378  Das  Zeitalter  der  Befreiungskriege.

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Warschau  ein.  Allein  die  polnische  Begeisterung  wurde  bald  gedämpft,  als  man  sah,
wie  Napoleon  in  dem  Lande  hauste,  und  bald  wandte  sich  ein  großer  Teil  des  polnischen
Adels  von  ihm  ab.

Der  Beginn  des  russischen  Feldzuges  versprach  nicht  viel  Gutes.  Die  preußische
Armee  ftand  unter  dem  Oberbefehl  Bennigsens,  und  dieser  ordnete  sofort  den  Rückzug
von  der  Weichsel  an.  In  unnützen  Märschen  wurden  die  russisch-preußischen  Truppen
ermüdet,  der  Hader  der  Generäle  unter  sich,  der  schwankende  und  unsichere  Kriegsplan,
ließen  befürchten  daß  die  Erfolge  des  Krieges  keine  glänzenden  sein  würden.  Rasch
folgten  die  Franzosen  den  Russen;  ohne  daß  irgend  eine  Entscheidung  gefallen  wäre,
kam  es  doch  zu  zahlreichen  Gefechten,  die  nur  viele  Opfer  kosteten.  Im  russischen  Hauptquartier
  beschloß  man  endlich,  seinen  Marsch  wieder  nach  Preußen  hin  zu  richten,  und
bei  Preußisch-Eylau  kam  es  am  7.  u.  8.  Februar  1807  zu  einem  Kampfe,  der  einer
der  blutigsten  der  damaligen  Zeit  war.  Zwei  Tage  lang  wurde  in  den  Straßen  der
Stadt  und  um  die  benachbarten  Höhen  mit  großer  Erbitterung  gekämpft,  das  französische
Ungestüm  lag  in  hartnäckigem  Ringen  mit  der  russischen  Zähigkeit.  Die  Russen
unter  Bennigsen,  Fürst  Bagration  und  General  Barday  de  Tolly  mochten  etwa  60  000
Mann,  die  Franzosen  unter  Napoleon  selbst  und  den  kriegskundigsten  Marschällen  Soult,
Murat,  Rescières  Augerau,  Davoust,  gegen  80  000  Mann  zählen;  auf  dem  schneebedeckten
Schlachtfeld  von  Eylau  wogte  die  Entscheidung  hin  und  her,  furchtbar  mörderisch  war
das  Gefecht,  das  Augerausche  Korps  wurde  in  einem  entsetzlichen  Geschütz-,  Bajonettund
  Kavalleriekampf  fast  aufgerieben,  der  Marschall  selbst  verwundet.  Schon  war  auch
der  Zentralpunkt  der  französischen  Aufstellungen,  ein  Kirchhof,  wo  sich  Napoleon  mit
den  Garden  befand,  von  den  Russen  bedroht,  und  der  gewaltige  Reiterangriff  Murats
vermochte  das  Zentrum  des  Feindes  nicht  völlig  zu  durchbrechen.  Als  aber  am  Mittag
des  zweiten  Kampftages  Davoust  auf  dem  Schlachtfeld  eintraf,  gerieten  die  Russen  arg
ins  Gedränge.  Furchtbar  erschöpft  und  gelichtet,  kamen  ihre  Reihen  immer  mehr  ins
Wanken  und  Weichen,  schon  wurden  ganze  Abteilungen  fluchtähnlich  auf  den  Straßen
nach  Königsberg  zurückgetrieben.  Da  griff  zum  Schluß  das  kleine  preußische  Korps
unter  L'Estocq,  der  sich  unter  tapferen  Kämpfen  mit  Ney,  namentlich  bei  Wacken,  den
Weg  zur  Verbindung  mit  den  Russen  gebahnt  und  diesem  Marschall  die  rechtzeitige
Teilnahme  an  der  Schlacht  unmöglich  gemacht  hatte,  in  dem  letzten  Akte  des  Tages
noch  sehr  entscheidend  ein.  Mit  preußischer  Hilfe  ermannten  sich  die  wankenden  russischen
Kolonnen  wieder  und  gingen  noch  einmal  mit  Erfolg  gegen  die  festen  Stellungen  Davousts
vor,  der  nun  seinerseits  geworfen  und  unter  schweren  Verlusten  zurückgetrieben  wurde.
Am  Abend  erst  traf  Ney  auf  dem  Schlachtfeld  ein,  zu  spät,  um  auf  den  Ausgang
dieses  blutigen  Tages  noch  wesentlich  Einfluß  erlangen  zu  können.  Die  Nacht  machte
dem  furchtbaren  Ringen  auf  der  weiten  Schneefläche  ein  Ende  und  eine  Erneuerung
des  Kampfes  war  bei  der  Erschöpfung  auf  beiden  Seiten  nicht  mehr  möglich.  Eine
eigentliche  Entscheidung  hatten  die  blutigen  Tage  nicht,  und  die  stolzen  Siegesbulletins
Napoleons  fanden  nur  wenig  Glauben.  Die  bonapartischen  Schriftsteller  machten  Bernadotte
den  Vorwurf,  durch  sein  Ausbleiben  verhindert  zu  haben,  daß  die  Franzosen  einen  vollständigen
  Sieg  errangen.  Die  Russen  hielten  es  freilich  für  geraten,  ihren
Rückzug  nach  Königsberg  fortzusetzen,  allein  auch  Napoleon  wagte  keine  Verfolgung.
Der  Krieg  erlitt,  von  kleineren  Gefechten  abgesehen,  eine  mehrmonatliche  Unterbrechung,
  bis  die  Heere  sich  erholt,  gesammelt  und  verstärkt  hatten.  Napoleon  selbst