386  Das  Zeitalter  der  Befreiungskriege.

selben  war  der  im  Jahre  1808  in  Königsberg  gegründete  „Tugendbund“,  der  sich  nach
und  nach  über  ganz  Preußen  verbreitete.  Und  nun  endlich  begann  sich  überall  das  rege
Leben  zu  entfalten;  an  der  Spitze  der  Romantiker  stand  Friedrich  von  Hardenberg,
genannt  Novalis,  Achim  von  Arnim  und  Clemens  Brentano,  L.  Tieck,  Heinrich  von
Kleist,  de  la  Motte-Fouqus  und  noch  so  mancher  andere  Dichter  und  Denker;  sie  alle
bestrebten  sich,  aus  all  den  verworrenen  und  unvergorenen  Gedanken  und  Hoffnungen
rein  und  lauter  das  deutsche  Element,  den  echten  nationalen  Kern  herauszuheben  und
ihrem  Volke  durch  das  Hinweisen  auf  die  Vergangenheit  mit  ihrem  reichen  geistigen
Schätzen  zu  zeigen,  was  sie  wieder  gewinnen  können,  wenn  sie  sich  selbst  treu  bleiben.
Die  Brüder  Jakob  und  Wilhelm  Grimm  traten  mit  ihren  epochemachenden  Entdeckungen
und  Forschungen  hervor,  überall  sang  und  klang  es  von  deutschem  Wesen  und  deutscher
Kraft;  ein  Völkerfrühling  brach  an  und
verhehlte  nicht,  daß  er  in  seinem  Schoße
das  Heil  der  Nationen  berge.

Steins  Reorganisation  ging  nur
langsam  vorwärts,  und  dem  Minister
selbst  war  es  nicht  lange  vergönnt,  an  der
Spitze  derselben  zu  stehen.  Schon  längst
waren  feindliche  Umtriebe  von  seiten  der
Vertreter  des  alten  Systems  gegen  ihn
im  Werke;  den  Franzosen  war  Stein  längst
ein  Aergernis  geworden,  und  Entstellungen
  und  Erfindungen  aller  Art,  erhöhten
das  Mißtrauen  gegen  ihn  immer  mehr.
Stein  selbst  gewann  es  einige  Monate
lang  über  sich,  den  Franzosen  gegenüber
  unterwürfig  und  entgegenkommend
zu  sein.  Die  versprochene  Räumung
des  Landes  mußte  um  jeden  Preis

""««  erwirkt  werden;  allein  Napoleon  wollte

Friedrich  Wilhelm  von  Bülow.  den  Aufenthalt  seiner  Truppen  ins
Unabsehbare  verlängern.  Vergeblich

ging  Prinz  Wilhelm  nach  Paris  und  erbot  sich  samt  seiner  Gemahlin  so  lange  in
französischer  Gefangenschaft  zu  bleiben,  bis  alle  Kriegsschulden  bezahlt  seien.  Napoleon
kümmerte  sich  um  das  alles  nicht,  und  als  er  sich  endlich  herbeiließ,  seine  Forderungen
anzugeben,  waren  sie  so  unerschwingliche,  daß  Preußen  von  neuem  am  Rande  des
Verderbens  stand.  Ueberall  nahm  indessen  der  Haß  gegen  das  französische  Regiment  zu.
Auch  die  französisch-russische  Allianz  stand  nur  mehr  auf  schwachen  Füßen;  man  murrte,
der  Zar  lasse  sich  von  Napoleon  mißbrauchen,  zunächst  freilich  wollte  Alexander  die
Früchte  des  Tilsiter  Friedens  ernten,  und  Napoleon  ließ  ihn  hierin  ruhig  gewähren.
Allein  Spanien  hatte  indessen  den  Franzosen  schmerzliche  Niederlagen  bereitet.  Wohl
hatte  der  Kaiser  den  König  Ferdinand  durch  List  und  Gewalt  zur  Abdankung  gezwungen
um  an  seine  Stelle  seinen  Bruder  Josef  Bonaparte  zu  setzen,  allein  die  Spanier  wollten
von  französischer  Herrschaft  nichts  wissen,  sie  zwangen  am  22.  Juli  1808  bei  Baylen  in
Andalusien  zwanzigtausend  Franzosen  zur  Kapitulation,  und  kaum  einige  Monate  später,