392  Das  Zeitalter  der  Befreiungskriege.

während  Napoleon  alles  aufbot  seinen  Truppen  Zuzug  zu  verschaffen.  Einen  solchen  erhielt
  er  namentlich  durch  das  italienische  Heer  unter  dem  Vizekönig  von  Italien.  In  der
Schlacht  bei  Wagram  am  5.  und  6.  Juli  stießen  die  Feinde  zusammen;  lange  behaupteten
die  Oesterreicher  ihre  Stellung,  und  erst  als  Napoleon  am  Mittag  des  6.  Juli  einen
Gewaltstoß  auf  das  zu  weit  gezogene  Mitteltreffen  der  Oesterreicher  richtete,  kamen  diese
zum  Weichen,  sodaß  sich  die  Schlacht  zu  Gunsten  Napoleons  entschied.  Während  dann  in
Znaim  ein  Waffenstillstand  zustande  kam,  fanden  die  Verhandlungen  zwischen  Oesterreich
und  Frankreich  ihren  Abschluß  erst  in  dem  Wiener  Frieden  vom  14.  Oktober  1809,
in  welchem  Oesterreich  auf  Salzburg,  Berchtesgaden  und  das  Innviertel,  auf  Westgalizien,
und  einen  Teil  von  Ostgalizien  mit  Krakau,  auf  den  Villacher  Kreis  in  Kärnten,  sowie
auf  Krain,  das  Triester  Gebiet,  Friaul  und  Kroatien  verzichtete  gegen  eine  Entschädigung
von  85  Millionen  Francs.

Namentlich  die  Vorgänge  in  Tirol  waren  es,  welche  die  Augen  von  ganz  Deutschland
  auf  sich  zogen.  Das  Tiroler  Gebirgsland  war  im  Frieden  von  Preßburg  an
Bayern  gefallen.  Wohl  hatte  man  dem  Lande  die  Fortdauer  der  alten  Verfassung
zugesichert,  allein  sofort  nach  Besitzuahme  Neuerungen  eingeführt,  die  den  Unwillen  der
treu  an  Oesterreich  hängenden  Tiroler  aufs  höchste  erregen  mußten.  So  konnte  es  den
Oesterreichern  nicht  schwer  fallen,  beim  Wiederausbruch  des  Krieges  die  Tiroler  zum
Kampf  gegen  die  Bayern  und  Franzosen  anzuspornen,  man  suchte  eine  geheime  Verbindung
  mit  Erzherzog  Johann,  dem  Freunde  des  Gebirgslandes,  zu  unterhalten,  und  die
Tiroler  griffen  dann  zu  ihren  Büchsen,  um  Gut  und  Blut  für  die  alte  Verfassung,  für
das  Erbe  ihrer  Väter  zu  wagen.  Der  österreichische  Feldherr  Chasteler  zog  ihnen  durch
das  Pustertal  mit  einer  Schar  zu  Hilfe,  und  an  der  Spitze  der  Tiroler  Insurgenten
stand  Andreas  Hofer,  Sandwirt  im  Passeyertal,  angesehen  nicht  allein  wegen  seiner
Stärke  und  seines  Mutes,  sondern  namentlich  auch  wegen  seines  religiösen  Eifers.  Neben
Hofer  war  es  namentlich  Speckbacher,  schlau  und  kühn,  Martin  Teimers  und  Josef
Straub,  welche  die  Seele  des  Aufstandes  bildeten.  Mit  Jubelruf  und  Glockengeläute
wurden  die  österreichischen  Truppen  überall  empfangen.  „Hier  war  alles  vereinigt,  was
das  romantische  Geschlecht  erheben  und  begeistern  konnte,  die  wilde  Schönheit  des  Hochgebirges,
  die  rauhe  Heldenkraft  treuherziger  Naturmenschen,  der  ehrliche  Kampf  für  Sitte,
Recht  und  Glauben  der  Väter,  das  malerische  Gewimmel  einer  freien  Volkserhebung,
Kapuziner  und  Bauern,  Gebirgsschützen  und  Sennerinnen  bunt  durcheinander".  „Vor
und  nach  seiner,  war  und  kommt  auch  keiner  in  der  Ehrlichkeit“,  so  lautet  die  Inschrift
unter  dem  Bilde  Andreas  Hofers  in  seinem  Hauptquartier  im  Adler  zu  Innsbruck.
Die  kindliche  Einfalt  und  Treue  seines  Stamms  verkörperte  sich  in  dem  wackern  Sandwirt,
  und  mit  naiver  Freude  —  so  gänzlich  hatte  der  politische  Zorn  den  alten  Bildungsdünkel
  verdrängt  —  begrüßten  ihn  die  norddeutschen  Patrioten  als  einen  Helden  der
Nation.  Einseitigkeit  ist  das  gute  Recht  jeder  großen  Leidenschaft,  die  Erbitterten
wollten  und  konnten  nicht  sehen,  daß  die  Mönche  und  die  Bauern  des  Hochgebirges  sich
vom  deutschen  Vaterlande  gar  nichts  träumen  ließen,  daß  ihr  Aufstand  ebenso  sehr
den  wohltätigen  Reformen  als  der  bureaukratischen  Härte  der  bayerischen  Regierung
galt,  daß  die  Macht  der  gedankenlosen  Gewohnheit,  der  finstere  Haß  gegen  die  Ketzerei
und  die  alte  partikularistische  Abneigung  wider  den  bayerischen  Nachbarstamm  an  dem
Heldenmute  dieses  Bauernkriegs  reichen  Anteil  hatte."

Die  Unternehmungen,  die  man  mit  großer  Vorsicht  und  Verschwiegenheit  an  mehreren