Prenßens  Erhebung.

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der  Gedanke  an  die  Schande  seines  Landes.  Alle  nahten  ihm  mit  EChrfurcht,  denn  sie
fühlten  unwillkürlich,  daß  er  die  Zukunft  des  Heeres  in  seinem  Haupte  trage.

Daneben  waren  es  namentlich  v.  Boyen,  v.  Clausewitz,  von  Grolmann  und  der
oben  schon  erwähnte  Gneisenau,  welche  Scharnhorst  in  allen  seinen  Plänen  unterstützten.
Der  Grundgedanke  der  neuen  Heeresorganisation  war  derjenige,  daß  in  Zukunft  das
ganze  Heer  ein  Volk  in  Waffen  sein  müsse.  Zunächst  entfernte  man  die  große  Menge
älterer  Befehlshaber,  setzte  Kriegsgerichte  ein,  untersuchte  die  Vorgänge  der  letzten
Feldzüge  und  die  Schuld  der  einzelnen  an  denselben;  eine  Reihe  von  Schuldigen  wurde
kassiert,  ja  einige  sogar  zum  Tode  verurteilt;  Kenntnisse.  Bildung  und  Tapferkeit  sollten
in  Zukunft  die  alleinigen  Vorzüge  für  die  Beförderung  sein;  man  schaffte  die  entehrenden
Strafen  ab,  milderte  die  Kriegsartikel,  und  führte  die  Neuorganisation  überhaupt  nach
freien  und  weitblickenden  Grundsätzen
durch.  Scharnhorsts  Pläne  gingen
freilich  noch  weiter.  Eine  Nationalund
  Landmiliz  sollte  geschaffen  werden,
der  Armee  die  im  Frieden  nicht  mehr
als  45  000  Mann  stark  sein  durfte,
sollte  für  den  Kriegsfall  eine  tüchtige
Reserve  zugeführt  werden.  Alle  drei
Monate  zog  man  neue  Rekruten
ein,  bildete  dieselben  so  gut  wie
möglich  aus  und  entließ  sie  nachher
wieder,  um  sie  wieder  für  den  Kriegsfall
  bereit  zu  halten.  Dieses  sogenannte
  Krümpersystem  schuf  dem
Staate  ein  stehendes  Heer  mit  kriegstüchtigem
  Ersatz;  alle  Bewohner  des
Staates  sagte  Scharnhorst,  sollten
geborene  Verteidiger  desselben  sein.
Neben  den  Soldaten  des  stehenden
Heeres  sollten  alle  strreitbaren
Männer  vom  18.  bis  zum  30.  Jahre  sich  auf  eigene  Kosten  bewaffnen,  kleiden  und
üben;  auch  die  Schulen  sollten  militärisch  organisiert  werden.

Der  Umschwung  zum  Besseren  vollzog  sich  freilich  nicht  bloß  in  diesen  äußeren
Vorgängen.  Die  frühere  Leichtfertigkeit  und  Leichtlebigkeit,  die  patriotische  Gleichgültigkeit
  und  Kälte,  die  soviel  dazu  beigetragen  hatte,  Deutschland  dem  fremden  Herrscher
zu  Füßen  zu  legen,  wich  mehr  und  mehr  einem  kräftigen  Nationalbewußtsein,  einer
ernsteren  Lebensanschauung,  und  um  dieselbe  zu  heben  und  zu  wecken,  dazu  trug  namentlich
  J.  G.  Fichte  mit  seinen  Reden  an  die  deutsche  Nation  bei.  Ihm  zur  Seite  stand
Schleiermacher,  und  in  ihrem  Geiste  wurde  die  Universität  Berlin  gegründet,  Ernst  Moritz
Arndt  wirkte  mit  seiner  kerndeutschen  Kraft,  mit  seinen  wuchtigen  Worten  in  seinem
„Geist  der  Zeit",  Jahn  der  Turnvater,  suchte  die  körperliche  Ausbildung  zu  fördern
und  dadurch  auch  seinerseits  zur  Hebung  nationaler  Kraft  beizutragen.  An  verschiedenen
Orten  bildeten  sich  Vereine  und  Bündnisse  mit  dem  Zweck,  das  vaterländische  Bewußtsein,
deutsche  Kunst  und  Wissenschaft  zu  heben  und  zu  fördern.  Der  bedeutendste  unter  den-Cbner,

  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  20

Gneisenau.