Das  Zeitalter  der  Befreiungskriege.

Schlacht  wichen  die  Preußen  unter  Blücher  in  Schlesien  stets  aus,  und  erst  als  Macdonald
durch  allerhand  Verzögerungen  sich  Blößen  gab,  beschloß  Blücher  zum  Angriff  überzu—
gehen.  An  dem  Flüßchen  Katzbach  trafen  die  Heere  am  26.  August  zusammen.  Es
entspann  sich  ein  hitziger  Kampf,  in  welchem  die  Verbündeten  Wunder  von  Tapferkeit
verrichteten.  Die  Franzosen  wurden  endlich  in  großer  Verwirrung  über  die  steilen  Uferränder
  zurückgetrieben  und  da  Blücher  seinen  Sieg  mit  aller  Energie  ausnutzte,  so  wurde
den  Franzosen  ein  ganz  bedeutender  Schaden  zugefügt.  Ein  Treffen  bei  Bunzlau  hatte
gleichfalls  einen  unglücklichen  Ausgang  für  Macdonald;  18  000  Gefangene  waren  in  den
Händen  der  Verbündeten,  die  Franzosen  verloren  im  ganzen  mehr  als  30000  Mann.
Ebenso  günstig  waren  die  Erfolge  des  Nordheeres.  Die  Schlacht  bei  Großbeeren  endigte
gleichfalls  mit  einer  Niederlage  der  Franzosen  und  jubelnd  empfing  man  die  Nachricht
von  dem  Sieg  der  Verbündeten.  In  einem  kleinen  Gefecht  zwischen  Gadebusch  und
Schwerin  fiel  am  26.  August  Theodor  Körner,  einer  der  ergreifendsten  Dichtergestalten
des  19.  Jahrhunderts.  Das  Gesfecht  bei  Hagelberg  fiel  gleichfalls  unglücklich  für  die
Franzosen  aus.  4000  Mann  lagen  tot  in  den  Gassen  der  Dörfer,  5000  Mann  hatte
man  gefangen  genommen  und  reiche  Trophäen  erobert.

Dennoch  beschloß  Napoleon  noch  einen  weiteren  Versuch  zu  machen.  Allein  die
Schlacht  bei  Dennewitz  mußte  ihn  bald  belehren,  daß  der  Ausgang  des  Krieges  kaum
mehr  zweifelhaft  sein  konnte.  Noch  versuchte  sich  Napoleon  wochenlang  in  Dresden  und
an  den  andern  festen  Punkten  der  Elbe  zu  halten,  aber  alle  seine  Anstrengungen  waren
vergeblich.  In  dem  Gefecht  bei  Wartenburg  wurden  die  Frangosen  wieder  geschlagen
und  mit  jedem  Tage  wankte  das  Ansehen  Napoleons  mehr  und  mehr.  Bayern  löste
seine  Allianz  mit  Frankreich,  in  dem  Vertrag  von  Wied  erlangte  es  die  volle  Anerkennung
der  Souveränität  seines  Königreichs  und  nachdem  sich  Napoleon  überzeugt  hatte,  daß
seine  Stellung  in  Dresden  immer  unhaltbarer  werde,  verließ  er  die  Hauptstadt  in  der
Absicht,  sich  mit  aller  Macht  auf  Blücher  zu  werfen  und  ihn  über  die  Elbe  zurückzutreiben.
Noch  einmal  faßte  Napoleon  den  kühnen  Plan  mit  dem  ganzen  Heer  auf  das  rechte  Elbufer
  zu  ziehen,  allein  nach  einem  Reitergefecht  bei  Liebertwolkwitz  zeigte  es  sich  auch  ihm
deutlich,  daß  nur  eine  einzige  Entscheidungsschlacht  den  Sieg  herbeiführen  könne.

Und  diese  Entscheidung  kam  in  den  Tagen  des  16.,  18.  und  19.  Oktober  in  der
weltberühmten  Schlacht  bei  Leipzig.

„Die  Natur  der  Dinge,  sagt  Treitschke,  führte  endlich  den  Ausgang  herbei,  welchen
Gneisenaus  Scharfblick  von  vornherein  als  den  einzig  möglichen  angesehen  hatte:  die
Entscheidung  fiel  auf  dem  rechten  Flügel  der  Verbündeten.  Napoleon  übersah  von  der
Höhe  des  Thonberges,  wie  die  Oesterreicher  auf  den  linken  Flügel  der  Alliierten  abermals
mit  geringem  Glück  den  Kampf  um  die  Dörfer  an  der  Pleiße  eröffneten,  wie  dann  das
Zentrum  der  Verbündeten  über  das  Schlachtfeld  von  Wachau  herankam.  Es  waren  die
kampferprobten  Scharen  Kleists  und  des  Prinzen  Eugen;  über  die  unbestatteten  Leichen
der  zwei  Tage  zuvor  gefallenen  Kameraden  ging  der  Herzog  hinweg;  man  hörte  die
Knochen  der  Toten  unter  den  Hufen  der  Rosse  und  den  Rädern  der  Kanonen  knacken.
Vor  der  Front  der  Angreifer  lag  langdahingestreckt  Probstheida,  auf  beiden  Seiten  durch
Geschütze  gedeckt,  der  Schlüssel  des  französischen  Zentrums.  Unter  dem  Kreuzfeuer  der
Batterien  begann  der  Angriff,  ein  sechsmal  wiederholtes  Stürmen  auf  offenem  Feld,  doch
zuletzt  behauptete  sich  Napoleons  Garde  in  dem  Dorfe,  und  auch  Stötteritz  nebenan  blieb
nach  wiederholtem  Sturm  und  mörderischem  Häuserkampf  in  den  Händen  der  Franzosen;