424  Das  Jeitaller  der  Hefreinugokriege.

allein  kurz  nach  seinem  Einmarsch  in  die  Stadt  setzte  Napoleon  seinen  Marsch  nach  Mainz
weiter,  und  bald  darauf  schlugen  die  drei  verbündeten  Monarchen  in  Frankfurt  ihren
Hauptsitz  auf.

Noch  blieben  indessen  einige  deutsche  Orte  von  französischen  Truppen  besetzt;  allein
wenn  sich  auch  einzelne  bis  zur  Restitution  der  Bourbonen  hielten,  so  mußten  andere  doch
nach  wenigen  Wochen  kapitulieren;  General  St.  Cyr  mußte  in  Dresden  mit  30000
Mann  kapitulieren,  und  ähnlich  erging  es  dem  General  Rapp  in  Danzig.  Stettin,
Torgau,  Küstrin,  Wittenberg  kapitulierten  in  den  nächsten  Monaten,  andere  wie  Magde—
burg,  Glogau,  Erfurt,  Hamburg,  Mainz  hielten  sich  bis  zum  Frieden.  In  Hamburg
widerstand  Marschall  Davoust  allen  Angriffen  und  allen  Verlockungen,  und  den  ganzen
Winter  über  hielt  sich  Hamburg;  erst  am  31.  Mai  zog  Bennigsen  dort  ein,  und  indessen
war  der  Kronprinz  von  Schweden  in  Kiel  eingerückt  und  hatte  den  schwachen  Gegner
zum  Frieden  von  Kiel  am  14.  Januar  1814  gezwungen.

Allein  noch  immer  war  man  im  Hauptquartier  zu  Frankfurt  nicht  entschlossen  darüber,
ob  man  die  Hand  zum  Frieden  bieten  oder  den  Kampf  fortsetzen  wolle.  An  eine  Entthronung
  Napoleons  zu  denken,  erschien  den  meisten  als  eine  Unmöglichkeit,  wenngleich
die  Stimmung  eine  möglichst  kriegslustige  und  unternehmende  war.  Noch  einmal  gewann
im  Rate  der  Verbündeten  die  Unschlüssigkeit  und  Bedachtsamkeit  die  Oberhand,  trotz  der
kriegerischen  Stimmung  eines  Blücher  und  Gneisenau,  die  dem  Feinde  unmittelbar  auf
den  Fersen  folgen  und  den  Frieden  erst  in  Paris  schließen  wollten.  Aber  noch  immer
erschien  der  Gedanke,  Frankreich  auf  seinem  eigenen  Boden  anzugreifen  als  ein  tollkühner,
da  man  die  Macht  der  Franzosen  auch  jetzt  noch  zu  hoch  schätzte.  Noch  einmal  vermochten
  es  die  Vermittelungsversuche  Oesterreichs  dem  Feinde  eine  goldene  Brücke  zu
bauen,  und  Metternich  auf  dessen  Seite  die  Friedenspartei  stand,  glaubte  nun  seinerseits
mit  Friedensvorschlägen  sich  bemerkbar  machen  zu  müssen.  Man  sicherte  Napoleon  den
Besitz  Frankreichs  innerhalb  seiner  natürlichen  Grenzen  zu,  wenn  er  seinerseits  in  die
Unabhängigkeit  Deutschlands,  Hollands  und  Italiens  willige;  allein  die  Antwort  des
Kaisers  lautete  auf  alle  diese  Vorschläge  ausweichend  und  unbestimmt,  und  die  Kunde
von  neuen  Rüstungen  seinerseits  bewies,  daß  seine  Macht  immer  noch  nicht  gebrochen,
und  sein  Stolz  noch  immer  hoffnungssicher  sei.  Als  er  sich  endlich  bereit  erklärte,  auf
die  Vorschläge  der  Verbündeten  einzugehen,  war  man  sich  indessen  dort  bald  darüber  klar
geworden,  welch  schmähliche  Bedingungen  man  damit  eingegangen  wäre.  Man  beschloß
jetzt  den  Rhein  zu  überschreiten  und  der  Welt  von  diesem  Entschluß  in  einem  Manifest
Kunde  zu  geben.  Allein  auch  jetzt  noch  litt  dieser  Plan  an  der  Langsamkeit  der  Ausführung
  und  die  in  Frankreich  einrückenden  Heermassen  hatten  keinen  so  engen  Anschluß,
um  den  Gegner  voöllig  vernichten  zu  können.

In  dem  Manifest  vom  1.  Dezember  erklärten  die  Verbündeten,  daß  man  nicht  gegen
Frankreich,  sondern  gegen  die  auswärtige  Macht  Napoleons  Krieg  führe;  Frankreich  möge
groß,  stark  und  glücklich  sein,  man  gewähre  ihm  deshalb  einen  größeren  Gebietsumfang
als  es  jemals  besessen,  allein  man  wolle  auch  nicht  die  Waffen  vorher  niederlegen,  als
bis  ein  allgemein  giltiger  Friede  endlich  in  Europa  geschlossen  sei.  Hierzu  kam,  daß  sich
auch  in  Frankreich  nach  und  nach  ein  Geist  der  Opposition  geltend  machte,  den  Napoleon
zuvor  nicht  gekannt  hatte.  Im  Frühjahr  hoffte  er  mit  frischen  Streitkräften  den  Verbündeten
  entgegentreten  zu  können,  allein  auch  dieser  Plan  sollte  ihm  bald  zerstört
werden.  Zwischen  Mannheim  und  Koblenz  setzte  Blücher  mit  der  schlesischen  Armee  über