Deutschland  bis  zum  Wiener  Rengteh.  123

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Bündnis  mit  Napoleon  los.  So  stark  jetzt  gerade  bei  dem  Volk  der  patriotische  Geist
sich  Bahn  brach,  so  wenig  merkte  man  davon  bei  den  Fürsten,  von  denen  es  sich  manche
angelegen  sein  ließen,  ihre  Gleichgiltigkeit  gegen  die  vaterländischen  Interessen  geflissentlich
an  den  Tag  zu  legen.

Im  Laufe  des  Novembers  schloß  Oesterreich  im  Namen  der  Verbündeten  mit  Wärttem—
berg,  Baden,  Hessen-Darmstadt,  Nassau,  Koburg  und  den  anderen  Rheinbundsmitgliedern
Verträge,  in  welchen  den  Fürsten  bis  zum  Ende  des  Krieges,  die  Souveränität  und  Aufrechterhaltung
  ihres  Besitzes  zugesichert  wurde;  nur  in  ganz  unbestimmten  Ausdrücken
verpflichtete  man  die  Fürsten,  sich  den  zur  Erhaltung  der  deutschen  Einigkeit  nötigen  Einrichtungen
  zu  fügen  und  so  wurde  in  einseitiger  Verblendung  der  Rheinbund  in  all  seinen
Schöpfungen  doch  wieder  aufrecht  erhalten.  Nur  einzelne  kleine  Staaten  und  Fürsten
fielen.  Am  28.  Oktober  besetzten  die  Russen  Kassel,  König  Jerome  floh  eilig,  indessen  sich
„die  bisherigen  Stützen  und  Zierden  des  Kasseler  Hofes  mit  ihrer  Schande  in  die  entserntesten
  Winkel  ihrer  Schlösser  und  Landsitze  verkrochen“.  Das  Königreich  Westfalen
wurde  aufgelöst,  in  Hannover  stellte  man  die  Herrschaft  der  englischen  Dynastie  wieder  her.

Deutschland  bis  zum  Wiener  Kongreß.

Nun  war  die  vollständige  Auflösung  des  Rheinbundes  eine  vollendete  Tatsache.
Daß  das  französische  Heer  nicht  vollständig  aufgerieben  wurde  oder  in  Gefangenschaft
geriet,  daran  trug  nur  der  Umstand  Schuld,  daß  die  Verbündeten  nicht  verstanden,
den  Sieg  gehörig  auszunützen  und  die  Verfolgung  des  Feindes  energischer  zu  betreiben.
Die  Flucht  der  Franzosen  bot  ein  trauriges  Bild,  Napoleon  selbst  war  von  den  Schlägen,
die  ihn  betroffen,  so  sehr  erschüttert,  daß  er  bei  dem  Anblick  der  Zerstörung  durch  die
Schlacht  bei  Leipzig  unwillkürlich  an  Rußland  und  seine  Schrecken  denken  mußte.  Zunächst
  nun  ging  der  Rückzug  der  Franzosen  auf  Erfurt  zu.  Noch  einmal  kam  es  bei
Freiburg  a.  Unstrut  zu  einem  heftigen  Gefechte,  allein  dem  französischen  Korps  gelang  es
dennoch,  Erfurt  zu  erreichen  und  sich  dort  einigermaßen  zu  sammeln.  Napoleon  wollte
sich  hinter  dem  Strom  eine  Zuflucht  suchen,  allein  noch  einmal  mußte  er  sich  mit  den
Waffen  in  der  Hand  den  Weg  bahnen.

Indessen  war  Graf  Wrede  mit  einem  österreichischen  Armeekorps  vom  Inn  aufgebrochen,
  hatte  ohne  jeden  Erfolg  Würzburg  zu  erobern  gesucht  und  machte  nun
Anstalten,  den  fliehenden  französischen  Truppen  den  Weg  zu  verlegen.  Aber  den  großen
Truppenmassen  Napoleons  war  er  nicht  gewachsen.  Nachdem  erst  eine  Reihe  kleinerer
Gefechte  geliefert  worden  war,  kam  es  bei  Hanau  zu  einer  großen  Schlacht,  in  welcher
Napoleon  noch  einmal  seine  ganze  strategische  Macht  zeigen  konnte.  In  zweitägigem
Kampfe  durchbrach  er  die  feindliche  Linie  und  erfocht  einen  glänzenden  Sieg,  der  ihm
die  Stadt  und  die  Straßen  nach  dem  Rhein  hin  öffnete.  Schwere  Opfer  kostete  die
Schlacht  auf  beiden  Seiten.  General  Wrede  wurde  schwer  verwundet;  der  Sieg  Napoleons
wäre  noch  vollständiger  gewesen,  wenn  er  nicht  mit  solcher  Eile  dem  Rheine  zugedrängt
hätte.  Noch  einmal  kam  es  an  den  Toren  von  Frankfurt  zu  einem  blutigen  Gefecht,