388  Das  Zeitalter  der  Zefreinngskriege.

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Spionen  Napoleons  fiel  ein  Brief  von  ihm  in  die  Hände,  in  welchem  er  den  Fürsten
Wittgenstein  aufforderte,  die  Unruhen  in  Westfalen  zu  schüren.  Der  Kaiser  ließ  diesen
Brief  am  8.  September  1808  im  „Moniteur“  veröffentlichen  und  verlangte  die  sofortige
Entlassung  des  Verräters.  Zugleich  zeigte  er  sich  jetzt  bereit,  auf  die  orientalischen  Pläne
Alexanders  einzugehen  und  lud  denselben  zu  einer  feierlichen  Zusammenkunft  ein.
Alexander  nahm  diese  Einladung  an,  Oesterreich  wurde  durch  allerhand  diplomatische
Verhandlungen  so  eingeschüchtert,  daß  es  versprach,  seine  Armee  wieder  auf  den  Friedenssuß
  zu  setzen,  so  daß  Preußen  nun  wieder  ganz  allein  und  verlassen  dastand.  Unter
solchen  Verhältnissen  mußte  Prinz  Wilhelm  die  drückenden  Bedingungen  des  Pariser
Vertrags  unterzeichnen.  Man  hatte  die  rückständige  Kontribution  auf  140  Millionen  festgesetzt;
  der  König  sollte  nun  seine  Staatseinkünfte
  wieder  erhalten,  dafür  aber  bis  zur
Abtragung  der  Kriegsschuld  den  Franzosen
Stettin,  Küstrin  und  Glogau  einräumen  und
sich  dazu  verpflichten,  weder  seine  Armee
über  42  000  Mann  hinaus  zu  verstärken,  noch
auch  eine  Landmiliz  heranzubilden.

Friedrich  Wilhelm  schwankte  lange,  ob
er  diese  drückenden  Bedingungen  annehmen
sollte;  noch  immer  hoffte  er  auf  die  vermittelnde
  Hilfe  Rußlands.  Allein  Alexander
dachte  jetzt  nur  an  die  Erwerbung  der  Moldau
und  Walachei  und  hielt  darum  an  seinem
französischen  Bündnisse  fest.  Man  müsse
sich,  meinte  er,  wohl  oder  übel  mit  dem
französischen  Imperator  vertragen;  er  wolle
sehen,  ob  sich  etwas  zur  Milderung  der  Bedingungen
  im  Pariser  Vertrag  machen  lasse.

Im  Oktober  1808  traf  Napoleon  mit
Alexander  in  Erfurt  zusammen.  In  einem

·  geheimen  Vertrag  verpflichtete  sich  Napoleon,
Hardeuberg.  dem  Kaiser  in  der  Eroberung  von  Finnland
und  den  Donaufürstentümern  nichts  in  den
Weg  zu  legen,  wogegen  Josef  Bonaparte  von  russischer  Seite  als  König  von  Spanien
anerkannt  werden  mußte.  England  wurde  in  einem  gemeinsamen  Briefe  aufgefordert,
den  Abmachungen  beizutreten,  im  andern  Falle  würde  der  Krieg  fortgesetzt.

Unter  solchen  Umständen  konnte  nun  auch  Stein  nicht  mehr  gehalten  werden.  Am
24.  November  nahm  er  seine  Entlassung,  die  ihm  der  König  unter  voller  Anerkennung
seiner  Verdienste  gewährte.  Am  16.  Dezember  wurde  er  von  Madrid  aus,  als  ein
Feind  Frankreichs  und  des  Rheinbundes  geächtet  und  seine  Güter  eingezogen.  Nun  gehörte
er,  wie  ihm  Gneisenau  zurief,  „der  Geschichte  an“.  Stein  selbst  ertrug  sein  Geschick
mit  ruhiger  Gelassenheit,  in  ihm  stand  unwandelbar  der  Glaube  fest,  daß  Gott  der  Herr
die  Herrschaft  der  Gewalt  und  Lüge  nicht  immer  dulden  werde.

In  Oesterreich,  wohin  er  sich  wandte,  wußte  man  mit  dem  Verbannten  und  Geächteten
  nichts  anzufangen.  Kaiser  Franz  glaubte  allen  Einflüsterungen  über  die  Um-