380  Das  Zeitalter  der  Befreiungskriege.

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Zugleich  führte  Schill  in  der  Nähe  von  Kolberg  seine  kühnen  Streifzüge  aus,  in
Vorpommern  sammelte  Marwitz  ein  Freikorps,  um  das  deutsche  Vaterland  zu  befreien,
Blücher  schickte  sich  an  mit  einem  kleinen  preußischen  Korps  im  Rücken  Napoleons  zu
manövrieren,  und  Napoleon  war  wütend  über  die  preußische  Zähigkeit,  die  immer  wieder
und  wieder  die  Befreiung  vom  französischen  Joche  zu  erlangen  suchte.  Weit  weniger
glücklich  war  Danzig,  das  wohl  lange  energischen  Widerstand  leistete,  allein  als  es  den
Franzosen  mit  der  Zeit  gelang,  da  und  dort  sich  festzusetzen,  wurde  die  Lage  eine  so
verzweifelte  und  hoffnungslose,  daß  endlich  General  Kalkreuth,  welcher  die  Stadt  befehligte,
  sich  zur  Kapitulation  gezwungen  sah.  Der  Fall  von  Danzig  drückte  die
Hoffnungen  der  Verbündeten  arg  nieder,  am  österreichischen  Hofe  mußte  man  mit  dem
vom  Volk  und  Heer  stürmisch  verlangten  Eintritt  Oesterreichs  in  ein  Bündnis  gegen
Frankreich  rechnen,  von  England  erhielt  man  Geld  und  Waffen,  und  jetzt  gerade  entschloß
  sich  Friedrich  Wilhelm,  die  Staatsmänner  zu  beseitigen,  deren  ganze  Politik  eine
Versöhnungstheorie  mit  Frankreich  war.  Hardenberg  übernahm  aufs  neue  die  Leitung
der  auswärtigen  Angelegenheiten,  und  in  dem  Vertrag  von  Bartenstein  schlossen  Preußen
und  Rußland  wiederum  ein  Bündnis,  das  namentlich  die  Wiederherstellung  Preußens
zu  der  früheren  Macht  bezwecken  sollte.

Ehe  indessen  diese  Koalition  ins  Leben  getreten  war,  traten  auf  dem  Kriegsschauplatz
Ereignisse  ein,  welche  die  Lage  wesentlich  änderten.  Napoleon  hatte  die  Zeit  benutzt,  um
seine  Armee  zu  verstärken,  und  auf  dem  ostpreußischen  Kriegsschauplatz  standen  nun  unter
seinem  Oberbefehl  200  000  Mann,  während  das  russisch-preußische  Heer  nur  etwa  die
Hälfte  zählte.  Ein  Zusammenstoß  bei  Heilsberg  endigte  ohne  eine  Entscheidung,  die  erst
die  Schlacht  bei  Friedland  am  14.  Juni  1807  bringen  sollte.  In  dem  blutigen  Ringen,
das  sich  dort  entspann,  waren  die  Verluste  auf  beiden  Seiten  ungeheuer  und  Alexanders
Mut  war  nach  dieser  Niederlage  völlig  gebrochen.  Sofort  nach  der  Schlacht  knüpfte
Bennigsen  Friedensunterhandlungen  an,  und  schloß  einen  Waffenstillstand,  währenddessen
Alexander  am  25.  Juni  mit  Napoleon  in  Tilsit  zusammentraf,  um  über  die  Friedensbedingungen
  mit  demselben  zu  unterhandeln.  Den  lockenden  Bildern,  welche  ihm  Napoleon
zeigte,  konnte  der  Zar  nicht  widerstehen,  Preußen  mußte  den  Becher  der  Demütigung
bis  auf  die  Hefe  leeren.  Hardenberg  durfte  die  Verhandlungen  nicht  führen,  er  mußte
förmlich  aus  dem  Ministerium  entlassen  werden,  und  so  kamen  am  7.  und  9.  Juli  die
Friedensverträge  von  Tilsit  mit  Rußland  und  Preußen  zustande.  Der  preußische  Staat
wurde  dadurch  auf  die  Hälfte  seines  bisherigen  Besitzstandes  herabgedrückt,  alle  Besitzungen
zwischen  Rhein  und  Elbe  gingen  verloren.

PDreußens  Srhebung.

Wohl  mochte  sich  Napoleon  mit  der  Zuversicht  trösten,  Preußen  nun  gänzlich  vernichtet
  zu  haben.  Aber  gerade  jetzt,  im  tiefsten  und  schwersten  Unglück,  hob  sich  der  Mut
von  neuem  und  offen  und  verborgen,  laut  und  im  Stillen  rief  man  nach  Rache  für  die
erlittene  Schmach,  nach  Freiheit  von  den  französischen  Banden.  Ein  neues  Geschlecht
sah  Friedrich  Wilhelm  mit  einem  Male  um  seinen  Thron  versammelt,  begeisterte  Herzen