374  Das  Zeitalter  der  Lefreiungskriege.

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heiligen  behaupten  gegen  das  französische  Hauptheer,  das  jetzt  mit  erdrückender  lUlebermacht
  von  den  beherrschenden  Anhöhen  den  Angriff  begann.  Noch  konnte  General  Rüchel
mit  seinen  frischen  Truppen  der  geschlagenen  Armee  einen  geordneten  Rückzug  sichern,
allein  er  führte  die  Regimenter  vereinzelt  zu  nutzlosem  Kampfe  vor.  Also  war  auch  die
Reserve  mit  in  die  Niederlage  verwickelt,  und  als  nun  in  der  frühen  Herbstnacht  der
Rückzug  gegen  Weimar  angetreten  ward,  da  zerrissen  die  letzten  Bande,  welche  das  Heer
noch  zusammenhielten.  Taub  gegen  die  Mahnungen  ungeliebter  Führer,  dachte  der  Soldat
nur  an  sich  selber.  In  einem  unförmlichen  Klumpen  wälzten  sich  die  Trümmer  der
Bataillone  und  Batterien,  dazwischen  eingekeilt  der  unendliche  Troß  über  die  Hochebene
dahin;  jeder  Hornruf  des  nachsetzenden  Feindes  steigerte  die  Verwirrung,  weckte  die  gemeine
  Angst  ums  Leben.  Das  waren  Greuel,  sagte  Gneisenau,  dieser  fürchterlichen  Nacht
gedenkend,  tausendmal  lieber  sterben,  als  das  noch  einmal  erleben.  Unauslöschlich  haftete
das  Bild  des  Entsetzens  in  der  Seele  des  Helden,  ein  Vermächtnis  für  die  Tage  der
Vergeltung.  Und  da  selten  ein  Unglück  allein  kommt,  so  verlor  am  gleichen  Tage  die
Hauptarmee  unter  dem  Herzog  von  Braunschweig  bei  Auerstädt  eine  Schlacht.  Man
hatte  keine  Ahnung  davon,  daß  Davoust  mit  einem  ganzen  französischen  Armeekorps  sich
bereits  der  Saaleübergänge  bei  Kösen  versichert  hatte.  In  dem  Kampf  um  das  Dorf
Hassenhausen  wogte  die  Schlacht  auf  und  ab,  allein  auch  die  Hauptarmee  mußte  sich
endlich  zum  Rückzug  auf  Weimar  entschließen.

Sofort  am  andern  Tage  legte  Napoleon  allen  preußischen  Provinzen  diesseits  der
Weichsel  eine  Kontribution  von  159  Millionen  Francs  auf;  Sachsen  trat  sofort  nach  der
Niederlage  zu  Napoleon  über,  und  die  preußischen  Gebiete  links  der  Elbe  wurden  ebenso
wie  die  Besitzungen  der  Oranier  und  des  hessischen  Kurhauses  vorläufig  Frankreich
einverleibt.

Die  preußische  Hauptarmee,  soweit  man  noch  von  einer  solchen  sprechen  konnte,
führte  Fürst  Hohenlohe  nach  Magdeburg,  wo  man  noch  einen  festen  Stützpunkt  zu  finden
hoffte.  Ein  anderer  Truppenteil  hatte  sich  nach  Erfurt  gewandt,  allein  als  nun  dort
ein  französisches  Reiterkorps  erschien,  da  unterzeichneten  Feldmarschall  von  Möllendorf,
sowie  Prinz  von  Oranien,  beide  schwer  verwundet,  die  Kapitulation  nach  welcher  10  000
Mann  mit  allen  Vorräten  den  Feinden  in  die  Hände  fielen.  Am  nächsten  Tage  wurde
die  11  000  Mann  starke  Reservearmee  bei  Halle  vollständig  geschlagen,  und  als  nun  die
Hauptarmee  bei  Magdeburg  anlangte,  da  zeigte  sich  bald,  in  welch  trostloser  Versfassung
auch  dieser  Platz  war.  Sie  öffneten  denn  auch  Magdeburg,  bald  auch  Küstrin  und
Stettin  dem  Feinde  die  Tore.  Die  Erbitterung  im  Volk  gab  zumeist  den  älteren  Generälen
die  Schuld  an  all  dieser  Schmach.  Junge  Offiziere  zerbrachen  ihre  Degen,  alte  Soldaten
erschossen  sich,  um  nur  die  Schmach  der  Kapitulation  nicht  erleben  zu  müssen,  in  Küstrin
meuterte  ein  ganzes  Bataillon  gegen  seinen  treulosen  Führer.  Fürst  Hohenlohe  hatte
die  Trümmer  seines  Heeres  auf  weiten  Umwegen  bis  in  die  Uckermark  geführt,  da  ereilten
  ihn  die  Franzosen  bei  Prenzlau  und  er  mußte  am  25.  Oktober  jene  schmachvolle
Kapitulation  unterzeichnen,  durch  welche  10  000  Mann  in  französische  Gefangenschaft
kamen.  Nur  einzelnen  Haufen  gelang  es,  nach  Stettin  zu  entkommen.  Auch  Prinz
August  von  Preußen  mußte  den  Versuch,  sich  mit  seinem  Grenadierbataillon  durchzuschlagen,
aufgeben,  nachdem  die  letzte  Patrone  verschossen  war.

Unter  all  dieser  Schmach  und  Schande  war  es  beinahe  nur  der  vierundsechzigjährige
  General  Blücher,  in  welchem  sich  die  altpreußische  Tapferkeit  und  Kriegs-