Preußen  und  Deutschland  bis  zum  Peginn  der  Befreiungskriege.  395

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Bunde  mit  Oesterreich  in  Oels  eine  kleine  Freischar,  die  „schwarze  Legion  der  Rache“
sammelte,  in  Sachsen  einfiel,  das  kleine  sächsische  Heer  zurückdrängte,  und  Dresden,
Meißen  und  Leipzig  besetzte.  Er  sah  sich  freilich  bald  zum  Rückzug  genötigt,  und  verband
sich  nun  mit  dem  österreichischen  Streifkorps  in  Franken,  um  die  Feinde  so  lange  zu
bekämpfen,  bis  der  Waffenstillstand  von  Znaim  seinen  Streifzügen  ein  Ende  machte.  Nach
diesem  beschloß  er  mit  seiner  etwa  2000  Mann  starken  Schar,  sich  einen  Weg  an  die
Nordsee  zu  bahnen,  und  in  England  Hilfe  zu  suchen,  es  gelang  ihm  dies  auch  am
7.  August  1809  und  selbst  Napoleon  soll  ihn  für  diese  Tat  das  Lob  eines  „tapferen
Kriegsmannes“  nicht  versagt  haben.

Nicht  allein  im  Norden  aber,  sondern  auch  in  Süddeutschland  machte  sich  mehr  und
mehr  eine  Erregung  gegen  Napoleon  geltend.  In  Nürnberg,  in  Bamberg,  und  namentlich
  auch  in  dem  preußischen  Frankenlande  scheute  man  sich  nicht,  offen  gegen  die  franzosenfreundliche
  Haltung  Bayerns  aufzutreten,  so  daß  Napoleon  nun  selbst  allmählich  zu  der
Ueberzeugung  kommen  mußte,  daß  sich  Dinge  gegen  ihn  vorbereiteten,  die  ihm  nicht  zum
Heile  sein  konnten.

Inmitten  der  allgemeinen  Begeisterung  blieb  König  Friedrich  Wilhelm  nüchtern
und  besonnen.  Er  wollte  nicht,  wie  in  den  Tagen  von  Austerlitz,  wiederum  durch  Oesterreichs
  Wankelmut  der  Gnade  des  Siegers  anheimgegeben  sein,  Kaiser  Franz  mußte  auch
nach  Mißerfolgen  den  Krieg  fortsetzen,  bis  Preußen  imstande  war,  tatkräftig  einzuschreiten.
  Von  England  verlangte  er  Geld  und  Waffen,  sowie  die  Landung  eines  englischen
Korps  in  Deutschland.  Die  allergrößte  Gefahr  aber  drohte  ihm  von  Rußland,  und  wenn
er  nicht  von  dort  aus  gesichert  war,  schien  ihm  jede  Unternehmung  erfolglos.  So  schrieb
er  denn  noch  vor  Ausbruch  des  Krieges  an  den  Zaren,  und  bat  denselben  um  seine  Zusicherung
  darüber,  daß  er  ihn  unterstützen  oder  doch  nicht  angreifen  werde,  wenn  er  sich
mit  Oesterreich  verbinde.  Allein  die  Antwort  des  Zaren  lautete  immer  ausweichend  oder
abschlägig.  Rußland  wollte  offenbar  den  Krieg  so  lange  zurückhalten,  bis  es  sich  in  dem
Besitze  der  Donaulande  sah.  Allein  auch  von  England  aus  geschah  nichts,  was  einer
Unterstüätzung  Preußens  ähnlich  sah,  und  in  Wien  trat  man  mit  einem  Hochmut  gegen
Preußen  auf,  daß  Friedrich  Wilhelm  sich  auch  von  dieser  Seite  gänzlich  verlassen  sah.
Und  gerade  jetzt  fügte  Oesterreich  sich  selbst  eine  Schmach  zu,  wie  dieselbe  kaum  herber
gedacht  werden  konnte.  Im  Frühjahr  1810  verlobte  der  Kaiser  seine  Tochter,
die  Erzherzogin  Marie  Louise,  mit  Napoleon.

Ein  bitterer  Zorn  erfaßte  die  preußischen  Patrioten,  daß  man  die  große  Stunde  versäumt
  habe.  Napoleon  selbst  wußte  wohl,  daß  es  ihm  ein  leichtes  gewesen  wäre,  Oesterreich
  aufs  neue  zu  einem  Sonderfrieden  zu  zwingen,  und  dann  den  Todesstoß  gegen
Preußen  auszuführen.  Zunächst  nun  zog  er  Preußen  zur  strengen  Rechenschaft  über  seine
kriegerischen  Rüstungen  im  vergangenen  Jahre,  und  um  seinen  Zorn  zu  versöhnen,
entschloß  sich  Friedrich  Wilhelm  Weihnachten  1809  sein  Hoflager  wieder  nach  Berlin  zu
verlegen.

Immer  stürmischer  aber  wurden  Napoleons  Mahnungen.  Jetzt  gerade  schien  ihm
die  Gelegenheit  günstig,  dem  verhaßten  Staate  abermals  eine  Provinz  zu  entreißen,  er
wollte  auf  seine  Geldforderungen  verzichten  gegen  Abtretung  Schlesiens,  die  Minister
und  namentlich  Altenstein  glaubten  eine  solche  Forderung  erfüllen  zu  müssen,  und  erst
nach  langen  Verhandlungen  gestattete  Napoleon,  daß  Hardenberg  wieder  die  Leitung  der
Geschäfte  übernahm.  Wenige  Wochen  nach  dem  Wiedereintritt  desselben  hatte  den  König  ein