Dentschland  bis  zum  Wiener  Kongrefß.  425

den  Rhein,  während  Schwarzenberg  durch  die  Schweiz  dem  südöstlichen  Frankreich  entgegenzog
  und  ein  preußisches  Heer  unter  Bülow  nach  dem  Niederrhein  vorrückte,  um  Holland
befreien  zu  können.  Nur  150000  Mann  standen  damals  Napoleon  zu  Gebot,  in  der
Champagne  trafen  Blücher  und  Schwarzenberg  zusammen,  allein  ein  Treffen  bei  Brienne
blieb  ohne  jeden  namhaften  Erfolg.  Drei  Tage  nachher  erfochten  die  Verbündeten
bei  La  Rothière  einen  Sieg,  dessen  Wirkung  auf  die  Stimmung  nicht  unbemerkt  blieb.
Das  französische  Heer  verlor  den  Mut,  allein  wiederum  blieb  dem  Kaiser  Zeit  sich  aufzuraffen,
  und  die  Mahnung  des  preußischen  Feldmarschalls,  den  Feind  in  seinem  eigenen
Nest  aufzusuchen,  verhallte  ungehört.  Rasch  warf  sich  Napoleon  auf  Blüchers  zweite
schlesische  Armee  und  errang  dadurch  Erfolge,  wie  er  sich  dieselben  nicht  geträumt
hatte.  Bei  La  Chaussière  schlug  er  die  Verbündeten  und  schlug  sie  innerhalb  fünf
Tagen  in  ebenso  vielen  glücklichen  Treffen,  um  sich  dann  dadurch  den  Rückzug  erringen
zu  können.

Sofort  wandte  sich  nun  Napoleon  gegen  die  in  einzelnen  Abteilungen  sich  ihm
nahenden  Feinde  und  zwang  dieselben  zum  Rückzug.  Von  neuem  schöpfte  das  französische
Volk  Hoffnung  und  Zuversicht,  und  auch  Napoleon  glaubte  nun  weit  strenger  auftreten
zu  können,  als  dies  bisher  der  Fall  gewesen.  Bei  den  in  Chatillon  eröffneten  Friedensverhandlungen
  wäre  es  dem  Kaiser  nicht  schwer  gefallen,  sich  in  dem  Besitz  des  französischen
Thrones  zu  erhalten,  wenn  er  auf  die  übrigen  mit  Frankreich  verbundenen  Länder
verzichtet  hätte.  Selbst  in  der  preußischen  Diplomatie  ließen  sich  Stimmen  vernehmen,
die  vor  einem  voreiligen  Vorgehen  warnten.  Man  verlangte  die  Herstellung  der  Grenzen
von  1792,  Napoleon  wollte  sein  Neich  von  den  natürlichen  Grenzen  nicht  getrennt
wissen.  Noch  einmal  zog  man  den  Abschluß  des  Bündnisses  so  lange  hinaus,  bis  sich
Blücher  von  den  erlittenen  Niederlagen  wieder  erholt,  seine  Streitkräfte  gestärkt  und
bei  Craonne  und  Laonne  neue  Vorteile  über  die  französische  Armee  errungen  hatte.
Allein  auch  jetzt  noch  setzte  man  die  Verfolgung  des  Feindes  nur  langsam  und  bedächtig
ins  Werk,  während  die  diplomatischen  Verhandlungen  dagegen  um  so  energischer  betrieben
  wurden.  Noch  einmal  schien  alles  geneigt,  sich  mit  dem  Großen  auszusöhnen,
allein  je  sicherer  sich  Napoleon  fühlte,  um  so  mehr  verzögerte  sich  auch  seine  Entscheidung.
Sein  Versuch,  unter  den  Verbündeten  selbst  Uneinigkeit  hervorzurufen,  hatte  keinen  Erfolg.
In  dem  Vertrag  von  Chaumont  erneuerten  dieselben  den  Entschluß,  nur  einen  gemeinschaftlichen
  Frieden  einzugehen  und  bis  zum  Ende  des  Kriegs  sich  kampfbereit  zu  halten.
Man  brach  die  Verhandlungen  mit  Frankreich  ab,  Oesterreich  brachte  im  Interesse  des
allgemeinen  Friedens  seine  Verwandschaft  mit  dem  Imperator  zum  Opfer  und  nun  beschloß
  man  den  Vormarsch  nach  Paris.

Noch  immer  zeigte  Napoleon  nach  außen  eine  ungebeugte  Haltung.  Nach  einem
siegreichen  Kampfe  bei  Rheims  mußte  ihn  die  Niederlage,  die  er  bei  Arcis  an  der  Aubeerlitt,
  bald  davon  überzeugen,  daß  der  Feind  übermächtig  geworden  war.  Unentschlossen
versäumte  er  nun  seine  Zeit  mit  nutzlosem  Hin=  und  Hermarschieren,  und  während  er
selbst  immer  noch  hoffte,  die  Feinde  von  dem  Zug  nach  Paris  abhalten  zu  können,  sahen
diese  um  den  Frieden  herbeizuführen,  nur  die  eine  Möglichkeit,  Paris  zu  besetzen.  Ein
Nationalkrieg  und  Aufruf  an  das  Volk  wäre  das  einzige  gewesen,  was  Napoleon  hätte
retten  können.  Allein  zu  dem  Volke  Vertrauen  zu  fassen,  vermochte  er  nicht,  wenngleich
der  Kampf  bei  Fere-Champenoise  am  25.  März  1814  ihm  deutlich  zeigte,  welche  Kraft
noch  in  dem  Volke  lag.  Carnot,  der  nun  dem  Kaiser  seine  Hilfe  anbot,  erhielt  von