Der  Rheinbund.  373

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so  ganz  Leidenschaft,  so  ganz  Haß  und  Grimm  gewesen.  Er  fühlte,  daß  in  diesem
Staate  Deutschlands  letzte  Hoffnung  lag;  er  ahnte  mit  dem  Instinkte  der  Gemeinheit,
daß  diese  Hohenzollern  doch  von  anderem  Metall  waren,  als  Kaiser  Franz  und  die
Satrapen  des  Rheinbundes.  In  seinen  Ansprachen  an  die  Armee  überschüttete  er  vor
allem  die  edle  Königin  mit  pöbelhaftem  Schimpf;  sie,  die  an  den  entscheidenden  Beratungen
  des  August  gar  keinen  Anteil  genommen,  sollte  die  Schuld  tragen  an  dem
„Bürgerkrieg“",  der  das  arglose  Frankreich  so  ganz  unvermutet  überraschte;  sie  dürstete
nach  Blut,  sie  setzte,  eine  andere  Armida,  im  Wahnsinn  ihr  eigenes  Schloß  in  Brand.
Noch  bevor  die  Schwerter  aneinander  schlugen,  war  bereits  entschieden,  daß  zwischen
Napoleon  und  den  Hohenzollern  nie  wieder  ein  ehrlicher  Frieden  bestehen  konnte.
Höhnend  schloß  der  Imperator  sein  Kriegsmanifest:  möge  Preußen  lernen,  daß,  wenn
es  leicht  ist,  durch  die  Freundschaft  der  großen  Nation  Land  und  Leute  zu  gewinnen,  ihre
Feindschaft  schrecklicher  ist  als  die  Stürme  des  Ozeans.“

So  stand  Preußen  gänzlich  isoliert  da.  Wohl  wandte  man  sich  an  die
Mitglieder  der  Koalition  von  1805,  aber  Oesterreich  war  zu  sehr  mit  sich  selbst  beschästigt,
um  mehr  als  wohlwollende  Neutralitätsversicherungen  geben  zu  können.  Auf  England
und  Rußland,  trotzdem  dieselben  mit  dem  Kaiser  noch  im  Krieg  waren,  konnte  Preußen
nicht  rechnen,  wenngleich  namentlich  mit  England  sich  mehr  und  mehr  Annäherungsversuche
  geltend  machten.  Rußland  geizte  nicht  mit  Versprechungen  und  rüstete  sich  auch.
Aber  Preußen  hatte  bis  zum  letzten  Augenblick  die  Rüstungen  nur  nachlässig  betrieben;
noch  immer  dachte  man  an  die  Möglichkeit  eines  Friedensschlusses,  während  die  französische
Armee  schon  Preußen  und  Sachsen  umspannte.  In  Bayern,  Württemberg  und  Franken
standen  die  besten  französischen  Generäle,  Ausrüstung  und  Verpflegung  der  französischen
Truppen  waren  musterhaft,  der  Kriegsplan  genau  entworfen,  und  die  preußische  Armee
zudem  ziemlich  schwächer  als  die  französische.  Die  alten  preußischen  Generäle,  ein  Herzog
Karl  Wilhelm  von  Braunschweig,  Feldmarschall  von  Möllendorf  waren  langsam  und  bedächtig,
  ohne  jede  Energie,  oberflächliche  und  prahlerische  Leute  hatten  den  meisten  Einfluß
im  Hauptquartier  des  Königs.  Noch  einmal  erließ  dieser  ein  Ultimatum,  in  welchem  er
die  sofortige  Räumung  Süddeutschlands  sowie  die  Bestätigung  des  norddeutschen  Bundes
forderte.  In  Thüringen,  in  der  Nähe  von  Erfurt,  Gotha  und  Weimar  hatte  sich  indessen
die  preußische  Armee  zusammengezogen,  allein  noch  ehe  die  Preußen  sich  zu  einem  Angriff
  entschließen  konnten,  war  Napoleon  vorgerückt,  hatte  bei  Schleiz  und  am  andern
Tage  bei  Saalfeld  der  preußischen  Heeresabteilung  eine  Niederlage  beigebracht,  in  welcher
Prinz  Louis  Ferdinand  fiel,  und  schon  dadurch  die  Feinde  in  eine  verzagte  und  mutlose
Stimmung  gebracht.

Während  nun  das  Armeekorps  des  Fürsten  Hohenlohe  bei  Jena  stehen  blieb,  hatte
sich  die  preußische  Hauptarmee,  unter  dem  Herzog  von  Braunschweig  nach  der  Unstrut
gewandt,  um  den  Kampf  zwischen  Saale  und  Elbe  aufzunehmen.  Die  dadurch  zwischen
beiden  gelockerte  Verbindung  benutzte  Marschall  Cannes,  um  nördlich  von  Jena  den
Landgrafenberg  zu  besetzen,  ohne  daß  Hohenlohe  versucht  hätte,  ihn  aus  dieser  Position
zu  verdrängen,  da  ihm  verboten  war,  sich  in  ein  ernsthaftes  Gefecht  einzulassen.  Napoleon
bemerkte  den  Fehler  sofort,  bemächtigte  sich  alsbald  der  Höhenränder,  führte  aber  Nachts,
mit  der  Fackel  in  der  Faust,  das  Geschütz  die  steilen  Abhänge  hinauf,  und  als  der  nebelgraue
  Morgen  des  14.  Oktober  anbrach,  hielt  der  Kaiser  schon  den  sichern  Sieg  in
Händen.  Wie  sollte  dieser  Bruchteil  der  preußischen  Armee  die  Position  von  Vierzehn-