Die  Befreinugskriege.  415

Während  er  sein  Heer  in  das  böhmische  Gebirge  eindringen  ließ,  kam  die  Nachricht,  daß
Blücher  in  Schlesien  den  Kampf  begonnen  und  inm  siegreichen  Vordringen  begriffen  sei.
Darauf  hin  brach  Napoleon  rasch  nach  Schlesien  auf,  und  ließ  gegen  das  böhmische
Heer  nur  unzureichende  Streitkräfte  zurück.  Die  Verbündeten  ließen  indessen  den  günstigen
Augenblick,  die  schwach  besetzte  Stadt  Dresden  zu  erstürmen,  vorübergehen,  und  als  nun
Napoleon  plötzlich  zum  Entsatz  der  Stadt  heranrückte,  war  man  darüber  im  Kriegsrat  der
Verbündeten  höchlich  überrascht.
  Am  Morgen  des  20.
August  begann  von  allen
Seiten  der  Angriff  auf
die  befestigten  Vorstädte.
Gegen  Abend  wurde  ein
allgemeiner  Sturm  gemacht,
  und  Napoleon  erschien
  nun  selbst  in  der
Stadt,  um  mit  Jubel
begrüßt,  seine  Maßnahmen
  zu  treffen.  Ein
furchtbarer  Kampf  brach
um  die  Festungswerke  los.
Aber  wenn  auch  Russen,
Preußen  und  Oesterreicher
mit  todesmutiger  Tapferkeit
  mit  einander  wetteiferten,
  so  fehlte  doch
die  Einheitlichkeit  des
Planes,  und  als  die  Finsternis
  hereinbrach,  waren
die  Verbündeten  auf  allen
Punkten  zurückgeschlagen.
Man  beschloß  am  folgenden
  Tage  die  Schlacht  zu
erneuern,  aber  die  erwartete
  Verstärkung  traf
nicht  rechtzeitig  ein,  so  daß  die  Franzosen,  die  am  kommenden  Morgen  selbst  wieder
zum  Angriff  übergingen,  einen  glänzenden  Erfolg  hatten.

Schon  wieder  begann  Metternich  mit  Napoleon  zu  unterhandeln,  die  Verbündeten
traten  den  Rückzug  nach  Böhmen  an.  Bei  Kulm  kam  es  nun  am  29.  und  30.  August
von  neuem  zum  Treffen,  in  welchem  General  von  Kleist  bei  Nollendorf  die  Franzosen
unter  Vandamm  angriff,  so  daß  sich  am  Ende  das  ganze  französische  Armeekorps  von
10  000  Mann  gefangen  geben  mußte.  Diese  Niederlage  war  eine  der  entscheidendsten  im
ganzen  Krieg,  und  die  Unglücksbotschaften,  die  von  allen  Seiten  einliefen,  mochten
Napoleon  wohl  zeigen,  daß  sein  Schicksal  seiner  Erfüllung  entgegen  gehe.  Noch  vor  der
Schlacht  bei  Kulm  hatten  sich  auf  anderen  Teilen  des  Kriegsschauplatzes  Ereignisse  vollzogen,
  welche  die  Niederlage  bei  Dresden  beinahe  vergessen  ließen.  Einer  entscheidenden

Erstürmung  von  Dölitz  durch  die  Oesterreicher.