte."

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Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  25