Die  Befreiungekriege.  411

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Am  rechten  Elbeufer  stieß  Wittgensteins  Heer  auf  Vizekönig  Eugen  und  zwang
denselben  in  dem  Gesecht  bei  Möckern  am  5.  April  1813  zum  Rückzug  über  die  Elbe.
Ende  April  vereinigte  sich  die  russisch-preußische  Armee  in  Sachsen,  Dresden  wurde  von
den  Franzosen  ohne  Kampf  geräumt,  allein  die  Hoffnung,  den  König  von  Sachsen  zum
Anschluß  zu  bewegen,  verwirklichte  sich  auch  jetzt  nicht.  So  langsam  die  Verbündeten
vorgingen,  ebenso  rasch  und  entschlossen  handelte
Napoleon.  Mit  etwa  120  000  Mann  ging  er
durch  den  Thüringer  Wald  und  näherte  sich  in
der  großen  sächsischen  Ebene  den  Verbündeten.  «««
Noch  einmal  gelang  es  ihm  in  der  Schlacht  bei  —*
Lützen  oder  Großgörschen  am  2.  Mai  1813  einen
Sieg  zu  erringen.  Den  trefflichen  Schlachtenplan
Scharnhorst's  hatte  man  nicht  beachtet,  Wittgenstein
  beging  einen  Fehler  um  den  andern,  während
Napoleons  Blick  jede  Schwäche  des  Feindes
erspähte  und  er  überall  im  Kampfe  voran,  seine
jüngeren  Truppen  in  todesmutige  Begeisterung
versetzte.  Die  Preußen  unter  Blücher  und
Nork  hatten  das  Menschenmöglichste  getan,  waren
aber  von  den  Russen  keineswegs  in  wirksamer
Weise  unterstützt  worden.  Blücher  war  so  ergrimmt
  über  den  Mißerfolg,  daß  er  noch  in  der
Nacht  einen  Reiterangriff  wagte,  der  aber  außer
einem  Schrecken  bei  den  Franzosen  keinen  Erfolg
aufzuweisen  hatte.  Napoleon  aber  hatte  auch  kein
Recht  mit  einem  glänzenden  Sieg  zu  prahlen.
Die  Preußen  konnten  den  Rückzug  in  völliger
Ruhe  und  Ordnung  ausführen  und  bedachten  sich
lange,  ob  sie  nicht  am  folgenden  Tage  die  Schlacht
erneuern  sollten.

„Unter  den  blutigen  Opfern  des  Tages  war
auch  Scharnhorst.  Im  siebenjährigen  Kriege
hatte  ein  grausames  Geschick  fast  alle  preußischen
Heerführer  dahingerafft,  während  des  Befreiungskrieges
  blieben  sie  sämtlich  verschont.  Er  wollte
die  leichte  Wunde,  die  er  bei  Großgörschen  erhielt,
nicht  ruhig  heilen  lassen.  Seit  man  die  Schwächee#.  .·  ,
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vor  Augen  sah,  stand  im  preußischen  Hauptquartier
die  Ueberzeugung  sest,  daß  nur  Oesterreichs  Beistand  den  Sieg  verbürge.  Bald  nach  der
Schlacht  kündigte  der  König  in  einem  Parolebefehl  seinen  Truppen  an:  „In  wenigen
Tagen  wird  uns  eine  neue  mächtige  Hilfe  zur  Seite  stehen.“  Scharnhorst  wußte,  auf
wie  schwachen  Füßen  diese  Hoffnung  noch  stand  und  beschloß  daher,  trotz  der  Warnungen
der  Aerzte,  selbst  nach  Wien  zu  gehen,  um  durch  persönliche  Ueberredung  den  österreichischen
Staatsmännern  den  entscheidenden  Entschluß  zu  entreißen.  Unterwegs  verschlimmerte  sich

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