376  Das  Zeitalter  der  Befreinngskriege.

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System  der  Kontinentalsperre  ward  begründet,  Deutschlands  Wohlstand  auf  Jahre  hinaus
unterbunden.

Zu  all  dieser  Schmach  im  Kriege  kam  auch  noch  die  Schmach  der  Charakterlosigkeit
  und  Kriecherei,  die  sich  nun  beim  preußischen  Volke  dem  Kaiser  gegenüber  zeigte.
Ruhe  ist  die  erste  Bürgerpflicht",  hatte  der  Gouverneur  von  Berlin,  Graf  Schulenburg-Kehnert,
  als  Parole  für  diese  Zeit  erlassen,  die  Staatskasse  war  vom  Freiherrn
von  Stein  noch  rechtzeitig  nach  Berlin  geflüchtet  worden,  aber  sieben  Minister  Friedrich
Wilhelms  entblödeten  sich  nicht,  Napoleon  den  Eid  der  Treue  zu  leisten.  Eine  der
schmachvollsten  Verrätereien  war  diejenige  Johannes  Müllers.  Er,  der  einst  die  altdeutsche
  und  schweizerische  Freiheit  so  pathetisch  verherrlicht  hatte,  ließ  sich  nun  durch
ein  paar  fade  Schmeicheleien,  die  ihm
Napoleon  sagte,  derart  verblenden,  daß
er  zum  unterwürfigsten  Lobredner  desselben
  wurde.  Noch  aber  lebte  da  und
dort  die  echte  vaterländische  Begeisterung,
der  alte  preußische  Soldatenmut  fort.
Schon  waren  in  Scharnhorst  die  ersten
schöpferischen  Gedanken  seiner  Heeresreform
  lebendig  geworden;  mit  kühnem
Mute  hatte  Prediger  Ermann  am  Tore
Napoleon  erklärt,  ein  Diener  des  Evangeliums
  dürfe  nicht  die  Lüge  aussprechen,
  daß  er  sich  freue  über  seinen
Einzug.

Der  Kurfürst  von  Hessen  hatte
geglaubt,  durch  feiges  und.  zurückhaltendes
  Benehmen  gegen  Preußen  sich
Schonung  von  seiten  Napoleons  zu  gewinnen.
  Allein  dennoch  rückten  französische

  Truppen  dort  ein,  besetzten
Alexander  I.,  Kaiser  von  Rußland.  Kassel,  und  der  Kurfürst  mußte  sein  Heil
in  der  Flucht  suchen.  Aehnlich  erging
es  Braunschweig,  Mecklenburg,  Oldenburg;  in  Hannover  wurden  die  Franzosen  als
Befreier  begrüßt,  Herzog  Karl  August  von  Weimar  wurde  nur  unter  der  Bedingung
geschont,  daß  er  die  Armee-Erlasse  und  seine  Truppen  zurückziehe;  der  Kurfürst  von
Sachsen  erhielt  einen  verhältnismäßig  günstigen  Frieden,  wurde  mit  dem  Königstitel
ausgezeichnet  und  trat  nun  dem  Rheinbund  bei.

Friedrich  Wilhelm  war  erst  nach  Graudenz  und  dann  nach  Königsberg  geflohen
Man  war  zu  allen  Zugeständnissen  bereit,  der  König  schrieb  die  flehendsten  und
demütigsten  Briefe  an  Napoleon.  Allein  dieser  ging  in  seinen  Ansprüchen  immer  weiter
und  als  sich  Preußen  endlich  entschloß,  die  maßlosen  Anforderungen  des  Kaisers  zurückzuweisen,
  da  entschlüpften  diesem  Worte  der  Drohung,  die  am  deutlichsten  zeigten,  zu
was  er  entschlossen  sei.  Haugwitz  wurde  zwar  entlassen,  allein  noch  immer  war  der
König  so  befangen,  daß  er  den  Freiherrn  von  Stein,  der  die  Aufforderung  zur  Leitung
des  Ministeriums  des  Aeußern  ablehnte,  in  Ungnaden  entließ.

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